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10.06.2020: 1, 2, 3, 4 Eckstein, alles muss versteckt sein!

Ostern liegt zwar schon einige Wochen zurück, „Verstecken und Suchen“ ist dennoch sehr beliebt im Hause Fabian. Nur finden sich in den bekannten Nischen und Schlupflöchern keine gefüllten Nester. Isabelle Fabian erlebt einige Überraschungen

von Isabelle Fabian, 10.06.2020

"…19, 20, ich komme!" Ich nehme die Hände vom Gesicht und betrete das Wohnzimmer. Dort gibt es die meisten und vor allem die besten Verstecke in der Wohnung. Natürlich kenne ich sie alle. Aber ich tue immer so, als würde es mir einfach nicht gelingen, meine zweijährige Tochter aufzuspüren. "Unterm Sofa ist niemand, hinterm Schrank auch nicht", stelle ich laut fest, während ich den Raum durchschreite. "Mathilda ist verschwunden! Ich kann sie einfach nicht finden", seufze ich, bevor ich mit einem Satz nach vorn springe und ihr Versteck unterm Schreibtisch auffliegt. Meine Prinzessin jauchzt und quietscht: "Noch mal!"

Doch da muss sich Mathilda ein wenig gedulden. Heute Vormittag ist Saugen angesagt und Kinderzimmer aufräumen. Seit einiger Zeit gibt es bei uns einen Haushaltsplan mit Aufgaben für jedes Familienmitglied. Nur Mathilda hat Welpenschutz. Vorher lief mit unseren beiden Söhnen alles auf Zuruf. Das klappte leider mehr schlecht als recht. Irgendwann war ich so frustriert, dass ich die Jungs und meinen Mann an einen Tisch bat und wir uns mit Brainstorming sämtliche Aufgaben erst erarbeitet und dann verteilt haben. Heute ist Konstantins Zimmer an der Reihe. Aufräumen und saugen macht er allein. Ich kümmere mich dann noch um Kleinigkeiten, wie Staub wischen oder liegen gebliebene Legosteine und Murmeln dorthin verstauen, wo Mathilda nicht rankommt. Obwohl sie im Herbst drei Jahre alt wird, hat sie immer noch die Angewohnheit, die Beschaffenheit von Dingen mit dem Mund zu erfühlen. Das ist mir einfach zu heikel.

Heute entdecke ich beim Putzen außer Flusen auch Süßigkeitenpapier unterm Schrank. Es lohnt sich bestimmt, auch anderswo etwas genauer zu schauen: In einer Dose mit Edelsteinen finde ich Bonbonfolie. Zwischen Schulbüchern Schnipsel eines Schokoriegels. Moment mal! Die hat Konstantin doch erst vor ein paar Tagen geschenkt bekommen. Ich dachte, die Packung wäre noch ungeöffnet?! Bei genauem Hinsehen entdecke ich, dass drei Riegel fehlen.  

Bevor ich Konstantin zur Rede stelle, warum er wieder heimlich nascht, schnappe ich mir einen großen Beutel und räume den kompletten Süßkramvorrat hinein. Und ab damit ins Schlafzimmer, wo das Zeug hoffentlich keiner findet. Ich bin traurig, dass die lange Leine nicht funktioniert. Mit hängenden Schultern setze ich mich zu meinem Sohn auf die Couch, wo er sich nach dem anstrengenden Aufräumen erst mal ausruht. "Was hab ich denn jetzt schon wieder gemacht?", bellt er gleich los, obwohl ich noch gar nichts gesagt habe. Ich berichte, dass ich mich beim Aufräumen wie bei der Ostereiersuche gefühlt habe. Ohne Umschweife gibt er alles zu und meint, er habe manchmal einfach Heißhunger auf Süßes. Und er fände es so unfair, dass sein großer Bruder immer Naschen könne. Genau das möchte er auch. Wieder. So wie vorm Diabetes.

Ich verstehe Konstantin. Süßigkeiten gab es bei uns zwar noch nie in rauen Mengen und schon immer auf Zuteilung. Doch manchmal wünschte ich, mein Sohn wäre mit dem Diabetes groß geworden. Dann würde es ihm jetzt sicher leichter fallen.

Mir stellt sich aber noch eine Frage: Warum sind die Naschereien nirgends auf der CGM-Kurve zu sehen? Ich rate: "Hast du heimlich gespritzt, mit dem Einmal-Pen?" Auch das gibt Konstantin zu. Jetzt erklären sich die Unterzuckerungen der vergangenen Nachmittage. Wie viele Einheiten Insulin Konstantin gespritzt hat, damit rückt er nicht so richtig heraus. Für die gegessenen Süßigkeiten muss es definitiv zu viel gewesen sein. "Du warst ja nicht da", wirft er mir vor.

Wirklich eine schwierige Kiste, und ich habe momentan keine Lösung für unser Problem. Zwar verspricht Konstantin zum wiederholten Mal, zu mir zu kommen oder mich anzurufen, wenn ihn der "Hieper" zukünftig packt. Trotzdem bin ich sicher, es war nicht das letzte Mal, dass wir dieses Gespräch geführt haben. Und den alten Pen, der das gespritzte Insulin nicht anzeigt, den muss ich nun auch verstecken, genauso wie vorhin den Süßkram. Als Reserve, falls der digitale Pen mal spinnt, hatte ich den anderen noch in seiner Diabetes-Bauchtasche gelassen. Vielleicht sollten wir doch konkreter über eine Pumpe nachdenken? Vielleicht würde Konstantin sich damit freier fühlen? Dann könnte er auch spontan etwas naschen und müsste nicht auf die nächste Mahlzeit warten oder den Abstand zwischen den Insulingaben beachten.

Mathilda drängelt, sie will endlich wieder Verstecken spielen. Und Konstantin auch – vermutlich, um weiteren Fragen zu entrinnen. Mit dem Aufräumen sind wir fertig, also zähle ich wieder. Auf der Suche nach beiden Kids finde ich in den mir bekannten Verstecken Klamotten. Hinter der Tür ein Unterhemdchen, unterm Tisch eine Jeans. Als ich Mathilda unterm Esstisch hervorziehe, ist sie einmal komplett umgezogen. Und Konstantin hat sich in eine Nische hinterm Bücherschrank gequetscht, dort noch mal richtig Staub gewischt. Dieses Fleckchen ist uns wohl beim Putzen durch die Lappen gegangen. Hach, wie ich dieses Versteckspiel liebe!


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