Wie der Zyklus den Blutzucker beeinflusst

Bei Frauen mit Diabetes können sich die Blutzuckerwerte vor und nach der Periode stark verändern. Woran das liegen und was helfen kann

von Alexandra von Knobloch, 30.07.2018
Frau liegt mit Wärmflasche auf dem Unterleib auf dem Bett

Die weiblichen Geschlechtshormone wirken unterschiedlich auf den Blutzucker


Gute Blutzuckerwerte und ein geringer Insulinbedarf in der ersten Zyklushälfte, dann ein langsamer Anstieg. Kurz vor der Regelblutung schnellen die Werte in die Höhe, um dann einige Tage später wieder zügig zu fallen: Etwa zwei Drittel aller Frauen mit Diabetes im fruchtbaren Alter sind von einem solchen Auf und Ab ihrer Blutzuckerwerte betroffen.
Viele plagen sich auch mit Schmerzen während der Regel, mit langen oder starken Blutungen.

Was hilft gegen zyklusbedingte Blutzuckerschwankungen?

"Wichtig ist in den kritischen Zyklusphasen eine noch sorgfältigere Kontrolle der Zuckerwerte als üblich", erklärt die Diabetologin Professor Petra-Maria Schumm-Draeger, ärztliche Direktorin des Zentrums für innere Medizin "Fünf Höfe" in München. "Bei Frauen, die Insulin spritzen, muss je nach Ergebnis die Insulindosis angepasst werden, um Unter- oder Überzucker zu vermeiden."
Um festzustellen, ob wirklich die Geschlechtshormone hinter den wiederkehrenden Zuckerschwankungen stecken, sollten betroffene Diabetikerinnen eine Weile lang ihren Zyklus und ihre Blutzuckwerte parallel protokollieren. "Meist zeichnet sich schnell ein Muster ab", erklärt die Expertin der Deutschen Diabetes Gesellschaft. In Abstimmung mit dem Diabetologen und der Diabetesberaterin lässt sich dann eine sinnvolle Gegenstrategie entwickeln.

Wie beeinflussen die Geschlechtshormone den Blutzucker?

Die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron wirken unterschiedlich auf den Zuckerstoffwechsel. Östrogen verbessert die Insulinempfindlichkeit der Zellen, Progesteron verschlechtert sie. Je nachdem, wie hoch die Spiegel der beiden Hormone sind und welches gerade die Oberhand hat, kann der Blutzucker also fallen oder steigen. Der Progesteronspiegel erreicht seinen Gipfel wenige Tage vor der Regelblutung. Das kann ein Grund dafür sein, dass der Blutzucker bei einigen Frauen mit Diabetes zu diesem Zeitpunkt steigt und der Insulinbedarf erhöht ist. Wie stark die Hormone den Blutzucker beeinflussen, ist aber bei jeder Frau anders.

Prof. Dr. Petra-Maria Schumm-Draeger

Was empfiehlt sich für Diabetikerinnen, die kein Insulin spritzen?

Auch Frauen, deren Typ-2-Diabetes mit Tabletten behandelt wird, sind von zyklusabhängigen Blutzuckerschwankungen betroffen – wenn auch oft nicht im selben Maß wie insulinpflichtige Diabetikerinnen. In diesem Fall bleibt die Arzneidosis unabhängig vom Zyklusverlauf gleich. Ausschläge in den Blutzuckerwerten bekommen diese Patientinnen über einen angepassten Lebensstil in den Griff.
"Mehr Bewegung in den Tagen vor der Periode wäre zum Beispiel ein wichtiges und wirksames Mittel", erklärt Diabetologin Schumm-Draeger. Das kann, je nach Kondition, täglich ein zusätzlicher Spaziergang sein oder Ausdauertraining wie Joggen oder Schwimmen. Auch mit der Ernährung lässt sich gegensteuern. Etwa, indem man abends weniger Kohlenhydrate ißt, damit der Zucker über Nacht nicht zu hoch steigt. Zuckerhaltige Getränke wie Obstsaft treiben den Blutzucker schnell in die Höhe – am besten lässt man sie weg. Auch Rauchen und Alkohol wirken sich ungünstig auf den Blutzucker aus.

Leiden Frauen mit Diabetes häufiger an PMS und Menstruationsbeschwerden?

Manche Frauen fragen sich, ob auch ihre Zyklusbeschwerden wie PMS (Prämenstruelles Syndrom) oder starke Blutungen mit der Achterbahn ihrer Blutzuckerwerte zusammenhängen. "Es gibt keine Studien, die belegen, dass an Diabetes erkrankte Frauen häufiger damit zu kämpfen hätten als gesunde", erklärt Expertin Petra-Maria Schumm-Draeger. "Aber für einen angenehmen Zyklusverlauf ist ein gut kontrollierter Diabetes sicher eine wichtige Basis." Eine mögliche Erklärung: Die Belastung, die schlechte Blutzuckerwerte bedeuten, könnte die Ausschüttung von Stresshormonen fördern, die sich vor und während der Periode negativ auswirken.

Eignet sich die Pille gegen solche Probleme?

Wenn nichts anderes hilft, steht oft die Option im Raum, den Zyklus mit hormonellen Verhütungsmitteln wie der Antibabypille zu stabilisieren und so Blutungen und Schmerzen einzudämmen. "Das ist kein Wundermittel", gibt Schumm-Draeger zu bedenken. Manche Frauen vertragen diesen Eingriff in ihren natürlichen Zyklus schlecht. Bei Diabetes sind außerdem stets gesundheitliche Gefahren abzuwägen, darunter das erhöhte Thromboserisiko. "Eine gute Aufklärung über die Zusammenhänge zwischen weiblichen Hormonen und dem Diabetes wäre das Beste, um Probleme erst gar nicht groß werden zu lassen", findet Schumm-Draeger.

Woher können Zyklusbeschwerden bei Diabetes noch kommen?

Wenn Diabetikerinnen unter Regelschmerzen, langen oder starken Blutungen oder auch unregelmäßigen Zyklen leiden, gilt es, neben dem Diabetes auch nach anderen Ursachen zu forschen. Häufig findet sich ein gynäkologischer oder hormoneller Grund. Viele Typ-2-Diabetikerinnen leiden zum Beispiel unter einem polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS). Das ist eine Hormonstörung, die Eierstockzysten, aber auch Zyklusstörungen auslösen kann. Auch Funktionsstörungen der Schilddrüse kommen bei Typ-1-Diabetes häufiger vor. Sie können nicht nur die Blutzuckerwerte beeinflussen, sondern ebenfalls den Zyklus stören. Werden solche Krankheiten erkannt und behandelt, bessern sich oft auch die Menstruationsbeschwerden.


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