Diabetes für Fortgeschrittene

Älter werden mit der Zuckerkrankheit: Wie das gut funktioniert und was sich im Laufe der Jahre verändert

von Tina Haase, 04.06.2018

In höherem Alter gelten zum Teil andere Regeln bei der Diabetes-Therapie


Die Deutsche Diabetes Gesellschaft schätzt, dass hierzulande mehr als drei Millionen Typ-2- und mehr als 100.000 Typ-1-Diabetiker leben, die älter als 70 Jahre sind. Mindestens jeder vierte Bewohner in Pflegeheimen hat die Zuckerkrankheit. "Manche betagte Menschen sind topfit, viele leiden aber auch unter Folgen wie Augen-, Nierenschäden, diabetischen Füßen, Schlaganfällen oder Herzkrankheiten", weiß Diabetologe Dr. Dietrich Tews aus Gelnhausen in Hessen.

Andere Regeln für Ältere

Moderne Medikamente sorgen dafür, dass viele Menschen auch in hohem Alter ihre Blutzuckerwerte gut im Griff haben und häufig ohne große Probleme leben können. Für die Therapie älterer Menschen mit Diabetes gelten teilweise andere Regeln als bei jüngeren. Etwa bei den Blutzucker-Grenz­werten:

"Bei hochbetagten, sturzgefährdeten Pfle­ge­bedürftigen akzep­tieren wir beispielsweise etwas höhere Blutzucker-Langzeitwerte, um Unterzuckerungen zu vermeiden", sagt Diabetologe und Altersmediziner Dr. Andrej Zeyfang von der medius KLINIK OSTFILDERN-RUIT bei Stuttgart. Wichtig sei, die Therapie auf jeden Einzelnen zuzuschneiden.

So häufig ist Diabetes im Alter:

34% der Frauen und 32% der Männer, die älter sind als 80 Jahre, haben Typ-2-Diabetes.

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft, S2k-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Alter

"Lebensqualität im Vordergrund"

Die Diabetestherapie wird im Alter oft noch einmal angepasst. Was bedeutet das?

Neben dem Blutzucker werden andere Themen wichtig: Kommt ein älterer Mensch mit seiner Therapie zurecht? Fühlt er sich wohl damit? Kann er Unterzuckerungen vermeiden? Die Lebensqualität steht im Vordergrund.

Auf Kosten guter Werte?
Nicht unbedingt. Ich passe die Therapie so an, dass ein Mensch mit Diabetes selbstbestimmt bleibt. Kann er etwa nicht mehr alleine Insulin spritzen, stelle ich ihn auf ein Langzeit­insulin um. Der Pflegedienst kommt dann einmal am Tag zum Spritzen. In der restlichen Zeit ist der Patient unabhängig.

Gerade ältere Menschen sind oft ängstlich, wollen keine Fehler machen ...
... und verzichten auf Dinge, die ihnen wichtig sind. Eine meiner Patientinnen liebte Erdbeeren, aß aber keine mehr. Wegen des Zuckers. So ­etwas ist schade und unnötig.

Wie vermeidet man das?
Ganz wichtig sind Schulungen für Ältere und Angehörige. Dort lernen sie, dass es kaum Verbote gibt, dass sie ihr Leben möglist so weiterleben wie gewohnt und wie sie es trotz Diabetes genießen.

Spezielle Schulungen für Ältere mit Typ-2-Diabetes

Schon das Messen des Blutzuckers oder das Zusammenstellen einer Mahlzeit kann für ältere Menschen zur Herausforderung werden. Um die Selbstständigkeit von Typ-2-Diabetikern zu erhalten, gibt es eine spezielle Fortbildung für sie und ihre Angehörigen: die "Strukturierte Geria­trische Schulung". Diabetesberaterin Irene Feucht hat sie vor zwölf Jahren mit entwickelt.
An sechs Schulungsterminen erhalten die Patien­ten in Kliniken oder Diabetes­praxen in einfacher Sprache Wissen über den Diabetes und seine Therapie.
Themen der Schulung sind auch Ernährung, Bewegung und Fußpflege. Dabei wird ganz praktisch für den Alltag geübt. "In der Fußstunde zeige ich den Teilnehmern zum Beispiel, wie sie ihre Füße selbst kontrollieren", erzählt Irene Feucht. "Wiederholungen kommen nicht zu kurz, und die Teilnehmer können jederzeit Fragen stellen."
Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Schulung.


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