Adipositaschirurgie: Wirksames Mittel gegen Diabetes Typ 2?

Neue Studien weisen darauf hin, dass Operationen gegen Fettleibigkeit nicht nur Kilos schwinden lassen, sondern auch die Blutzuckerwerte stark verbessern können. Dennoch müssen solche Eingriffe gut überlegt sein

Die Adipositaschirurgie kommt bei Typ-2-Diabetikern immer häufiger zum Einsatz. Dabei sollen Patienten mit Hilfe eines chirurgischen Eingriffs, etwa einer Magenverkleinerung, Übergewicht verlieren. Es gibt Belege, dass sich durch solche Operationen oft auch die Blutzuckerwerte deutlich bessern. Allerdings sind die Eingriffe auch mit Risiken verbunden, der Erfolg ist nicht immer gewiss. Noch fehlen große, aussagekräftige Untersuchungen, die den Nutzen eindeutig belegen.

Bessere Werte dank Operation

Zwei aktuelle Studien liefern erneut Hinweise, dass die Adipositaschirurgie tatsächlich einen effektiven Beitrag zur Behandlung von Diabetes Typ 2 leisten könnte. In beiden Untersuchungen normalisierte sich der Langzeitzuckerwert HbA1c durch eine entsprechende Operation stärker als bei anderen Behandlungsmethoden. Die Forschungsarbeiten wurden im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

In der ersten Studie operierten Ärzte an der Katholischen Universität in Rom stark fettleibige, langjährige Typ-2-Diabetiker nach einer speziellen Operationstechnik, der sogenannten Biliopankreatischen Diversion (BPD). Der HbA1c der Patienten sank daraufhin von mindestens 7 Prozent auf durchschnittlich 4,95 Prozent. Damit war der Eingriff deutlich erfolgreicher als die Methoden in den beiden Vergleichsgruppen: Hier behandelten die Forscher die Studienteilnehmer entweder mit einer anderen Operationsmethode – dem Magen-Bypass – oder mit Medikamenten. Allerdings handelt es sich bei der BPD um eine schwierige und riskante Operation. Die Patienten sind zudem ihr Leben lang auf eine Einnahme von Vitaminpräparaten angewiesen.

In eine ähnliche Richtung weisen die Ergebnisse der zweiten Studie an der Cleveland Clinic im US-Bundesstaat Ohio. Auch hier senkte ein operativer Eingriff die Langzeitwerte im Durchschnitt besser als Medikamente.

Komplikationen möglich

Beide Studien arbeiteten mit relativ wenigen Teilnehmern. Ihre Aussagekraft bleibt daher begrenzt. Paul Zimmet vom Baker IDI Heart and Diabetes Institute in Melbourne weist darauf hin, dass Langzeitergebnisse noch fehlen. Zudem sind die einzelnen Operationen mit unterschiedlichen Risiken behaftet. Zum Beispiel können Mangelerscheinungen auftreten, so dass der Patient anschließend auf Vitamin- oder Eiweißpräparate angewiesen ist.

Auch wissen Mediziner noch nicht genau, wie und warum sich der Stoffwechsel nach einer Adipositas-Operation ändert. Es bleiben also weiterhin Fragen offen. In jedem Fall sollten sich Diabetiker nur nach umfassender ärztlicher Beratung an einen solchen Eingriff wagen.

Stephan Soutschek / www.diabetes-ratgeber.net / Diabetes Ratgeber, 04.04.2012