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11.04.2020: Die richtige Einstellung zur guten Einstellung

Isabelle Fabian ist Mutter von drei Kindern. Eines davon hat seit Sommer 2019 Diabetes Typ 1. Ab sofort erzählt sie hier regelmäßig, wie es ihrer Familie in Zeiten von Corona geht

von Isabelle Fabian, 11.04.2020

Blick in den Terminkalender: In diesen Tagen steht nicht viel drin. Nur ein "Meeting", in der Diabetesambulanz. Unser eigentlicher Vor-Ort-Termin wurde abgesagt – wegen der Corona-Pandemie. Dafür wollte mich Konstantins Ärztin anrufen.

Vorher sollte ich ihr die Blutzucker-Tagebucheinträge schicken und die Werte des CGMs, also das Gerät, das seinen Blutzucker konstant misst. Letzteres stellte mich kurz vor eine Herausforderung, denn ich hatte Konstantins Werte bisher noch nie am Laptop ausgelesen. Tatsächlich verwende ich das CGM nur, um mir Durchschnittskurven oder die Zeiten des Blutzuckerwertes im Zielbereich zu betrachten.

Natürlich weiß ich, dass man viel mehr mit diesem Teil machen kann. Ich könnte mir etwa Konstantins Werte auf mein Handy schicken lassen. Er wäre dann quasi unter permanenter Kontrolle. Ich wüsste genau, wann eine Unterzuckerung droht oder der Zucker in die Höhe schnipst. Da ich mich ja schon eine Weile kenne, steht zu befürchten, dass ich mit dieser App pausenlos beschäftigt wäre: drauf schauen, Konstantin ständig bitten, dass er scannen soll oder einen Traubenzucker einwerfen muss.

die Corona-Pandemie mit einem Typ-1-Diabetes-Kind erleben

Ich wünsche mir aber, dass Konstantin selbstständiger wird mit seinem Diabetes. Dazu gehört auch loszulassen, für eine Helikopter-Mutter wie mich eine der schwersten Aufgaben überhaupt. Außerdem bin ich ziemlich ehrgeizig. Würde ich mich ständig mit Konstantins Blutzuckerkurven beschäftigen, würde ich wie beim Sport versuchen, beim nächsten Mal besser zu sein, noch mehr Prozente im Zielbereich, weniger Blutzuckerspitzen und so weiter. Also lasse ich es wieder. Macht ja doch nur Druck, vor allem meinem Kind.

Vor dem Telefonat mit Konstantins Ärztin ging ich meine Fragen mental noch mal durch. Die unangenehmste für mich: Wie sieht der HbA1c aus? Dieser Langzeitblutzuckerwert zeigt an, ob Konstantin gut eingestellt ist. Wie viele solcher roten Blutkörperchen trägt mein Sohn in sich? Der Auftakt, mein Klingelton, reißt mich aus meinen Gedanken.

Bevor es ans Eingemachte geht, fragt mich Konstantins Ärztin erst einmal, ob ICH gesund bin. Das kann ich zum Glück bejahen. Erst dann geht es um Konstantin. Was soll ich sagen: Unsere Ärztin ist auf ganzer Linie zufrieden mit uns. Der HbA1c lag im Januar bei 6,6 Prozent. Top!

Den aktuellen Wert kennen wir nicht genau, da Konstantin wegen der Coronakrise ja kein Blut im Labor abgeben kann. Die Diabetologin verrät mir, dass das CGM den HbA1c anhand der Blutzuckerkurven nur grob berechnen kann. 6,7 Prozent sind es wohl aktuell. Super! Aber besser, ich vergesse dieses Tool ganz schnell wieder, sonst komme ich unter Umständen noch auf die Idee, den aktuellen Wert unterbieten zu wollen.

Meine Zweifel, ob wir alles richtig machen mit Insulinanpassung & Co. räumt unsere Ärztin komplett aus: "Sie machen das wirklich toll!" Wenn man noch zu den Diabetes-Anfängern gehört, ist so ein kleiner Satz wahnsinnig aufbauend.

Einzig und allein zu den momentanen Frühstücksspitzen hat die Medizinerin noch einen Verbesserungsvorschlag. Ab sofort versuchen wir, die Blutzuckeranstiege nach der ersten Mahlzeit des Tages mit einem Spritz-Ess-Abstand in den Griff zu bekommen. Heute haben wir also 15 Minuten eher gespritzt und erst dann gefrühstückt. Hat leider nichts gebracht. Morgen also noch etwas mehr Zeit verstreichen lassen.

Außerdem hatte ich einen Wunsch, den unsere Diabetologin gern erfüllen möchte: einen smarten Pen fürs Kurzzeitinsulin, bei dem man viel genauer dosieren kann und der anzeigt, wie viel wir beim letzten Mal gespritzt haben. Wenn man tausend Dinge im Kopf hat (wie ich) und leicht vergesslich ist (wie mein werter Herr Sohn), kann es nämlich unter Umständen passieren, dass niemand mehr weiß, wie viel und ob überhaupt Insulin injiziert wurde. Diesbezüglich hätte die Kontrolletti-Mutter schon gern etwas mehr Kontrolle.

Weil es wirklich nichts zu meckern gibt, haben wir den nächsten Ambulanztermin erneut erst in drei Monaten. Hoffentlich dann wieder persönlich.


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