Blutdruck

Menschen mit Typ-2-Diabetes haben oft erhöhten Blutdruck. Zu hohe Werte schädigen auf Dauer Gefäße und Organe. Deswegen sollte man dagegen vorgehen

aktualisiert am 07.08.2015
Blutdruckmessen

Diabetespatienten sollten regelmäßig ihre Blutdruckwerte messen lassen


Der Blutdruck ist dynamisch. Dass er im Tagesverlauf schwankt, ist völlig normal. Das ist auch gut so, denn damit passt sich der Druck an die jeweiligen Erfordernisse an. Morgens ist er beispielsweise höher als abends. Nachts sinkt er normalerweise noch etwas mehr. Bei plötzlichem Stress oder körperlichen Belastungen schnellt der Blutdruck nach oben. Entspannen wir uns dagegen, sinkt er eher.

Systole und Diastole: Was ist das?

Beim Blutdruck werden immer zwei Werte gemessen: der systolische Druck (der obere Wert) und der diastolische Druck (der untere Wert). Die Systole bezeichnet die Auswurfphase des Herzens, bei der sich die linke Herzkammer zusammenzieht und das Blut in die Aorta pumpt. Zugleich gelangt das Blut aus der rechten Herzkammer in den Lungenkreislauf. In den Lungen findet der Gasaustausch statt: Kohlendioxid wird abgegeben und das Blut wieder mit Sauerstoff angereichert. Der Blutdruck ist in der Systole am höchsten.

Bei der Diastole entspannt sich dagegen der Herzmuskel. Die beiden Herzkammern erweitern sich, um das Blut erneut hineinströmen zu lassen. Der Blutdruck ist in diesem Moment am niedrigsten. Die übliche Messeinheit ist Millimeter Quecksilbersäule (mmHg).

Welche Blutdruckprobleme gibt es?

Der Blutdruck kann zu hoch oder zu niedrig sein. Beides spielt bei Diabetes eine Rolle, hat aber unterschiedliche Bedeutung. Bluthochdruck ist das vorrangige und auch bekanntere Problem. Bluthochdruck und Diabetes von Anfang an gut einzustellen, ist besonders wichtig für die Prognose.

  • Normaler Blutdruck: Als normal gelten Messwerte bis zu 129 mmHg systolisch und bis 84 mmHg diastolisch.
  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie): Bluthochdruck liegt im Allgemeinen vor, wenn der systolische Druck 140 mmHg erreicht oder übersteigt. Beim diastolischen Druck ist die entsprechende Grenze auf 90 mmHg festgelegt. Werte im Bereich von 130 bis 139 mmHg systolisch und 85 bis 89 mmHg diastolisch bezeichnen Ärzte als hoch normal.
  • Niedriger Blutdruck (arterielle Hypotonie): Hier wird häufig der systolische Druck herangezogen: Er liegt bei Hypotonie unter 105 bis 100 mmHg. Niedriger Blutdruck ist nicht immer gefährlich (siehe unten).

Behandlung von Bluthochdruck bei Diabetes

Für Diabetiker gelten leicht veränderte Zielwerte im Vergleich zu Gesunden. Der Blutdruck sollte nach aktuellen Empfehlungen der Europäischen Hochdruckgesellschaft bei Diabetikern unter 140 mmHg (oberer Wert) und unter 85 mmHg (unterer Wert) gesenkt werden. Allerdings sollte der Blutdruck nicht zu tief sinken, weil dies eventuell die Durchblutung ungünstig beeinflussen kann – zum Beispiel wenn Gefäße schon angegriffen sind. Der Arzt wird den wünschenswerten Zielbereich individuell festlegen.

Ein systolischer Wert von über 140 bis 159 mmHg (diastolisch: 90 bis 99 mmHg) gilt als leichter Bluthochdruck beziehungsweise Bluthochdruck Grad 1. Er liegt bei Typ-2-Diabetes häufig vor, auch als Teil des metabolischen Syndroms. Mit der Zeit kann der Blutdruck jedoch deutlich ansteigen, wenn er nicht ausreichend behandelt wird. Bei Typ-1-Diabetikern kommt es oft nach mehreren Jahren ebenfalls zu Bluthochdruck.

Wenn Bluthochdruck zusammen mit Diabetes auftritt, heißt das, es liegen bereits zwei Risikofaktoren für Herz- und Gefäßschäden vor. Der Blutdruck sollte bei Hypertonie immer, in diesem Fall aber dauerhaft die empfohlenen Zielwerte erreichen. Das heißt auch: Ab Bluthochdruck Grad 1 wird eine medikamentöse Behandlung empfohlen. Basis ist immer die Umstellung des Lebensstils. Zu den Maßnahmen, die man selbst umsetzen kann, gehört zum Beispiel abzunehmen. Übergewicht ist ein bedeutender Risikofaktor für Bluthochdruck. Auch ein aktiver Lebensstil mit viel Bewegung kann dazu beitragen den Blutdruck auf natürliche Weise zu senken.

Höhere Blutdruckwerte lassen das Risiko für Arteriosklerose, Schlaganfälle und Herzinfarkte deutlich ansteigen. Eine Therapie ist hier immer unerlässlich.

Infrage kommen die üblichen Blutdrucksenker,  beispielsweise Diuretika, Kalziumantagonisten oder ACE-Hemmer. Welches Medikament oder welche Medikamentenkombination im Einzelfall am besten geeignet ist, wird der Arzt ebenfalls immer individuell entscheiden.

Niedriger Blutdruck

Junge Menschen – oft sind es sehr schlanke und schmalwüchsige Menschen, besonders Frauen – haben relativ häufig einen niedrigen Blutdruck (essenzielle Hypotonie). Das hat aber eigentlich keinen Krankheitswert, solange die Leistungsfähigkeit nicht darunter leidet oder zum Beispiel starker Schwindel oder Benommenheit auftritt. Manche Betroffenen fühlen sich morgens zwar mitunter etwas schlapp und brauchen länger, um richtig in Gang zu kommen. Einige haben auch öfter kalte Hände und kalte Füße. Doch lassen sich solche Beschwerden mit Maßnahmen, die den Kreislauf stärken, oft in den Griff bekommen, etwa regelmäßige Bewegung, Kräftigung der Muskeln, Wechselduschen, ausreichende Aufnahme von Flüssigkeit.

Auch gut trainierte Sportler weisen als Grundtonus einen eher niedrigen Blutdruck auf. Trotzdem ist ihr Herz-Kreislauf-System leistungsfähig und reagiert sportlich.

Daneben gibt es aber auch krankhafte Formen zu niedrigen Blutdrucks. Ärzte kennen zahlreiche Ursachen und viele verschiedene Formen. Es kann zum Beispiel vorkommen, dass der Blutdruck beim Aufstehen aus einer liegenden Position zu stark abfällt. Dann liegt eine orthostatische Hypotonie vor. Dabei sinkt der systolische Druck im Stehen innerhalb von drei Minuten (direkt nach dem Aufstehen) um mindestens 20 mmHg oder der diastolische Druck um mindestens 10 mmHg. Ärzte vollziehen diese Veränderungen mit entsprechenden Blutdruckmessungen nach. Mögliche Folgen des Druckabfalls: Schwindel, Benommenheit, Schwarzwerden vor den Augen, eventuell Ohnmacht (Synkope). Die Gegenreaktion des Körpers: unter anderem Schweißausbruch, Blässe, Pulsanstieg.

Gestörte Blutdruck-Regulation bei diabetischen Nervenschäden

Ein länger bestehender Diabetes kann unter anderem die Nervenbahnen schädigen. Eine mögliche Folge ist die sogenannte autonomen Neuropathie. Dann können zum Beispiel Nerven beeinträchtigt sein, die den Kreislauf aktivieren (Sympathikus-Nerven). In der Folge kann eine orthostatische Hypotonie auftreten. Dabei kann es auch vorkommen, dass Begleitreaktionen wie beschleunigter Herzschlag und Schwitzen fehlen.

Krankhafte hypotone Kreislaufreaktionen können besonders älteren Menschen oder Patienten mit Gefäßproblemen zu schaffen machen, da es zu einem Durchblutungsmangel am Herzen oder im Gehirn kommen kann. Auch bei Herzschwäche ist der Blutdruck oft niedrig.

Wie der Blutdruck sich über den Tag hinweg verhält, lässt sich gut in einer ambulanten 24-Stunden-Blutdruckmessung erkennen (ABDM, Abkürzung für ambulantes Blutdruck-Monitoring). Sie hilft insbesondere, die Therapie bei Bluthochdruck (siehe oben) individuell anzupassen. Um eine Hypotonie, die Beschwerden macht, genauer abzuklären, gibt es spezielle klinische Tests.