Vorsorgetermin beim Augenarzt

Unverzichtbar bei Diabetes: Der regelmäßige Augencheck. Doch einen Termin beim Augenarzt zu bekommen ist mitunter schwierig

von Daniela Pichleritsch, 24.10.2018
Auge

Durchblick behalten: Wer Diabetes hat, sollte mindestens alle zwei Jahre seine Augen untersuchen lassen


Eine gute Nachricht: Die Zahl der Diabetiker, die wegen eines Netzhautschadens erblinden, hat sich laut einer süddeutschen Studie in den letzten Jahren halbiert. Vermutlich, weil sich die Schäden — rechtzeitig erkannt — immer besser behandeln lassen. Und weil viele Menschen mit Diabetes die empfohlenen Vorsorgetermine beim Augenarzt wahrnehmen. Doch, und das ist die schlechte Nachricht: Oft ist es gar nicht so einfach, einen Termin zu bekommen.

Langer Atem gefragt

Bei einer repräsentativen Befragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gaben vier von zehn Bundesbürgern an, dass sie länger als drei Wochen auf einen regulären Termin beim Augenarzt warten müssen. Einer Umfrage unter rund 1400 Augenärzten zufolge sind auch sechs bis 18 Wochen Wartezeit nichts Ungewöhnliches. Acht Prozent der befragten Ärzte gaben an, keine neuen Patienten anzunehmen. Bei drei von vier Ärzten lassen sich Wartezeiten in der Praxis von unter einer halben Stunde nicht realisieren.

Neue Behandlungen kosten Zeit

Keine Frage, die rund 8000 Augen­ärzte in Deutschland haben viel zu tun. Auch deshalb, weil sich viele Augenkrankheiten heute gut behandeln lassen. Etwa das diabetische Makulaödem. Dabei kann der Arzt die Sehkraft durch Medikamentengabe in das Auge oft erhalten. "Diese Behandlung kostet aber Zeit und erfordert mehrere Termine", sagt Augenarzt Dr. Christoph Eckert aus Herrenberg. Ein weiterer Grund für volle Wartezimmer: Weil wir immer älter werden, nehmen altersbedingte Augenprobleme zu.

Nachwuchsmangel auf dem Land

Brauchen wir also mehr Augen­ärzte? "Insgesamt gibt es genug, nur nicht immer da, wo sie gebraucht werden", sagt Janka Hegemeister vom Spitzenverband Bund der Krankenkassen. Vor allem in ländlichen Regionen und im Osten Deutschlands fehlt es an Nachwuchs. Wer in unterversorgten Gegenden eine Praxis eröffnet, wird zwar von den Kassen­ärztlichen Vereinigungen finanziell unterstützt. "Aber das reicht oft nicht, um junge Mediziner aufs Land zu locken", sagt Dr. Roland Stahl von der Kassenärzt­­lichen Bundesvereinigung. Doch auch wenn man mitunter länger fahren oder warten muss: "Insgesamt ist die augen­ärztliche Versorgung in Deutschland gut", sagt Stahl. Das bestätigt Professor Dr. Bernd Bertram aus Aachen, Vorsitzender des Berufsverbands der Augenärzte: "Im internatio­nalen Vergleich hat Deutschland die kürzesten Wartezeiten für Facharzttermine. Notfälle werden kurzfristig untersucht." Wer hingegen für einen Routinecheck zu einer bestimmten Zeit zu seinem Wunscharzt möchte, müsse eben mit ein paar Wochen Wartezeit rechnen.

Heimbewohner kommen oft zu kurz

"Tatsächlich zu kurz kommen Bewohner von Pflege- und Senio­renheimen", sagt Professor Dr. Frank Holz, Vorsitzender der Stiftung Auge der Deutschen Ophthal­mologischen Gesellschaft. Einer bundesweiten Studie zufolge haben fast zwei Drittel aller Heimbewohner, darunter viele Diabetiker, ein behandlungsbedürftiges Augen­problem. Bei den meisten lag der letzte Augenarztbesuch aber mehr als vier Jahre zurück. "Viele haben niemanden, der sie zum Arzt bringen kann", sagt Holz, der sich mit Kollegen dafür engagiert, die Situation der Heimbewohner zu verbessern. Etwa durch betreute Sammeltransporte an festen Terminen und Untersuchungen direkt in den Heimen.

Für alle anderen gilt: Bitte rechtzeitig um einen Termin kümmern. Wie Sie keinen Augencheck verpassen, lesen Sie hier:

Aktionsplan für gesunde Augen


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