„Den besten Blutdrucksenker gibt es nicht“

Patienten mit Bluthochdruck erhalten meist Medikamente. Doch nicht jedes Mittel ist für jeden gleich geeignet. Ein Experte erklärt im Interview, worauf es ankommt
von Birgit Ruf, 19.08.2015

Medikamenten-Einnahme: Viele Patienten schlucken Tabletten nicht wie verordnet

Fotolia/Goodluz

Viele Menschen mit Bluthochdruck haben erhöhte Werte, obwohl der Arzt ihnen Tabletten dagegen verschrieben hat. Warum?

Oft liegt das daran, dass die Betroffenen ihre Blutdrucksenker nicht so regelmäßig einnehmen, wie sie das sollten. Die einen vergessen es einfach, weil der hohe Blutdruck keine Beschwerden macht, andere glauben, sie müssten die Tabletten nur schlucken, wenn sie einen erhöhten Blutdruckwert messen. Wieder andere haben Angst vor Nebenwirkungen.

Ist diese Angst nicht begründet? 

Im Allgemeinen sind Blutdrucksenker sehr gut verträglich. Falls ein Wirkstoff einmal Probleme macht, etwa wenn es unter der Therapie mit einem ACE-Hemmer zu Reizhusten kommt, kann der Arzt auf einen anderen Wirkstoff wechseln.

Professor Roland Schmieder ist Blutdruckexperte an der Universität Erlangen

W&B/Jens Wegener

Es gibt viele Wirkstoffe, die den Blutdruck senken. Wie wählt der Arzt überhaupt aus?

Es gibt nicht den "besten" Blutdrucksenker, der für alle Patienten ideal ist. Der Arzt entscheidet immer im Einzelfall. Dabei spielen zum  Beispiel Begleit­­erkrankungen wie Diabetes oder eine Herzschwäche eine wichtige Rolle, weil einzelne Wirkstoffe dann besonders gut oder eher weniger geeignet sind.

Oft hört man, dass Betablocker bei Diabetes ungünstig wären. Stimmt das?

Nein. Früher hatte man Sorge, dass Betablocker die Warnzeichen einer Unterzuckerung verschleiern. Bei den modernen Betablockern muss man das nicht befürchten.

Kann man auf Tabletten verzichten, wenn man mehr Sport macht und Übergewicht vermeidet?

Manchmal. Erfahrungsgemäß geht es aber oft nicht ohne blutdrucksenkende Medikamente. Regelmäßige Bewegung und der Abbau von Übergewicht sind die Basis der Therapie, ähnlich wie beim Typ-2-Diabetes. Auch wenn zusätzlich Tabletten nötig sind, hilft ein gesunder Lebensstil, die Dosis gering zu halten.


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