Erkältet: Was bei Diabetes wichtig ist

Hohe Blutzuckerwerte schwächen auch die Abwehrkräfte, weshalb Menschen mit Diabetes anfälliger für Infekte sind. Hier erfahren Sie, wie Sie Ihr Immunsystem in Form bringen, was bei einer Erkältung hilft – und wie Sie Ihre Zuckerwerte im Zaum halten, wenn das Fieber steigt

Husten, Schnupfen, Halsschmerzen: durchschnittlich drei bis fünfmal jährlich erwischt es jeden von uns, Kinder sogar noch häufiger. Der Grund: Es gibt hunderte verschiedene Erkältungsviren, die sich zudem ständig verändern. Das Abwehrsystem hat daher keine Chance, alle Angriffe abzuwehren – und einen Impfstoff gegen Erkältungen zu entwickeln, ist bislang ebenfalls nicht gelungen.

Wer Diabetes hat, den erwischt es unter Umständen besonders häufig. Denn hohe Blutzuckerwerte strapazieren auch das Abwehrsystem. Auch dauert es bei Diabetes oft länger, bis man sich wieder erholt hat und es kann, vor allem bei älteren Menschen, leichter zu Komplikationen, wie etwa einer bakteriellen Lungenentzündung, kommen.

In den folgenden Kapiteln erfahren Sie unter anderem

  • wie Sie sich vor Erkältungs- und Grippeviren schützen
  • wie Sie Ihre Abwehrkräfte steigern
  • welche Mittel helfen, wenn es Sie trotzdem erwischt hat
  • warum die Impfung gegen Grippe und Pneumokokken wichtig ist
  • wie Sie verhindern, dass Ihre Zuckerwerte entgleisen
  • was Sie beachten müssen, wenn Kinder mit Diabetes Fieber oder Durchfall bekommen

 

Wichtig
Diese Informationen ersetzen nicht das Gespräch mit dem Arzt.
Lassen Sie sich rechtzeitig von ihrem Hausarzt, Diabetologen oder Ihrer Diabetesberaterin erklären, wie Sie Ihre Diabetestherapie – oder die Ihres Kindes – im Falle einer akuten Erkrankunganpassen.

 

Um 1930 untersuchten Forscher, warum ausgerechnet die Bewohner Longyearbyens, einem der nördlichsten Orte der Welt auf der Insel Spitzbergen, kaum Erkältungen bekamen. Nur einmal im Jahr, wenn das Postschiff anlegte, brach das große Husten und Niesen aus. Denn neben den Säcken mit Briefen waren stets auch einige erkältete Matrosen an Bord. Fazit der Forscher: Ohne Keime keine Erkältungen – auch wenn’s noch so kalt ist. Wem es gelingt, den Viren auszuweichen, der hat folglich gute Chancen, gesund zu bleiben. Aber wie schafft man das? Hier ein paar Tipps, die dabei helfen:

Hände waschen: Viren lauern überall, ob auf dem Handlauf der Treppe, der Taste am Fahrkartenautomat oder auf Geldscheinen. Deshalb bitte nicht mit ungewaschenen Händen die Augen oder Nase reiben oder essen. Um die Viren abzuspülen, reichen Wasser und Seife. Desinfizieren ist unnötig, schadet außerdem der Haut. Nicht vergessen: Hände nach dem Waschen eincremen.

Nicht anhusten lassen: Wer hustet und niest, lässt einen Sprühregen von Viren in seiner Umgebung niedergehen. Halten Sie daher, wenn möglich, Abstand von Hustern und Niesern und benutzen Sie, wenn es Sie selbst erwischt hat, ein Taschentuch. Ob ein spezieller Mund-Nasen-Schutz das Risiko senkt, sich anzustecken, ist umstritten.

Menschenansammlungen meiden:Wenn eine Erkältungs- oder Grippewelle rollt, sollte man größere Menschenansammlungen nach Möglichkeit meiden – etwa im Kaufhaus, der U-Bahn oder im Bus.

So machen Sie Ihr Immunsystem stark

Auch wenn Sie sich noch so bemühen, ausschließen lässt sich ein Kontakt mit Erkältungs- oder Grippeviren im Alltag kaum. Deshalb: Sorgen Sie für starke Abwehrkräfte. Besonders wichtig ist das für Menschen mit Diabetes. Sie bekommen leichter Infekte, weil ihr Immunsystem durch die erhöhten Blutzuckerwerte geschwächt sein kann. Zudem kann der Blutzucker bei einem schweren Infekt leicht entgleisen. Grund genug, vorzubeugen.

Ab in die Sauna: Bei Kälte verschlechtert sich die Durchblutung der Haut und der Schleimhäute, weil sich die Gefäße zusammenziehen. Regelmäßiges Saunieren "trainiert" die Blutgefäße: Sie ziehen sich dann bei Kälte nicht mehr krampfartig zusammen. Die Schleimhäute bleiben gut durchblutet und es stehen genug weiße Blutkörperchen und Abwehrzellen zur Verfügung, um eindringende Viren abzuwehren (Lesen sie auch: Saunatipps für Diabetiker).

Oft an die frische Luft: Wer nicht gern in die Sauna geht, sollte öfter einen Spaziergang an der frischen Luft machen. Die Temperaturunterschiede sind dabei zwar deutlich geringer, aber trotzdem noch "reizvoll" für die Blutgefäße, vor allem, wenn es draußen kühl ist. Wer empfindlich ist, sollte Hals, Nase und Ohren vor Kälte schützen. Die Empfehlung, möglichst viel bei Tageslicht rauszugehen, hat noch einen weiteren Grund: Im Herbst lässt die Sonnenstrahlung deutlich nach. Ohne Sonnenlicht produziert der Körper weniger Vitamin D. Dieses Vitamin ist wichtig für ein funktionierendes Abwehrsystem. Ein Mangel an Vitamin D begünstigt Infekte, vermuten Forscher.

Vitamine und Mineralstoffe: Auch andere Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sind wichtig, damit das Abwehrsystem des Körpers funktioniert. Also: abwechslungsreich essen, täglich mindestens fünf Portionen Gemüse und Obst. Wer sich nicht sicher ist, ob er seinen Bedarf damit deckt – zum Beispiel alte Menschen, die sich einseitig ernähren –, kann auch ein Vitaminpräparat aus der Apotheke nehmen. Lassen Sie sich von Ihrem Apotheker oder Hausarzt beraten.

Pflanzliche Wirkstoffe: Wer befürchtet, dass sich eine Erkältung anbahnt, kann seine Körperabwehr mit pflanzlichen Wirkstoffen unterstützen – zum Beispiel, indem er vorübergehend ein Präparat aus rotem Sonnenhut oder Wasserdost aus der Apotheke einnimmt. Als Dauer-Vorsorge werden sie aber nicht empfohlen.

Erkältungen heilen von alleine – "ohne Arzt in sieben Tagen, mit Arzt in einer Woche", wie der Volksmund sagt. Tatsächlich bessern sich die Beschwerden in den meisten Fälllen nach drei bis sieben Tagen deutlich, spätestens nach zwei Wochen sind sie in der Regel verschwunden. Allerdings fühlen sich viele Menschen danach noch längere Zeit schlapp und erschöpft.

Weil Erkältungen von Viren verursacht werden, ist eine Behandlung mit Antibiotika nicht sinnvoll. Eine Ausnahme ist es, wenn es im Verlauf der Erkältung zu einer "Zweitinfektion" mit Bakterien kommt. Ein Hinweis darauf kann es sein, wenn das bereits abgeklungene Fieber plötzlich wieder steigt.

Sie selbst können jedoch einiges dazu tun, um die Beschwerden zu lindern und Komplikationen vorzubeugen.

Schnupfen: Bei Schnupfen helfen Inhalationen mit warmem Wasserdampf, den Schleim zu lösen und die Schleimhäute abzuschwellen. Wer möchte, kann dazu Salze oder ätherische Öle aus der Apotheke verwenden. Bei wunden Nasenschleimhäuten hilft eine spezielle Nasensalbe mit dem Wirkstoff Dexpanthenol. Abschwellende Nasentropfen können kurzfristig sinnvoll sein, wenn die Nasenatmung behindert ist. Wenden Sie diese Produkte nur ein- bis zweimal täglich und nicht länger als sieben Tage an. Für Kinder und Säuglinge gibt es spezielle Präparate.

Halsschmerzen: In der Apotheke bekommen Sie Lutschpastillen, zum Beispiel mit Salbei, Isländisch Moos oder Cetylpyridiniumchlorid. Bei stärkere Schmerzen helfen Präparate mit örtlich betäubenden Mitteln. Desinfizierende Gurgellösungen sollten sie möglichst nicht länger als drei Tage verwenden, da sie auch die normale Rachenflora schädigen. Wichtig: Schonen Sie Ihre Stimme, indem Sie wenig sprechen.

Husten: Inhalationen, zum Beispiel mit Salbei, Thymian oder oder ätherischen Ölen aus Pfefferminze oder Eukalyptus können Linderung verschaffen. Säuglinge und sehr kleine Kinder sollten wegen der Verbrühungsgefahr nicht inhalieren. Außerdem sollten kleine Kinder nicht mit mentholhaltigen Stoffen (z.B. Minze) oder anderen stark riechenden ätherischen Ölen inhalieren, da diese bei Ihnen einen Atemstillstand auslösen können. Fest sitzenden Husten können Sie mit pflanzlichen Wirkstoffen (zum Beispiel Extrakte aus Eukalyptus, Thymian oder Efeu) oder mit chemischen Schleimlösern lockern. Lassen Sie sich dazu in Ihrer Apotheke beraten.

Wichtig ist, ausreichend dazu zu trinken, denn die Wirkung dieser Mittel beruht darauf, dass Sie Wasser in den Schleim ziehen und ihn damit verflüssigen, so dass er sich leichter abhusten lässt. Mit Hustenstillern sollten Sie zurückhaltend sein, da Sie das Abhusten des Schleims behindern. Sie sind eventuell erforderlich, wenn der Husten Sie am Schlafen hindert. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten. Pflanzliche Präparate (Efeu, Spitzwegerich, Eibisch) können ebenfalls helfen.

Fieber: Bei Temperaturen über 39°C können fiebersenkende Maßnahmen helfen, das Allgemeinbefinden zu verbessern. In der Apotheke gibt es Präparate mit den Wirkstoffen Paracetamol oder Ibuprofen. Lassen Sie sich zur richtigen Anwendung in der Apotheke beraten. Wadenwickel sollten Sie nur anwenden, wenn die Beine und Hände des Patienten warm sind und keine Kreislaufprobleme bestehen. Sprechen Sie im Zweifel mit einem Arzt.

Wichtig: Ziehen Sie den Arzt zu Rate, wenn ...

  • das Fieber sehr hoch ist
  • zugleich Atemnot oder starke Schmerzen bestehen
  • zu wenig Flüssigkeit aufgenommen wird
  • Krämpfe oder ein Bewußtseinsverlust auftreten
  • der Krankheit ein Auslandsaufenthalt vorausging


Wer Diabetes oder andere chronische Krankheiten hat, sollte in jedem Fall rechtzeitig mit dem Arzt sprechen.

Die Bereitschaft, sich gegen Grippe impfen zu lassen, ist bei vielen Menschen nicht sehr groß. Nur jeder fünfte über 16-Jährige ist laut einer Umfrage des Allensbacher Instituts für Demoskopie gegen Grippe geimpft. Bei den über 60-Jährigen sind es immerhin fast ein Drittel. Doch rollt die Grippewelle erst einmal an, stecken die Wartezimmer der Arztpraxen plötzlich voller Impfwilliger. Aber dann ist es reichlich spät, denn es dauert eine gewisse Zeit, bis die Impfung wirkt – und außerdem wird der Impfstoff dann oft knapp.

An Grippe sterben doppelt so viele Menschen
wie im Straßenverkehr

Außerhalb der Grippesaison wollen viele von einer Impfung nichts wissen, halten sie gar für gefährlich oder nehmen die Infektionskrankheit nicht ernst genug. Das Ergebnis: Bei jeder Grippewelle erkranken in Deutschland etwa vier Millionen Menschen, rund 15.000 sterben daran. Damit fordert die Grippe jedes Jahr doppelt so viele Menschenleben wie der Straßenverkehr.

Die Grippe ist eine schwere Erkrankung, die kaum etwas gemein hat mit dem "grippalen Infekt", der eine schwere Erkältung bezeichnet. Die Grippe beginnt meist schlagartig mit hohem Fieber, Muskel- und Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Husten und allgemeinem Krankheits- und Schwächegefühl. Die Genesung dauert oft Wochen.

Besonders anfällig: Ältere und Kranke

Schwer zu schaffen macht die Grippe vor allem älteren oder chronisch kranken Menschen wie Diabetikern. Deren Immunsystem kann sich ohnehin gegen Krankheitserreger schlechter behaupten. Sie erkranken nicht nur schneller, eine Grippe verläuft bei ihnen oft auch schwerer und länger.

Außerdem steigt das Risiko für Komplikationen wie eine Lungenentzündung (Pneumonie) durch Pneumokokken. Diese Bakterien kommen auch im Mund und Rachenraum vor. Normalerweise verhindert die Immunabwehr, dass sie sich vermehren. Die Waffenruhe hat jedoch rasch ein Ende, wenn der Körper geschwächt ist – beispielsweise durch eine Grippe.

Lungenentzündung kann lebensgefährlich werden

Dann breiten sich die Pneumokokken rasant aus und können eine Lungenentzündung verursachen. Oft beginnt sie mit Schüttelfrost, hohem Fieber und Schmerzen beim Atmen und Husten. Zwar lässt sich diese Lungenentzündung, im Gegensatz zur Virusgrippe, mit Antibiotika behandeln. Aber sie ist eine schwere Krankheit, die für ältere und chronisch kranke Menschen lebensgefährlich werden kann.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts rät Diabetikern deshalb, sich jährlich im Herbst gegen Grippe und zusätzlich einmal gegen Pneumokokken impfen zu lassen (eine Pneumokokken-Wiederholungsimpfung alle sechs Jahre, wie sie bis vor kurzem empfohlen wurde, wird inzwischen nur noch Menschen mit Immundefekten oder chronischen Nierenkrankheiten angeraten – besprechen Sie sich hierzu mit Ihrem Arzt). Die Krankenkassen übernehmen die Kosten – und wer nur wegen der Impfung zum Arzt geht, muss auch keine Praxisgebühr bezahlen.


Nachgefragt: Wie sicher ist die Impfung?


Nach der Grippe-Impfung haben manche
Menschen Beschwerden. Ist das normal?

Zwei oder drei Tage Unwohlsein, leichtes Fieber – das ist ganz normal. Es sind Zeichen, dass das Immunsystem auf die Impfung reagiert.

Kann die Impfung auch eine Grippe auslösen?
Nein. Von der Grippeimpfung bekommt niemand Grippe. Der Impfstoff enthält nur Bruchstücke abgetöteter Viren. Sie zeigen dem Körper, wie die "echten" Feinde aussehen, so dass er Abwehrstoffe bilden kann. Das dauert etwa zehn Tage.

Ob kleiner Schnupfen oder schwere Grippe: Krankheiten können den Stoffwechsel eines Diabetikers schnell aus den Fugen bringen. Ausgerechnet dann also, wenn man eh schon "auf dem Zahnfleisch geht", braucht der Blutzucker besonders viel Aufmerksamkeit.

Damit Sie für den Fall der Fälle gut gerüstet sind und schnell wissen, wie Sie sich richtig verhalten, wenn Ihnen Fieber, Durchfall oder Erbrechen zu schaffen machen, haben wir  einige Tipps zusammengetragen. Hier erfahren Sie beispielsweise, wann Sie Ihre Diabetestabletten besser weglassen oder die Insulindosis erhöhen, aber auch, wie Sie sich in "appetitlosen Zeiten" bei Kräften halten können.

Was ist zu beachten, wenn der Diabetes
mit Tabletten behandelt wird?

Wer Typ-2-Diabetes hat und mit blutzuckersenkenden Tabletten behandelt wird sollte diese weglassen, wenn er – beispielsweise wegen eines Magen-Darm-Infekts – nichts oder nur sehr wenig essen kann. Das gilt vor allem für Tabletten aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe und Glinide. Denn diese Wirkstoffe regen die Insulinfreisetzung aus der Bauchspeicheldrüse an, sodass schnell eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) droht, wenn man nichts isst. Tabletten mit dem Wirkstoff Metformin müssen bei schwereren Erkrankungen grundsätzlich abgesetzt werden, weil sie sonst zu lebensgefährlichen Übersäuerungen des Blutes führen können.

Bei Erkrankungen mit Fieber gelten andere Regeln als bei Erbrechen und Durchfall. Bei Fieber sollten Sie blutzuckersenkende Tabletten (Ausnahme: Metformin) nicht einfach weglassen, sondern in der üblichen Dosis weiter einnehmen. Wichtig: Besprechen Sie rechtzeitig mit Ihrem Arzt, ob und wie Sie die Dosis Ihrer Diabetes-Medikamente im Falle einer Krankheit verändern müssen.

Vor allem bei schweren Infektionskrankheiten, wie einer Lungenentzündung, reichen blutzuckersenkende Tabletten oft nicht mehr aus, um den Blutzucker genügend zu senken. Dann kann es notwendig sein, vorübergehend Insulin zu spritzen.

Grundsätzlich gilt: Auch wer seinen Blutzucker sonst eher selten kontrolliert, sollte im Krankheitsfall mindestens zweimal täglich messen – einmal morgens und einmal abends. Mit einem Test auf Azeton im Urin lassen sich beginnende Stoffwechselentgleisungen rechtzeitig erkennen. Wichtig: Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen können nicht nur auf einen Magen-Darm-Infekt hinweisen, sondern auch Warnsymptome einer fortgeschrittenen Stoffwechselentgleisung sein. Die Gefahr einer solchen Ketoazidose ist allerdings bei Typ-2-Diabetes, der mit blutzuckersenkenden Tabletten behandelt wird, wesentlich geringer als bei einem ausschließlich mit Insulin behandelten Typ-1-Diabetes.


Was ist wichtig, wenn der Diabetes
mit Insulin behandelt wird?

Bei Diabetikern, die Insulin spritzen, kann der Stoffwechsel während einer Krankheit besonders schnell durcheinander geraten. Vor allem fieberhafte Erkrankungen erhöhen den Insulinbedarf. Die übliche Dosis reicht dann oft nicht mehr aus, um die Blutzuckerwerte stabil zu halten.

Wie viel Insulin bei Fieber zusätzlich gespritzt werden muss, kann individuell sehr verschieden sein und hängt auch davon ab, ob man den ganzen Tag im Bett liegt oder sich noch bewegt. Bei infekten mit Fieber – ohne Erbrechen und Durchfall – gilt als Faustregel: Erhöhen Sie sowohl die Dosis des basalen als auch des Mahlzeiteninsulins schrittweise um etwa zehn bis zwanzig Prozent. Fragen Sie aber auf jeden Fall ihren Arzt, wie Sie vorgehen sollen.

Blutzucker alle drei bis vier Stunden kontrollieren

Um Entgleisungen rechtzeitig zu erkennen, sollte der Blutzucker bei fieberhaften Infekten und anderen Krankheiten alle drei bis vier Stunden kontrolliert werden. Messen Sie, solange Sie krank sind, nicht an alternativen Körperstellen wie beispielsweise am Unterarm. Denn bei raschen Blutzuckeränderungen werden die Werte dort  etwa eine halbe Stunde verzögert angezeigt. Dann besteht die Gefahr, dass Sie eine Blutzuckerentgleisung nicht rechtzeitig bemerken.

Wenn sich hohe Werte (ab etwa 250 mg/dl bzw. 13,9 mmol/l) trotz Insulingabe nicht innerhalb von etwa vier Stunden bessern, muss ein Azetontest durchgeführt werden. Hohe Blutzuckerwerte bei gleichzeitigem Azetonnachweis bedeuten: Dem Körper fehlt Insulin, und es bahnt sich eine gefährliche Übersäuerung des Blutes an, eine Ketoazidose.

Wenn der Azetonnachweis im Urin zweifach (++) oder dreifach (+++) positiv ist, benötigen Sie sofort zusätzliches Insulin. Wie viel, das sollten Sie rechtzeitig mit Ihrem Arzt besprechen. Falls Sie die Korrekturregeln nicht beherrschen, fragen Sie unbedingt bei Ihrem Arzt nach. Er wird Ihnen beispielsweise empfehlen, sofort zwanzig Prozent der gesamten Tagesinsulindosis in Form von Normal- oder kurz wirkendem Analoginsulin zu spritzen. Wiederholen Sie die Blutzucker- und Azetonmessung alle zwei Stunden, bis sich der Stoffwechsel normalisiert hat. Trinken Sie möglichst viel (kohlenhydratfreie Getränke) und meiden Sie körperliche Anstrengungen. Diese würden den Blutzucker weiter in die Höhe treiben und das Fortschreiten der Ketoazidose beschleunigen.

Typische Warnzeichen einer Ketoazidose

  • starke Übelkeit mit Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Azetongeruch aus dem Mund (wie "Faule Äpfel", Nagellackentferner)
  • starke Müdigkeit

Bei diesen Symptomen sollte unabhängig vom Blutzuckerwert ein Ketontest gemacht werden.

 

Hunger-Azeton nicht "wegspritzen"

Bei Krankheiten mit Duchfall und Erbrechen fehlen dem Körper Kohlenhydrate. Dann lässt sich auch bei niedrigem Blutzucker ein so genanntes Hunger-Azeton (Testergebnis einfach positiv) nachweisen. Hunger-Azeton darf nicht nach der Azeton-Korrekturregel "weggespritzt" werden. Wenn Sie nichts oder kaum etwas essen können, sollten Sie das Mahlzeiteninsulin nur zur Korrektur erhöhter Werte spritzen. Das Basalinsulin sollten Sie nie weglassen, da der Körper auch unabhängig von den Mahlzeiten Insulin zur Regulierung des Stoffwechsels benötigt. Wer ein Mischinsulin spritzt, sollte mit seinem Arzt klären, wie er vorzugehen hat.

Kinder: Bei geringster Unsicherheit den Arzt holen

Bei Kindern (siehe auch Kapitel "Kind mit Diabetes – so bleibt der Zucker stabil") kann ein Infekt den Stoffwechsel noch schneller durcheinander bringen als bei Erwachsenen. Je jünger das Kind, umso größer ist die Gefahr. Holen Sie bei der geringsten Unsicherheit den Rat ihres Arztes ein. Wenn Ihr Kind nicht mehr trinkt und kein Wasser mehr lässt, bei unstillbarem Erbrechen und schwerem Durchfall oder bei hohen Azetonwerten muss es sofort in die Klinik.

Wenn es Ihnen während einer Krankheit den Appetit verschlägt, zwingen Sie sich nicht zum Essen. Starkes Schwitzen, Erbrechen und Durchfall entziehen dem Körper Mineralstoffe und Flüssigkeit. Viel trinken ist daher wichtig – auch wenn Sie keinen Durst haben.

Cola schützt vor Unterzucker

Bei Fieber sind die Blutzuckerwerte oft erhöht, dann sollten Sie reichlich kohlenhydratfreie Getränke wie Mineralwasser, Früchte- oder Kräutertee trinken. Bei erhöhten Azetonwerten braucht der Körper zusätzlich Flüssigkeit, um die Ketonkörper ausscheiden zu können.

Bei Magen- und Darm-Infekten mit Erbrechen und Durchfall gehen nicht nur Mineralstoffe, sondern auch Kohlenhydrate verloren, was niedrige Blutzuckerwerte zur Folge haben kann. Vor Unterzuckerungen schützen gesüßte Getränke, beispielsweise Tee mit Traubenzucker oder zuckerhaltige Cola. Elektrolyt-Glukose-Mischungen aus der Apotheke ersetzen Mineralstoffe und Flüssigkeit. Um zu verhindern, dass Ihr Magen gleich wieder alles von sich gibt, trinken Sie langsam und in kleinen Schlucken.

Geriebener Apfel stopft

Lässt das Erbrechen nach, versuchen Sie, leicht verdauliche Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Bei Durchfall sind stopfende Nahrungsmittel wie ein geriebener Apfel oder eine zerdrückte Banane empfehlenswert. Meiden Sie dagegen fettreiche oder schwer verdauliche Speisen. Salzstangen und leicht gesalzene fettarme Fleisch- oder Gemüsebrühe helfen, den gestörten Salzhaushalt auszugleichen.

Bei Kindern kann eine Krankheit, beispielsweise ein Virusinfekt, die Blutzuckerwerte und den Stoffwechsel rasch durcheinander bringen. Hier ein paar Tipps, wie Sie verhindern, dass es zu Komplikationen kommt. Wichtig ist, dass Sie rechtzeitig mit dem betreuenden Arzt klären, wie Sie den Diabetes im Falle von Krankheiten managen – insbesondere bei Fieber, Durchfall und Erbrechen.

Fieberhafter Infekt: Insulinbedarf steigt

Bei Fieber werden mehr Stresshormone wie Adrenalin oder Cortisol ausgeschüttet, die die Insulinwirkung hemmen. Deshalb können der Blutzuckerspiegel und der Insulinbedarf steigen. Kontrollieren Sie den Blutzucker mindestens alle zwei Stunden, gegebenenfalls häufiger, und korrigieren Sie ihn nach dem mit dem Arzt besprochenen Schema.

Machen Sie zur Sicherheit auch häufiger einen Azetontest. Der Azetontest ist nötig, um eine gefährliche Übersäuerung des Körpers (Ketoazidose) zu erkennen, die als Folge der gehemmten Insulinwirkung entstehen kann.

Lassen Sie sich von Ihrem Arzt ein Korrekturschema geben, nach dem Sie erhöhte Blutzuckerwerte bei positivem Azetontest korrigieren. Wenn Sie unsicher sind, bitten Sie unverzüglich den Arzt um Hilfe.

Wann muss das Kind ins Krankenhaus?

Holen Sie bei der geringsten Unsicherheit den Rat Ihres Arztes ein. Je jünger Ihr Kind, desto eher bringt ein Infekt Flüssigkeits-, Salz-, Säure-Basen-Haushalt und Zuckerstoffwechsel durcheinander. In folgenden Fällen sollten Sie die Kinderklinik aufsuchen:

  • bei unstillbarem Erbrechen und schwerem Durchfall
  • bei zunehmenden Austrocknungszeichen an Haut und Schleimhäuten, Zunge und Lippen
  • bei beschleunigter, vertiefter Atmung
  • bei starken Bauch- oder Kopfschmerzen
  • bei hohen Azetonwerten, Azetongeruch aus dem Mund (wie faule Äpfel, Nagellackentferner)
  • wenn die Blutzuckerwerte trotz zusätzlichem Insulin über 300 mg/dl (16,7 mol/l) bleiben
  • bei starker Unruhe, bei Bewusstseinstrübung oder Bewusstlosigkeit

Erbrechen und Durchfall: Basalinsulin nicht weglassen

Im Rahmen eines Infektes kommt es häufig zu Übelkeit und Erbrechen. Bei länger anhaltendem und starkem Erbrechen und/oder Durchfall oder wenn Ihr Kind gleichzeitig Bauchschmerzen hat, sollten Sie unbedingt den Arzt verständigen.

Bei Diabetes ist daran zu denken, dass Erbrechen und Bauchschmerzen Folge einer Übersäuerung des Blutes sein können. Deshalb sollten Sie nicht nur den Blutzuckerwert mindestens alle zwei Stunden kontrollieren, sondern unbedingt auch einen Azetontest (Ketontest) im Urin machen.

Ist der Blutzucker erhöht, korrigieren Sie den Blutzucker gemäß den mit dem Arzt vereinbarten Korrekturregeln.

Ist der Blutzucker erhöht und gleichzeitig der Azetontest positiv, korrigieren Sie den Zucker nach den für diesen Fall mit Ihrem Arzt vereinbarten Regeln. Wenn Sie sich unsicher sind, was Sie tun sollen: Zögern Sie nicht, sofort einen Arzt um Hilfe zu bitten.

Wichtig ist, das Basalinsulin nicht wegzulassen, weil der Körper auch dann Insulin braucht, wenn man  nichts isst. Besprechen Sie mit dem Arzt, ob Sie die Dosis des Basalinsulins eventuell vermindern sollten (z.B. um 30 Prozent). Ohne Basalinsulin kann sich rasch eine gefährliche Übersäuerung (Ketoazidose) entwickeln.

Lassen Sie Ihr Kind schwarzen Tee mit Traubenzucker oder Cola (Kohlensäure vorher durch Umrühren beseitigen) in kleinen Schlucken trinken (wenn die Übelkeit sehr stark ist, nur teelöffelweise). Wenn das Erbrechen nachlässt, können Sie Ihrem Kind Salzstangen oder Weißbrot (ohne Butter oder fetthaltige Aufstriche) geben. Beobachten Sie, ob es das Essen auch behält. Spritzen Sie das Mahlzeiteninsulin nur, wenn ihr Kind das Essen bei sich behält. Die Dosis sollten Sie zur Sicherheit verringern (z.B. um ein Drittel bis die Hälfte), sonst besteht die Gefahr einer Unterzuckerung. Kontrollieren Sie in jedem Fall engmaschig die Blutzuckerwerte.

 

Wichtig
Diese Informationen und die genannten Beispiele ersetzen nicht das Gespräch mit dem Arzt und dessen individuelle Empfehlungen. Wenn Ihr Kind Diabetes hat ist es wichtig, dass Sie mit den Korrekturregeln vertraut sind, nach denen erhöhte Blutzuckerwerte im Krankheitsfall gesenkt werden. Zögern Sie nicht, bei geringsten Unsicherheiten den Arzt um Hilfe zu bitten!

Andreas Baum / www.diabetes-ratgeber.net / Diabetes Ratgeber, 02.12.2011