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Bluthochdruck: Die schleichende Gefahr

Menschen mit Diabetes leiden häufig unter zu hohem Blutdruck. Dieser erhöht langfristig das Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt. Was bei Bluthochdruck hilft

von Stephan Soutschek, Günter Löffelmann, aktualisiert am 25.02.2019
Blutdruckmessgerät

Erhöhter Blutdruck ist für Diabetiker ähnlich gefährlich wie erhöhte Blutzuckerspiegel


1. Überblick

Bluthochdruck – Fachausdruck Hypertonie – und Typ-2-Diabetes treten oft im Doppelpack auf. Der Grund dafür sind gemeinsame Risikofaktoren, die die Entstehung beider Krankheiten begünstigen. So können Übergewicht und Bewegungsmangel sowohl den Zuckergehalt als auch den Druck in den Gefäßen ansteigen lassen.

Bei Patienten mit Typ-1-Diabetes ist Bluthochdruck weniger weit verbreitet. Aber auch bei ihnen ist das Risiko im Vergleich zur Gesamtbevölkerung erhöht. Typischerweise steigt bei ihnen der Blutdruck erst mit längerer Erkrankungsdauer. Auch ein diabetischer Nierenschaden kann zu Hypertonie beitragen.

Wann ist der Blutdruck zu hoch?

Zwei Werte sind beim Blutdruck wichtig: der obere Druck – die Systole – und der untere Druck – die Diastole. Bei gesunden Erwachsenen mittleren Alters liegen die Ruhewerte etwa um 120 bis 129 mmHg (Systole) beziehungsweise 80 bis 84 mmHg (Diastole). Überschreitet der Blutdruck dauerhaft 140/90 mmHg, liegt Bluthochdruck vor.

Diabetes und Bluthochdruck: Gefährliche Kombination

Bei zu hohem Blutdruck entstehen auf Dauer kleinste Verletzungen an der Innenwand der Gefäße, welche die fein abgestimmten Gefäßfunktionen stören. Die Wand wird allmählich dicker und starrer. Auflagerungen an der Innenwand verengen das Gefäß. Mediziner bezeichnen das als Arteriosklerose. Der betroffene Gefäßabschnitt kann sich sogar verschließen. Je nachdem, welche Gefäße betroffen sind, drohen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine periphere arterielle Verschlusskrankheit der Beine, auch Schaufensterkrankheit genannt. Schädigungen der kleineren Gefäße führen zu Augen- oder Nierenschäden.

Diabetes und Bluthochdruck sind eine gefährliche Kombination, da das gemeinsame Auftreten beider Leiden das Risiko für die oben genannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen um ein Vielfaches erhöht. Wer seine Blutdruckwerte bessert, kann sein persönliches Risiko aber wieder deutlich senken. Maßnahmen gegen Hypertonie wie Abnehmen und Sport sind bei Typ-2-Diabetes zudem doppelt effektiv, da die meisten von ihnen auch auf die Blutzuckereinstellung günstig wirken.

Welche Blutdruckwerte werden angestrebt?

Bluthochdruck-Patienten, bei denen gleichzeitig ein Diabetes vorliegt, sollten gemäß den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie nach Möglichkeit einen Wert von 130/80 mmHg oder niedriger erreichen. Bei Patienten über 65 Jahren gilt ein oberer Wert von 130 bis 140 mmHg als Ziel, wenn dieser ohne Nebenwirkungen zu erreichen ist. Allgemein sollten bei Diabetes der Blutdruck nicht unter 120 mmHg gesenkt werden. Bei einer zu niedrigen Einstellung kann es zu einer Minderdurchblutung des Herzens kommen, die bei Durchblutungsstörungen, wie sie bei Diabetes häufig sind, gefährlich ist.
Bei diesen Angaben handelt es sich jedoch nur um grobe Richtwerte. Die Ziele für den individuellen Patienten müssen immer unter Abwägung der individuellen Möglichkeiten sowie etwaiger Risiken festgelegt werden.

Männer haben eine kürzere Lebenserwartung

2. Ursachen und Risikofaktoren

Das Herz ist der Motor des Gefäßsystems. Zieht sich die linke Herzkammer zusammen, pumpt sie das Blut in die Hauptschlagader, die Aorta. Der Blutdruck ist zu diesem Zeitpunkt am höchsten. Mediziner sprechen hier vom systolischen Druck. Dagegen ist der Druck am niedrigsten, wenn die Herzkammern sich weiten, um wieder Blut hineinströmen zu lassen. Zu diesem Zeitpunkt wird diastolischer Blutdruck gemessen.

Wie hoch der Druck ausfällt, bestimmt aber nicht allein die Aktivität des Herzens. Durch ein Zusammenspiel verschiedener Akteure passt der Körper den Blutdruck an den jeweiligen Bedarf an. Zu diesen zählen das vegetative Nervensystem, das Gehirn sowie Hormone aus den Nieren und Nebennieren. Eine wichtige Rolle spielen auch das Flüssigkeitsvolumen im Gefäßsystem sowie der Spannungszustand und die Weite bestimmter Blutgefäße, die für die Blutdrucksteuerung besonders wichtig sind.

Risikofaktoren für Bluthochdruck

Manchmal lässt sich ein Bluthochdruck auf eine andere Erkrankung zurückführen, etwa ein Nierenleiden. In diesem Fall ist von einer "sekundären Hypertonie" die Rede. Bei den meisten Patienten liegt dagegen eine "primäre Hypertonie" vor. Bei dieser kann keine organische Ursache des Bluthochdrucks nachgewiesen werden. In diesen Fällen gibt es bestimmte Faktoren, die das Erkrankungsrisiko ansteigen lassen. Dazu zählen insbesondere:

  • Übergewicht , vor allem am Bauch
  • hoher Salzverbrauch
  • starker Alkoholkonsum
  • Rauchen
  • Bewegungsmangel
  • chronischer Stress
  • Schlafapnoe

Diese Risikofaktoren können auch an der Entwicklung einer sekundären Hypertonie beteiligt sein.

Diabetes fördert Bluthochdruck

Übergewicht und Bewegungsmangel sind Bluthochdruck-Risikofaktoren, die auch einen Typ-2-Diabetes begünstigen. Das ist ein Grund, warum die beiden Erkrankungen oft gemeinsam auftreten. Ein weiterer Grund ist der Diabetes selbst. Anhaltend erhöhte Blutzuckerkonzentrationen können Gefäße schädigen und auf Nerven einwirken, die jeweils an der Blutdruckregulation beteiligt sind. Auch Insulin beeinflusst den Blutdruck. Wenn die Bauchspeicheldrüse bei Typ-2-Diabetes vermehrt Insulin ausschüttet, kann dies zudem zu einer Erhöhung des Blutdrucks beitragen. Diese wiederum kann die Wirkung von Insulin beeinträchtigen.

Seniorin mit Schwindelgefühl durch Unterzucker

3. Symptome

Bluthochdruck verursacht meist keine äußerlich feststellbaren Beschwerden, sondern entwickelt sich in der Regel still und heimlich. Viele Patienten ahnen daher nichts von der Störung in ihrem Gefäßsystem, bis ein Arzt per Blutdruckmessung die Diagnose stellt. Dennoch kann Bluthochdruck sich über bestimmte Anzeichen bemerkbar machen. Es lohnt sich daher, auf folgende Symptome zu achten:

  • Schwindel
  • Ohrensausen
  • Kopfschmerzen
  • Leistungsschwäche
  • Nasenbluten
  • Sehstörungen
  • Unregelmäßiger Herzschlag (Herzrhythmusstörungen)
  • Potenzstörungen
  • Kurzatmigkeit bei Anstrengungen

Diese Beschwerden gehen nicht unbedingt auf einen Bluthochdruck zurück. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, sie als Anlass für eine Untersuchung beim Arzt nehmen. Dieser kann den Ursachen für die Beschwerden nachgehen. Menschen mit Diabetes sollten ihre Blutdruckwerte regelmäßig von einem Arzt regelmäßig kontrollieren lassen, da ihr Risiko für eine Hypertonie erhöht ist.

Blutdruckmessen

4. Diagnose

Von Bluthochdruck sprechen Ärzte, wenn der systolische Blutdruck mindestens 140 mmHg oder der diastolische mindestens 90 mmHg beträgt. Gemessen wird im Sitzen, entweder mit einer Manschette am Oberarm oder am Handgelenk. Zumindest bei der ersten Untersuchung wird die Messung an beiden Oberarmen vorgenommen. Bei einem Unterschied von mehr als zehn mmHg zwischen dem systolischen Blutdruck an den beiden Armen wird immer auf der Seite mit dem höheren Druck gemessen.

Der Arzt veranlasst oft eine zusätzliche 24-Stunden-Blutdruckmessung, um die Diagnose sicherzustellen. Bei dieser trägt der Patient einen Tag lang ein Messgerät. Sie besitzt größere Aussagekraft als ein einzelner gemessener Wert. Zudem erlaubt sie einen detaillierteren Einblick in das Blutdruckprofil des Betroffenen, gibt etwa Aufschluss über Schwankungen zu den verschiedenen Tageszeiten.

Liegen weitere Erkrankungen vor?

Weitere Untersuchungen können dann klären, ob dem Bluthochdruck eine Organerkrankung zugrunde liegt, ob weitere Risikofaktoren für Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen vorliegen oder ob bereits Folgeschäden an Herz, Halsschlagader oder anderen Gefäßen, Augen oder Nieren aufgetreten sind. Mögliche Untersuchungen sind:

  • Fragen nach der medizinischen Vorgeschichte des Patienten (Anamnese) sowie Bluthochdruck bei Verwandten: Durch diese Fragen erhält der Arzt Hinweise auf ein erblich bedingtes Risiko für Herz-, Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen sowie auf relevante Vor- und Begleiterkrankungen (zum Beispiel Schilddrüsenfehlfunktionen, Nierenerkrankungen, Schlafapnoe, Hormonerkrankungen). Zudem erfasst er alle Medikamente, die der Patient einnimmt.
  • Blut- und Urinuntersuchungen: Sie geben Aufschluss über zusätzliche gesundheitliche Risikofaktoren (etwa Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes), Begleiterkrankungen und Organschäden, beispielsweise der Nieren.
  • Elektrokardiogramm (EKG), Langzeit-Blutdruckmessung, Ultraschalluntersuchung des Herzens, Sonografie der Halsschlagadern, Knöchel-Arm-Index: Diese Untersuchungen erlauben es, den Zustand des Herz-Kreislauf- und Gefäßsystems zu beurteilen. Zum Beispiel ob bereits Engstellen in den Gefäßen bestehen.
  • Augenspiegelung: Bei dieser Untersuchung sucht der Augenarzt nach krankhaften Veränderungen zum Beispiel an der Netzhaut und den versorgenden Blutgefäßen. Diese kommt bei Diabetes häufig vor – siehe diabetische Retinopathie.

Blutdruck daheim oder in der Apotheke messen

Patienten können ihren Blutdruck auch in der Apotheke messen lassen oder dies zuhause selbst tun. Automatische Geräte verringern das Risiko von Messfehlern. Die gemessenen Werte am besten aufschreiben und die Notizen beim nächsten Praxistermin mitbringen, damit der Arzt die Daten interpretieren kann. So können Patienten selbst dazu beitragen, einen Bluthochdruck frühzeitig zu entdecken oder das Anschlagen der Therapie zu kontrollieren.

Betablocker

5. Behandlung

Verschiedene Therapieoptionen stehen zur Wahl, um erhöhte Blutdruckwerte zu senken. Ist der Bluthochdruck als Folge einer anderen Erkrankung entstanden, muss zunächst diese bestmöglich behandelt werden.

Selbsthilfe: Aktiv gegen Bluthochdruck

Patienten können selbst entscheidend dazu beitragen, um die Werte wieder zu bessern. Vor allem Menschen mit Typ-2-Diabetes profitieren dabei gleich mehrfach. Viele Maßnahmen, die den Blutdruck senken, helfen gleichzeitig, die Insulinwirkung zu verbessern und damit den Blutzuckerspiegel zu senken.

  • Abnehmen: Übergewicht erhöht nicht nur den Blutdruck, sondern auch die Blutzuckerwerte und die Gefahr von Herz-Kreislauferkrankungen. Wer überzählige Körperpfunde abbaut, verbessert sein Risikoprofil deutlich. Das klappt am besten mit einer Kombination von verschiedenen Lebensstiländerungen wie gesunder Ernährung und viel Bewegung. Tipps zum Abnehmen finden Sie hier.
  • Aktiv sein: Empfohlen ist ein mindestens 30-minütiges moderates Ausdauertraining an mindestens fünf Tagen in der Woche, etwa Walking, Schwimmen, Radfahren. Faustregel: Man sollte schon ins Schwitzen kommen, sich aber noch problemlos unterhalten können.
  • Salzkonsum verringern: Zu hohe Mengen können bei vielen Menschen blutdrucksteigernd wirken. Der Richtwert liegt bei maximal fünf bis sechs Gramm Salz pro Tag. Diese Dosis überschreitet der Durchschnittsverbraucher meist deutlich. Tipp: Auf Fertigprodukte verzichten. Diese sind oft sehr salzreich. Besser selbst kochen. So hat man die Kontrolle über die verwendeten Mengen an Salz.
  • Gesund ernähren: Empfehlenswert ein Mix aus viel Gemüse und Obst, Kohlenhydrate aus Vollkorn-Lebensmitteln sowie pflanzliche statt tierische Fette. Fleisch nur in Maßen genießen.
  • Mit dem Rauchen aufhören: Nikotin stimuliert jene Bereiche des Nervensystems, die den Blutdruck und den Puls hochregulieren. Darüber hinaus schädigen die Inhaltsstoffe des Tabakrauches die Gefäßwände direkt, weshalb Rauchen ein bedeutender Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist.
  • Alkoholkonsum einschränken: Männer sollten täglich maximal 20 Gramm reinen Alkohol zu sich nehmen. Das entspricht einem halben Liter Bier oder zwei Gläser Wein à 0,1 Liter. Für Frauen liegt die Obergrenze bei zehn Gramm, also einem Viertelliter Bier oder einem Glas Wein. Außerdem an zwei Tagen in der Woche keinen Alkohol trinken, um Gewöhnungseffekten vorzubeugen.
  • Stress vermeiden: Stress gilt als weiterer Risikofaktor für Bluthochdruck. Wer sein Nervenkostüm schont, schützt daher auch seinen Kreislauf. Was gegen Stress hilft, ist individuell. Bewährte Methoden, die sich auszuprobieren lohnen, sind progressive Muskelentspannung, Achtsamkeitsübungen und autogenes Training – aber auch ein abendlicher Spaziergang ein gutes Buch können beim Herunterkommen helfen.

Mit alten Gewohnheiten zu brechen und gesünder zu leben, erfordert am Anfang einiges an Disziplin. Dranbleiben lohnt sich aber. Wer die obigen Ratschläge beherzigt, belohnt sich selbst nicht nur mit oft besseren Blutdruckwerten, sondern fühlt sich auch fitter.

Medikamente gegen Bluthochdruck

Ist das Behandlungsziel mit Lebensstiländerungen nicht zu erreichen, kommen zusätzlich Medikamente zum Einsatz. Im Wesentlichen stehen folgende Wirkstoffgruppen zur Verfügung:

  • ACE-Hemmer: Sie hemmen die Produktion des blutdrucksteigernden Hormons Angiotensin II. Außerdem wirken sie vorteilhaft bei einem diabetischen Nierenschaden. ACE-Hemmer werden insgesamt sehr breit eingesetzt.
  • Angiotensin-I-Rezeptorantagonisten: Die Mittel wirken ähnlich wie die ACE-Hemmer und werden in der Regel verschrieben, wenn Patienten diese nicht gut vertragen.
  • Kalziumantagonisten: Sie bremsen die Aufnahme von Kalzium in die Zellen und führen so zu einer Entspannung der Gefäßmuskulatur. Vor allem bei Diabetes werden sie oft als Kombi-Präparat eingesetzt.
  • Diuretika: Sie wirken hauptsächlich, indem sie die Kochsalz- und Wasserausscheidung steigern. Diuretika eignen sich besonders zur Kombination mit anderen Blutdrucksenkern.
  • Betablocker: Sie blockieren die Andockstellen der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin. Dadurch senken sie den Blutdruck und die Herzfrequenz.

Die Wirkstoffe aus den verschiedenen Gruppen senken den Blutdruck ähnlich gut. Bei der Wahl des Mittels achten Ärzte daher vor allem darauf, dass Patienten es gut vertragen und es zu etwaigen Begleiterkrankungen wie Asthma oder zur individuellen Situation des Patienten passt.

Nebenwirkungen mit dem Arzt abklären

Die Therapie dauert meist Jahre oder gar ein Leben lang. Viele Patienten hadern damit, über diesen langen Zeitraum Tabletten gegen eine Erkrankung zu schlucken, die sie nicht unmittelbar spüren. Gerade dann, wenn die Medikamente Nebenwirkungen verursachen. Dann ist die Versuchung groß, die Mittel gelegentlich wegzulassen oder die Behandlung ganz zu beenden. Für den Behandlungserfolg ist es aber wichtig, dass Patienten die Medikamente dauerhaft einnehmen. Wer mit der Behandlung unzufrieden ist, sollte die Mittel nicht selbst aussetzen, sondern mit dem Arzt darüber sprechen. Dieser kann auf ein anderes Präparat ausweichen.

Prof. Dr. Med. Wolfram Delius

Fachliche Beratung:

Professor Dr. med. Wolfram Delius, Internist und Kardiologe, war bis 2003 Chefarzt der I. Medizinischen Abteilung des Städtischen Krankenhauses München/Bogenhausen. Heute führt er eine kardiologische Praxis in München.


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