Mess-Station im Oberarm

Eine Mini-Kapsel wird unter die Haut gesetzt und misst den Zucker mehrere Monate lang. Was kann der neue Glukosesensor, was nicht?

von Andrea Grill, 11.04.2018
Mess-Station im Oberarm

Ein kleiner Schnitt am Arm, darin verschwindet eine Mini-Kapsel, kaum länger als ein Fingernagel. In dem Ding steckt ausgeklügelte Technik. Alle fünf Minuten misst der Sensor, wie viel Glukose im Gewebe ist, und funkt den Zuckerwert über einen am Oberarm befestigten Sender ans Handy. So funktioniert Eversense®, eine neue Variante der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM). 90 Tage kann der Sensor momentan unter der Haut bleiben, bald sollen es 180 Tage sein.

Der Diabetologe Dr. Wolf-Rüdiger Klare aus Radolfzell fand das Ganze anfangs, wie er sagt, "abartig: Alle drei Monate ein Schnitt mit dem Skalpell und dann so ein Ding im Körper tragen, wer will denn so was?" Es fanden sich jedoch viele Interessenten, die das System ausprobieren wollten. Die Erfahrungen: bislang offenbar recht positiv. Allerdings ist das System so neu, dass es noch keine Erkenntnisse gibt, wie es etwa um das Thema Narbenbildung am Arm steht. Nur rund 170 Diabetiker tragen derzeit den Sensor. Man kann ihn in etwa 80 diabetologischen Praxen und Kliniken in Deutschland einsetzen lassen (Infos und Adressen auf www.eversense.de).

Die diabetologische Gemeinschafts-­praxis Dachau ist eine davon. Der dort tätige Diabetologe Dr. Thomas Kothny 
findet den Eingriff unkompliziert. "Nach lokaler Betäubung mache ich mit dem Skalpell einen fünf Millimeter breiten Schnitt in die Haut." In die so entstandene Hauttasche schiebt der Arzt den Sensor und klebt einen Pflasterstrip darüber. Danach wird der Transmitter auf den Arm geklebt (siehe Seite 25). Das Ganze dauert eine Viertelstunde. Damit es richtig misst, kalibriert der Anwender das "Langzeit-CGM" kurz nach dem Einsetzen und ab dann jeden Tag zweimal mithilfe herkömmlicher Zuckermessungen. Nach 90 Tagen muss der Sensor ausgewechselt werden. Während einer Studie mit 70 Patienten im Jahr 2016 hielten allerdings nicht alle Sensoren so lange durch. Knapp einer von fünf verabschiedete sich vorzeitig. Bei einem von Kothnys Patienten funktio­nierte der Transmitter nicht richtig und musste ausgetauscht werden. 
Trotz solcher Pannen überwiegen für den Diabetologen die Vorteile. Bei Vergleichsmessungen seiner Patienten gab es kaum Unterschiede zwischen den Werten des Sensors und Blutzuckerkontrollen. Das Pflaster des Transmitters werde täglich gewechselt und eigne sich auch für empfindliche Patienten. Zum Beispiel zum Duschen oder auch zwischendurch können Nutzer den Transmitter entfernen und wieder aufkleben. Der Sensor bleibt unter der Haut. Ohnehin muss der Transmitter einmal am Tag abgenommen werden, um ihn neu aufzuladen.

Unkomplizierter Eingriff

Die diabetologische Gemeinschaftspraxis Dachau ist eine davon. Der dort tätige Diabetologe Dr. Thomas Kothny findet den Eingriff unkompliziert. „Nach lokaler Betäubung mache ich mit dem Skalpell einen fünf Millimeter breiten Schnitt in die Haut.“ In die so entstandene Hauttasche schiebt der Arzt den Sensor und klebt einen Pflasterstrip darüber. Danach wird der Transmitter auf den Arm geklebt. Das Ganze dauert eine Viertelstunde. Damit es richtig misst, kalibriert der Anwender das „Langzeit-CGM“ kurz nach dem Einsetzen und ab dann jeden Tag zweimal mithilfe herkömmlicher Zuckermessungen. Nach 90 Tagen muss der Sensor ausgewechselt werden. Während einer Studie mit 70 Patienten im Jahr 2016 hielten allerdings nicht alle Sensoren so lange durch. Knapp einer von fünf verabschiedete sich vorzeitig. Bei einem von Kothnys Patienten funktio­nierte der Transmitter nicht richtig und musste ausgetauscht werden.

Trotz solcher Pannen überwiegen für den Diabetologen die Vorteile. Bei Vergleichsmessungen seiner Patienten gab es kaum Unterschiede zwischen den Werten des Sensors und Blutzuckerkontrollen. Das Pflaster des Transmitters werde täglich gewechselt und eigne sich auch für empfindliche Patienten. Zum Beispiel zum Duschen oder auch zwischendurch können Nutzer den Transmitter entfernen und wieder aufkleben. Der Sensor bleibt unter der Haut. Ohnehin muss der Transmitter einmal am Tag abgenommen werden, um ihn neu aufzuladen.

So funktioniert der Sensor

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Auch Klare ist inzwischen von seiner skeptischen Meinung zum "Langzeit-CGM" abgerückt. Einer der Gründe: die Ankündigung des Herstellers, dass der Sensor bald nicht drei, sondern sechs Monate lang halten soll. "Das wäre schon sehr komfortabel", sagt Klare. Ein Nachteil bleibt aus seiner Sicht: Insulinpumpenträger können die Zuckerwerte nur auf dem Smartphone ablesen, eine Verbindung zur Pumpe gibt es nicht.  "Eine gute Sache ist meiner Ansicht nach die Alarmfunktion", sagt der Diabetologe. Bei zu tiefen oder zu hohen Werten wird der Nutzer vom Smartphone alarmiert, und zusätzlich vibriert der Transmitter direkt auf der Haut. "Das ist sehr diskret und besser zu spüren als etwa eine vibrierende Insulinpumpe in der Gürteltasche", sagt Klare.
Das neue "Langzeit-CGM" kommt vor allem für Typ-1-Diabetiker mit intensivierter Insulintherapie oder Insulinpumpe infrage, die trotz sorg­-
fältigem Diabetesmanagement Pro­b­leme mit ihrer Stoffwechseleinstellung haben. Derzeit werden Anträge auf Kostenübernahme des Systems und des chirurgischen Eingriffs durch die Krankenkassen oft noch abgelehnt oder erst nach Einspruch bewilligt, so die Erfahrungen der Anwender und Diabetologen. Wer die Mess-Kapsel ausprobieren möchte, braucht also gute Gründe, die er dem Sachbearbeiter seiner Krankenkasse darlegt. Und einen langen Atem.

Alarmfunktion auf dem Smartphone

Auch Klare ist inzwischen von seiner skeptischen Meinung zum „Langzeit-CGM“ abgerückt. Einer der Gründe: die Ankündigung des Herstellers, dass der Sensor bald nicht drei, sondern sechs Monate lang halten soll. „Das wäre schon sehr komfortabel“, sagt Klare. Ein Nachteil bleibt aus seiner Sicht: Insulinpumpenträger können die Zuckerwerte nur auf dem Smartphone ablesen, eine Verbindung zur Pumpe gibt es nicht.  „Eine gute Sache ist meiner Ansicht nach die Alarmfunktion“, sagt der Diabetologe. Bei zu tiefen oder zu hohen Werten wird der Nutzer vom Smartphone alarmiert, und zusätzlich vibriert der Transmitter direkt auf der Haut. „Das ist sehr diskret und besser zu spüren als etwa eine vibrierende Insulinpumpe in der Gürteltasche“, sagt Klare.

Das neue „Langzeit-CGM“ kommt vor allem für Typ-1-Diabetiker mit intensivierter Insulintherapie oder Insulinpumpe infrage, die trotz sorg­fältigem Diabetesmanagement Pro­b­leme mit ihrer Stoffwechseleinstellung haben. Derzeit werden Anträge auf Kostenübernahme des Systems und des chirurgischen Eingriffs durch die Krankenkassen oft noch abgelehnt oder erst nach Einspruch bewilligt, so die Erfahrungen der Anwender und Diabetologen. Wer die Mess-Kapsel ausprobieren möchte, braucht also gute Gründe, die er dem Sachbearbeiter seiner Krankenkasse darlegt. Und einen langen Atem.


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