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Sport-Pensum rauf, Blutdruck runter

Bewegung bei Diabetes und Hypertonie: Ein Experte erklärt, warum das eine prima Idee ist. Und er gibt Tipps, wie Sie gesund trainieren

von Alexandra von Knobloch, 10.08.2020

Beim Sport steigt mein Blutdruck. Ist das gefährlich?

"Belastungsspitzen wie beim Wettkampftraining sollten Menschen mit Blut­­hochdruck und Diabetes meiden", erklärt Professor Dr. Bernhard Schwaab. "Sich regelmäßig anzustrengen, den Puls zu beschleunigen und die Muskeln zu fordern ist jedoch ein großer Gewinn für die Gesundheit." Wer sich beim Aktivsein noch gut unterhalten kann, muss keinen womöglich riskanten Blutdruckanstieg fürchten. Gut für Sie: Die Gefäße weiten sich schnell, sodass die Werte noch bis zu 24 Stunden nach der Bewegung niedriger sind als zuvor. Bereits 10 bis 15 Minuten körperliche Aktivität jeden Tag tun den Gefäßen gut. Der Ruhepuls sinkt, das Blut fließt besser, und die Gefäß­innenwände wer­den elastischer. Auf Dauer kann der Blutdruck um 5 bis 10 mmHg sinken.

Vorher zum Arzt?

Vor allem nach einer längeren Sportpause sollte man die Belastbarkeit mit dem Arzt abklären. "Bei einer gut eingestellten Therapie bei Typ-2-Dia­betes oder Blut­hochdruck und körperlichem Wohlbefinden spricht meist nichts dagegen, mit moderatem Training zu beginnen", sagt Schwaab. "Menschen mit Typ-1-­Diabetes sollten unbedingt mit ihrem Arzt besprechen, wie sie die Insulindosis anpassen und bei Problemen reagieren." Das gilt auch bei Typ-2-Diabetes, wenn er mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin behandelt wird.

Unterwegs messen?

Hohen Blutdruck spürt man nicht unbedingt. Um zu sehen, wie die Werte auf Bewegung und Training ­reagieren, kann vorab eine Blutdruckmessung über 24 Stunden sinnvoll sein. ­Klären Sie das mit Ihrem Hausarzt — jeder Hochdruck-Patient ist anders. Eine Blutdruckmessung während der körperlichen Aktivität ist nicht erforderlich.

Der richtige Zeitpunkt für meine Medikamente?

Wer anfängt, seine Fitness zu fördern, nimmt seine Blutdruckmittel weiter zum üblichen Zeitpunkt, also unabhängig vom Training. Nach einigen Wochen, wenn die Blutdruckwerte sich verbessert haben, sollten Patienten mit ihrem Arzt prüfen, ob eine Therapie­anpassung ­möglich ist: Manchmal lässt sich die Dosis eines Blutdruck­mittels senken, manchmal
die Anzahl der Medikamente reduzieren.

Ausdauer oder Kraft trainieren?

Am besten beides! Spazieren gehen, walken, joggen, radeln, schwimmen: Steigert man sein Ausdauerprogramm, sinkt nicht nur der Blutdruck, auch der Zucker- und Fettstoffwechsel profitieren. "Gezielte Kraftübungen verstärken die positiven Effekte des Ausdauertrainings deutlich", sagt Schwaab. "Wir wissen heute, dass auch Kraft-Ausdauer-Training den Blutdruck senkt, wenn dabei Pressatmung vermieden wird." Deshalb immer im Rhythmus der Übung und mit offenem Mund ein- und ausatmen.

Wie oft soll ich mich bewegen?

Lieber öfter, dafür nicht zu intensiv. "Wer gänzlich untrainiert anfängt, profitiert anfangs manchmal schon von täglich zehn Minuten um den Block gehen", sagt Schwaab. Wichtig: nach Möglichkeit nicht mehr als 24 Stunden zwischen zwei Aktivitäten vergehen lassen, sonst verpufft der Zugewinn jedes Mal wieder. Mit wachsender Kraft und Kondition sollte man das Trainingspensum allmählich steigern. Beim Kraftsport heißt das: statt immer mehr Gewicht zu stemmen, lieber mehr Wiederholungen machen. Fürs Ausdauerprogramm gilt: Länger bei guter Puste durchzuhalten ist wichtiger, als schneller zu werden.

Überfordere ich mich?

Trainingseffekte erzielen Sie am besten, wenn Sie die Belastung bei einer Bewegungseinheit spüren: Nach einiger Zeit wird Ihnen warm, Puls und Atmung beschleunigen sich. Beim Krafttraining merken Sie, wie die Muskeln müde werden. Beginnen Sie daher mit niedrigen Gewichten. Grundsätzlich gilt: Bevor Ihnen die Puste ausgeht, einen Gang zurückschalten.


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