Insulinpumpen können Diabetikern helfen, die ihre Blutzuckerwerte mit intensivierter konventioneller Insulintherapie nicht in den Griff bekommen
Von Diskretion keine Spur: Die erste Insulinpumpe war so groß und schwer, dass man sie in einem Rucksack auf dem Rücken tragen musste. Diabetiker, die in den 60er-Jahren mit einem solchen Apparat ausgestattet wurden, durften sich der allgemeinen Aufmerksamkeit sicher sein.
Die ersten handlicheren Geräte, immer noch groß wie ein Taschenbuch, gab es erst Ende der 70er Jahre. Inzwischen haben sich Insulinpumpen von unförmigen Geräten zu komfortablen Minicomputern entwickelt und werden immer beliebter.
Komfortable Technik im Handyformat
Heute sind Insulinpumpen nicht größer als ein Handy und wiegen nicht mehr als eine Tafel Schokolade. Sie können in Hosentasche oder BH verborgen, am Gürtel befestigt oder an einer Kordel um den Hals getragen werden und nachts frei im Bett liegen. Insulinpumpen sind robust und stoßfest, manche sogar wasserdicht. Sie können bei Bedarf mit einem einfachen Handgriff vorübergehend abgelegt werden, beispielsweise beim Sport.
Galt die Pumpe noch vor 20 Jahren als Ausnahmetherapie für schwer einstellbare Typ-1-Diabetiker, gibt es inzwischen allein in Deutschland etwa 40 000 Pumpenträger. Wer sich erst mal an die Pumpe gewöhnt hat, möchte sie meist nicht mehr missen.
Die Pumpe gibt wie die Bauchspeicheldrüse rund um die Uhr kleine Mengen Insulin ab, um den Grundbedarf des Körpers zu decken. Das zu den Mahlzeiten zusätzlich benötigte Insulin ruft der Pumpenträger per Knopfdruck ab. Über einen dünnen Schlauch und eine Stahl- oder Teflonkanüle, die im Unterhautfettgewebe – meist am Bauch – liegt, gelangt es in den Körper.
Den Katheter wechselt der Pumpenträger etwa alle zwei Tage. Das benötigte Insulin (Normalinsulin oder schnell wirkendes Analoginsulin) gibt es in vorgefüllten Patronen, oder es wird aus einer normalen Insulinampulle in eine spezielle Pumpenampulle aufgezogen.
Die Bestandteile der Insulinpumpe im Überblick:
Die herkömmliche Insulintherapie
Bei der intensivierten konventionellen Insulintherapie (ICT) injiziert der Diabetiker zu den Mahlzeiten mit Spritze oder Pen ein schnell wirkendes Insulin, dessen Dosis und Zeitpunkt er selbst festlegt. Den Grundbedarf deckt ein lang wirkendes Basalinsulin. Wegen der langen Wirkdauer des zu den Mahlzeiten gespritzten Insulins sind unter Umständen Zwischenmahlzeiten nötig. Wer spontan Sport treiben möchte, muss zusätzliche Kohlenhydrate essen, um eine Unterzuckerung zu vermeiden. Außerdem reicht die Wirkung des Basalinsulins nicht immer bis in den Morgen. Daher ist mancher Diabetiker gezwungen, früh aufzustehen und Insulin zu spritzen, um einen Blutzuckeranstieg abzufangen.
Die Insulinpumpentherapie
Bei der Insulinpumpentherapie, abgekürzt auch CSII (Continuous Subcutaneous Insulin Infusion), wird kein lang wirkendes Insulin benötigt. Die Pumpe enthält nur kurz wirkendes Insulin. Davon gibt sie ständig eine kleine Menge ab, die als „Basalrate“ den Grundbedarf des Körpers deckt. Die Basalrate kann im Stundentakt variabel programmiert werden. Dadurch kommt die CSII der Insulinfreisetzung gesunder Menschen recht nahe.
Dank Basalrate können Pumpenträger ausschlafen, ohne schlechte Werte zu riskieren. Auch spontan Sport zu treiben ist leichter möglich. Dazu wird einfach vorher die Basalrate gesenkt. Zwischenmahlzeiten sind meist unnötig. Wer Hunger hat, isst etwas und ruft zusätzlich Insulin ab. Weil der Diabetiker die Insulinmenge bekommt, die er gerade benötigt, schwanken die Werte insgesamt weniger.
Die Vorteile
Die Nachteile
Andrea Grill / www.diabetes-ratgeber.net / Diabetes Ratgeber, 28.06.2011