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Virtuelle Diabetes-Ambulanz für Kinder mit Typ-1- Diabetes

Nach der Diagnose Diabetes folgen regelmäßige Termine bei einem Facharzt. Das Projekt "Virtuelle Diabetes-Ambulanz für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes" zeigt einen neuen Weg mit Hilfe von Videosprechstunden

von Andrea Mayer-Halm, 28.04.2020

Behandlung durch Videosprechstunde

16.00 Uhr. Zeit für die Sprechstunde mit dem Kinderdiabetologen. Aber heute gibt es keine lange Anreise oder lästiges Aussitzen im Wartezimmer. Alles, was nötig ist: ein Computer, Laptop oder Tablet sowie eine spezielle Software. Und los geht der persönliche Online-Chat im Rahmen einer Video-Sprechstunde. Jetzt können alle Fragen bequem von der Couch aus geklärt werden.

Bislang war so eine Online-Sprechstunde für Familien, die ein Kind mit Typ-1-Diabetes haben, nur innerhalb einer Studie möglich. Damit Telemedizin in Deutschland zur Regel wird, hat Kinderdiabetologin Dr. Simone von Sengbusch das Modellprojekt ViDiKi gestartet. ViDiKi steht für virtuelle Diabetes-Ambulanz für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes. Damit sollen persönliche Quartalsbesuche beim Arzt auf keinen Fall ersetzt werden. Schließlich wird dort auch der Blutzucker-Langzeitwert (HbA1C) bestimmt. Es geht vielmehr um eine Ergänzung für mehr Sicherheit und Lebensqualität.

Modellprojekt Virtuelle Diabetes-Ambulanz:

Bis Ende 2019 haben 240 Familien aus Schleswig-Holstein und Hamburg an der Studie teilgenommen. Jedes teilnehmende Kind und jeder Jugendliche mit Typ-1-Diabetes bekam alle vier Wochen einen Telemedizin-Termin. Am Tag zuvor haben die Eltern Dateien mit den aktuellen Messwerten und Insulingaben an den Online-Arzt gesendet. Der Arzt war ein Kinderdiabetologe der Unikliniken Lübeck, Kiel oder des Städtischen Krankenhauses Kiel. "Die Diabetologie ist ein digitalisiertes Fach. Deshalb kann Telemedizin hier besonders gut funktionieren", sagt ViDiKi-Leiterin von Sengbusch.

Gerade laufen die Auswertungen der vom Innovationsfonds geförderten Studie ViDiKi, bei der die AOK NordWest beteiligt war. Jetzt geht es darum herauszufinden, welchen Einfluss Telemedizin auf die Stoffwechsellage eines Kindes mit Diabetes hat. Außerdem soll geklärt werden, inwieweit sich die Lebensqualität der Familien durch Live-Chats mit den Kinderdiabetologen verbessert hat. Was Dr. Simone von Sengbusch aber jetzt schon anhand bestimmter Umfragewerte sagen kann: "Die Zufriedenheit der Familien ist enorm hoch."

Kinderdiabetologen Videosprechstunde Telemedizin Expertin Frau von Sengbusch

Im April 2020 ist bereits ViDiKi 2 gestartet, diesmal gefördert vom Versorgungssicherungsfonds des Landes Schleswig-Holstein. Diesmal sind auch Familien mit Kleinkindern und neu an Typ 1 erkrankten Kindern eingeschlossen, deren Stoffwechsel häufig noch recht instabil ist. Das macht das Diabetes-Management für die Eltern schwierig. Dr. Simone von Sengbusch weiß aus dem Praxisalltag, wie viele drängende Fragen gerade Eltern dieser Kinder auf dem Herzen haben. Bis zu 40 Minuten Zeit nehmen sich die Ärzte aus Lübeck und Kiel, um Sorgen im Live-Chat aus dem Weg zu räumen. Und das auch diesmal wieder alle vier Wochen. ViDiKi 2 wird insgesamt ein Jahr lang laufen.

Inspiriert wurde ViDiKi-Leiterin von Sengbusch übrigens durch die Niederländer. Die haben in den Kliniken schon längst virtuelle Beratung für Kinder mit Diabetes integriert. In einer solchen Klinik hatte Simone von Sengbusch hospitiert und war überwältigt: "Ich fand das so toll, dass ich dachte: Das ist das Konzept der Zukunft!" Ob telemedizinische Betreuung auch in Deutschland Teil der Regelversorgung und damit von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird, werden die kommenden Monate zeigen. Im Herbst geht der Abschlussbericht von ViDiKi 1 an den Gemeinsamen Bundesauschuss, der über die Zulassung entscheidet.

Von Sengbusch ist zuversichtlich: "Telemedizin funktioniert. Telemedizin bringt den Eltern sehr viel, weil sie häufige Kontakte zum Diabetesteam haben und viel Fahrzeit für Ambulanzkontakte wegfällt. Das bedeutet: häufige Kontakte mit wenig Aufwand – ein modernes Versorgungskonzept."


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