"Abnehm-Medikamente helfen nur begrenzt"

Prof. Dr. Stefan Engeli von der Medizinischen Hochschule Hannover über den Nutzen und die Wirksamkeit von Präparaten zum Abnehmen

von Dr. Sabine Haaß, 20.07.2018
Medikamente

Viele Präparate versprechen Hilfe beim Abnehmen – aber wirksam sind nicht alle


Können Medikamente helfen, wenn ich Übergewicht loswerden will?

Grundsätzlich ja. Aber Vorsicht: Von frei verkäuflichen Schlankheitsmitteln sollten Sie die Finger lassen.

Sie meinen die Pillen oder Tropfen, die es etwa in Drogeriemärkten gibt?

Ja. Zum Beispiel Präparate, die angeblich die Fettverbrennung anregen, oder Füllmittel, die im Magen-Darm-Trakt aufquellen und für Sättigung sorgen sollen. Die Wirksamkeit dieser und anderer solcher Mittel ist nicht nach­­gewiesen.

Und die Internet-Angebote?

Was Sie im Internet bestellen, kann schlimmstenfalls sogar der Gesundheit schaden. Diese Mittel unterliegen keiner Kontrolle und können in Deutschland nicht mehr erlaubte Appetitzügler enthalten, die auf der Packung nicht genannt werden.

Was würden Sie empfehlen?

Wenn Sie Mühe mit dem Abnehmen haben: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Manche Arzneimittel begünstigen eine Gewichtszunahme, auch in der Diabetestherapie. Vielleicht kann der Arzt Ihre Behandlung umstellen.

Prof. Dr. Engeli

Kann er mir auch ein rezeptpflichtiges Medikament zum Abnehmen verschreiben?

Ja. Der Einsatz dieser Medikamente ist aber an bestimmte Bedingungen geknüpft: Sie müssen einen Body-Mass-Index über 30 oder über 27 mit weiteren Gesundheitsrisiken wie etwa Diabetes haben. Die Medikamente sind zudem nur ergänzend zu kalorienarmer Ernährung und mehr Bewegung zugelassen. Drei stehen derzeit zur Verfügung.

Was sind das für Mittel?

Da gibt es Kapseln mit dem Wirkstoff Orlistat. Er sorgt dafür, dass ein Teil des Fetts aus der Nahrung unverdaut wieder ausgeschieden wird. Geringer dosierte Präparate können Sie auch rezeptfrei in der Apotheke kaufen. Mehr als drei bis fünf Kilo Gewichtsverlust schafft man aber nicht mit Orlistat. Und wer mehr als 70 Gramm Fett am Tag verzehrt, muss mit Durchfall, Blähungen und Bauchschmerzen rechnen.

Und die beiden anderen?

Bis zu sechs Kilo weniger bringt die "Abnehmspritze" Liraglutid. Der Wirkstoff wurde zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt, verzögert aber auch die Magenentleerung und dämpft den Appetit. Liraglutid kann Übelkeit und Durchfall verursachen. Neu sind Tabletten mit einer Kombination aus Bupropion, das gegen Depressionen und in der Raucherentwöhnung eingesetzt wird, und Naltrexon, das Schmerzmittel-Süchtigen beim Entzug hilft. Beide mindern den Appetit, das Gewicht sinkt weniger als bei Liraglutid. Wegen bestimmter Nebenwirkungen kommt das Medikament aber oft nicht infrage.

Was ist sonst wichtig zu wissen?

Für Diabetiker ist die Spritze am ehesten geeignet, aber auch am teuersten.
Alle Medikamente wirken nur begrenzt und nur so lange, wie man sie anwendet. Weil sie die Wirkung anderer Arznei­mittel beeinflussen können, sollten sie nie ohne Absprache mit dem Arzt eingesetzt werden. Die Kosten für die Behandlung müssen Sie selbst tragen.


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