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Abnehmen mit Typ-2-Diabetes

Durch den Abbau von Übergewicht lässt sich ein Typ-2-Diabetes messbar lindern und in einigen Fällen sogar heilen. Betroffene sollten sich aber nicht mit Hungerkuren oder Crash-Diäten quälen. Auf Dauer hilft nur eine gesunde Ernährung. Dafür gibt es ein paar einfache Regeln

aktualisiert am 25.05.2020

Übergewicht ist eine der Hauptursachen für Typ-2-Diabetes. Häufig geht der Erkrankung eine Fettleibigkeit (Adipositas) voraus. Deshalb zielt die Behandlung des Typ-2-Diabetes besonders darauf ab, Gewicht abzubauen. Abnehmen lohnt sich für die Betroffenen in jedem Fall: Sie gewinnen Lebensqualität zurück und können bei einem stärkeren Gewichtsverlust möglicherweise sogar wieder ganz ohne Medikamente auskommen.

Warum ist Abnehmen bei Typ-2-Diabetes so wichtig?

Jeder Mensch benötigt Zucker, um seine Körperzellen mit Energie zu versorgen. Wenn wir beim Essen Kohlenhydrate zu uns nehmen, werden diese im Darm aufgespalten und als Zucker ins Blut abgegeben. Steigt der Blutzuckerspiegel, produziert der Körper Insulin. Denn mithilfe dieses Hormons kann Zucker aus dem Blut in die Muskelzellen eingespeist oder in der Leber zwischengelagert werden. Das Insulin fungiert dabei wie ein Schlüssel: Es schließt die Zellen für den Zucker quasi auf.

Bei einem Typ-2-Diabetes ist dieser Mechanismus gestört. Die Zellen reagieren nicht mehr richtig auf das Insulin und verbrauchen weniger Zucker. Man spricht von einer "Insulinresistenz". Als Folge steigt der Zuckerspiegel im Blut, und die Bauchspeicheldrüse schüttet immer mehr Insulin aus. Das Problem dabei: Insulin senkt nicht nur den Blutzucker, es verwandelt auch überschüssigen Zucker in Bauchfett. Zu viel Bauchfett wiederum verstärkt die Insulinresistenz. Denn die Fettzellen setzen Hormone frei, die Muskelzellen und Leber für das Insulin unempfindlicher machen. Die gute Nachricht: Wird Bauchfett abgebaut, können die Zellen wieder besser auf das Insulin ansprechen.

Abnehmen mit dem Drei-Mahlzeiten-Prinzip

Wer abnehmen möchte, muss weder hungern noch auf Genuss verzichten. Die meisten Menschen können schon dadurch Pfunde verlieren, dass sie sich mit drei gesunden Mahlzeiten am Tag satt essen – und dadurch weniger Lust auf zucker- und kalorienreiche Snacks wie Kekse, Schokolade oder Chips haben.

Nur dreimal am Tag zu essen bringt einen entscheidenden Vorteil: Wenn zwischen den Mahlzeiten längere Pausen liegen, sinkt der Blutzuckerspiegel. Dadurch wird auch weniger Insulin produziert. Da Insulin ein dick machendes Hormon ist, das den Fettaufbau fördert, hilft ein niedriger Insulinspiegel dabei, Fett abzubauen.

Grundsätzlich können sogar zwei Mahlzeiten am Tag ausreichen. Auch Menschen mit Typ-2-Diabetes dürfen in der Regel mit dem sogenannten Intervallfasten abnehmen. Dabei lässt man zum Beispiel das Frühstück oder das Abendessen weg und gönnt seiner Verdauung eine Ruhepause von 16 Stunden. Aktuelle Studien haben gezeigt, dass Intervallfasten nicht nur eine wirksame Methode zum Abnehmen ist, sondern auch viele andere positive Effekte auf die Gesundheit hat.

Allerdings eignet sich diese Fastenmethode nicht für Menschen, die ein erhöhtes Risiko für Unterzuckerungen haben. Diese Gefahr besteht vor allem, wenn man Insulin spritzt oder Tabletten aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe nimmt. Bevor Diabetes-Patienten mit dem Intervallfasten beginnen, sollten sie daher mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen, ob es gesundheitliche Bedenken gibt.

Viel Gemüse, wenig Kohlenhydrate, gutes Fett

Wichtig ist nicht nur, wie oft man isst, sondern auch, was man isst. Auf den täglichen Speiseplan von Menschen mit Diabetes gehören vor allem pflanzliche Lebensmittel. Als praktische Faustregel empfehlen Ernährungsmediziner das Tellerprinzip: Die Hälfte des Tellers sollte mit Gemüse bedeckt sein, etwa ein Viertel mit eiweißreichen Produkten wie Fisch, Fleisch oder Hülsenfrüchten und maximal ein Viertel mit Kohlenhydraten, also mit Kartoffeln, Nudeln oder Reis. Brot ist erlaubt, idealerweise aber nur bei einer Mahlzeit, wenn möglich in Form von ballaststoffreichem Vollkornbrot.

Statt Kalorien zu zählen, ist es besser, die tägliche Gemüse- und Zuckermenge im Auge zu behalten. Wer abnehmen möchte, sollte jeden Tag 500 Gramm Gemüse essen – dabei zählen auch Kräuter, Nüsse und fruchtzuckerarmes Obst. Zucker sollte man dagegen möglichst vermeiden. Das gilt besonders für Limonaden und süße Säfte; der Zucker aus diesen Getränken gelangt sehr schnell ins Blut und führt zu einer starken Ausschüttung von Insulin. Was viele nicht wissen: Ein Glas Apfelsaft enthält mindestens so viel Zucker wie ein Glas Cola. Vorsicht ist außerdem bei Fertigprodukten aus dem Supermarkt geboten. Den meisten verarbeiteten Lebensmitteln wurde Zucker zugesetzt. Das gilt auch für Gemüsemischungen aus dem Tiefkühlregal.

Der Spruch "Fett macht fett" gilt inzwischen als überholt. Öl darf beim Kochen ohne schlechtes Gewissen verwendet werden – es sollte aber das richtige sein. Empfehlenswert sind besonders Öle, die viele entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren enthalten, wie Raps-, Lein- und Nussöl. Auch Olivenöl hat zahlreiche positive Effekte auf die Gesundheit. Vorsicht ist dagegen bei Sonnenblumenöl geboten. Es enthält viele Omega-6-Fettsäuren, die die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren blockieren.

Besonders effektiv lässt sich eine Insulinresistenz mit Haferflocken bekämpfen. Eine dreitägige Haferkur macht die Zellen wieder empfänglicher für das Hormon. Dabei gibt es dreimal am Tag je 75 g Haferflocken in Wasser aufgekocht. Dazu sind zur Verfeinerung kleinere Mengen an Früchten, Kräutern und Gemüse erlaubt.

Gewichtsabnahme in kleinen Schritten

Wer Übergewicht loswerden will, möchte verständlicherweise schnell abnehmen. Für Menschen mit Diabetes ist das allerdings noch schwerer als für Gesunde – insbesondere wenn sie Insulin spritzen oder Medikamente einnehmen, die die Insulinausschüttung anregen. Denn Insulin hemmt den Fettabbau.

Experten warnen daher davor, sich zu viel auf einmal zuzumuten. Lang gepflegte Ernährungsgewohnheiten lassen sich nicht über Nacht umstellen. Wer sich kleinere Ziele setzt, hält länger durch. Auch von Crash-Diäten wird abgeraten. Pfunde, die man schnell verliert, setzt man meist ebenso schnell wieder an. Die Geduldigen werden am Ende belohnt: Wenn es gelingt, die Ernährung dauerhaft zu verbessern, verschwinden mit der Zeit auch die überschüssigen Pfunde.

Kann man Typ-2-Diabetes durch Abnehmen heilen?

Ein Typ-2-Diabetes kann durch Gewichtsabnahme tatsächlich bei vielen Menschen zum Verschwinden gebracht werden. Das zeigt die britische DiRECT-Studie, die im Jahr 2017 veröffentlicht wurde: Durch eine stark kalorienreduzierte Diät mit anschließender Ernährungsberatung gelang es fast der Hälfte der Teilnehmer, innerhalb eines Jahres ihren Diabetes zurückzudrängen. Bei denjenigen, die es geschafft hatten, 15 Kilo abzuspecken, lag die Erfolgsquote sogar bei 86 Prozent. Der Haken dabei: Von Dauer ist der Effekt nur, wenn man die gesunde Lebensweise beibehält. Fallen die Betroffenen in alte Gewohnheiten zurück, kommt der Diabetes wieder.

Welche Rolle spielt Sport beim Abnehmen?

Sport ist gesund und wird auch bei Diabetes Typ 2 unbedingt empfohlen. Er verbessert die Blutzucker-, Blutdruck- und Blutfettwerte und beugt Folgeerkrankungen vor – zum Beispiel einem Herzinfarkt. Beim Abnehmen hilft Sport aber kaum, obwohl das immer wieder behauptet wird. Die Energie, die der Körper beim Joggen oder Gewichtestemmen verbraucht, holt er sich nämlich schnell wieder zurück. Körperliche Anstrengung führt dazu, dass mehr Hunger- und Appetithormone ins Blut ausgeschüttet werden – in der Folge isst man auch mehr.

Wer mit einem Fitnessprogramm in den Tag startet, sollte also trotzdem auf Marmeladenbrot und Croissants zum Frühstück verzichten. Leckere und gesunde Alternativen können beispielsweise ein Omelett mit Tomaten und Käse oder ein Joghurt mit Haferflocken und Beeren sein.

Dr. Matthias Riedl Diabetologe

Beratender Experte

Dr. Matthias Riedl ist Diabetologe und Ernährungsmediziner in Hamburg


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