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13.05.2020: Pyjama-Party mit Omi und Opi

Nach Wochen der strikten Kontaktverbote steht für Konstantin der ersehnte Besuch bei Oma und Opa an. Die Freude ist beiderseits groß. Nur Konstantins Diabetes-Monster bereitet der Oma Kummer

von Isabelle Fabian, 13.05.2020

Vor ein paar Tagen fielen für Konstantin Weihnachten und Ostern auf einen Tag, zumindest gefühlt. Er durfte endlich mal wieder bei seiner Oma übernachten. Ganz allein, ohne Geschwister im Schlepptau. Das letzte Mal ist schon ewig her: Erst kam die Diagnose Diabetes Typ 1 dazwischen und dann auch noch Corona. Mein Zehnjähriger konnte sein Glück kaum fassen. Selbst ein epischer Sieg bei seinem Lieblingsspiel "Fortnite" ist Pillepalle dagegen.

Omi freut sich auch, Konstantin beherbergen zu können, allerdings hat sie Bauchschmerzen, wenn es um die Verantwortung beim Thema Diabetes geht. Es ist das erste Mal, dass sie allein mit Konstantin die Rechnerei und Spritzerei in den Griff bekommen muss. Die Angst, etwas falsch zu machen, raubt meiner Mutti schon Nächte vorher den Schlaf. Sämtliche Diabetes Ratgeber hat sie gewälzt, um sich vorzubereiten.

Ich versuche sie zu beruhigen, sage, dass sie mich jederzeit anrufen kann. Außerdem bitte ich sie, die Mahlzeiten so simpel wie möglich zu gestalten. Wie gern verwöhnt die Omi ihren Sonnenschein mit einem üppigen Mahl. Nur leider würde sie sich damit gleich zwei Eigentore schießen: erstens, weil sie dann viele Dinge beim Berechnen des Insulins beachten müsste. Und zweitens, weil Konstantins Blutzuckerwerte nach der Völlerei gerne Spitzen produzieren. Wenn das CGM erst Alarm schlägt, macht die Omi garantiert kein Auge zu. "Eine Schnitte mit Brot" schlage ich meiner Mutti vor.

Mein Sohn ist noch keine zwei Stunden weg, da klingelt mein Handy. Mutti berichtet erregt, dass Opa und Enkel schon viel zu lange mit E-Bikes unterwegs seien. Ihre Unruhe kann ich ihr nicht verdenken. Das letzte Mal, als sich Konstantin bei meinen Eltern auf ein Rad geschwungen hatte, endete mit einem Besuch in der Notaufnahme: Platzwunde am Kinn durch einen ungebremsten Aufprall. Die Funktion eines Rücktritts am Fahrrad war Konstantin bis dato offenbar nicht bekannt gewesen. Die alten Räder sind inzwischen längst entsorgt. Mittlerweile schweben meine Eltern mit E-Bikes übers Land. Noch während ich mit meiner Mutti spreche, kehren die beiden Sportler unversehrt zurück. Alles in Butter!

Wenig später klingelt das Telefon erneut. Das CGM zeigt einen deutlich erhöhten Zuckerwert. Vorm Abendessen. Ob Glückshormone daran beteiligt sind oder etwas anderes, wer weiß das schon. Mutti möchte auf Nummer sicher gehen. Ich empfehle ihr, eine halbe Stunde vorm Essen Insulin zu spritzen unter Einberechnung der Korrektur. Beim Erklären merke ich schon: Meine Ausführungen sind viel zu kompliziert. Lehrer ist an mir wirklich gar keiner verloren gegangen. Spätestens seit der Homeschooling-Phase wissen das alle Familienmitglieder. Das eben Gesagte vergessen, noch mal zurückzuspulen und blutig messen, das scheint für meine Mama das Einfachste zu sein. Siehe da, das CGM zeigte mal wieder falsche hohe Werte an … Korrigieren ist also doch nicht nötig.

Mathilda hat inzwischen mitbekommen, dass ihr großer Bruder bei der Omi nächtigt, sich Unterhemd und Schlüpfer vom Wäscheständer geschnappt und ihren kleinen Rucksack geholt. "Auch Omi schlafen! Los, komm!", ruft sie ganz aufgeregt. Dicke Tränen kullern ihr übers Gesicht. Obwohl ich ihr ganz behutsam beibringe, dass wir heute nicht zur Omi fahren werden, bin ich die Buh-Frau: "Mama böse!" Julius gelingt es, seine kleine Schwester abzulenken. Als wir drei dann gemeinsam Pizza zubereiten, bemerkt sie zwar erneut, dass da einer fehlt, der sonst beim Naschen ganz weit vorn mit dabei ist. Julius schiebt ihr aber ratzfatz ein Stück Mozzarella in den Schnabel.

Beim Essen fragt mich Julius, das ob das jetzt ´ne Premiere für mich sei. Ich verstehe seine Frage zunächst nicht. Dann wird mir aber klar, was er meint: Seit neun Monaten langt in unserer Familie niemand mehr bei Tisch direkt zu – denn jede Mahlzeit startet mit Vorlauf und "Diabetes-Ritual". Heute muss niemand warten. Ausnahmsweise. Mich plagt stattdessen das schlechte Gewissen, weil es für Konstantin auf meinen Rat hin nur ein Brot bei der Omi gibt. Wenn unsere Pizzasession auffliegt, kann ich mir eine Pfeife anbrennen …

Nachts liege ich öfter wach: Ob es Konstantin gut geht? Hoffentlich muss meine Mutti keine Zucker-Ausreißer ausbaden! Doch das Telefon bleibt still, bis zum nächsten Morgen. Konstantin darf sogar länger bleiben, damit Omi noch ein wenig "üben" kann. Ich nutze die Zeit und praktiziere wieder Back-Yoga. Den Sonntagskuchen mit Schokoherzchen gibt`s vorgezogen, als Dankeschön für die Enkelbetreuung. Mein Zehnjähriger strahlt bei seiner Ankunft und berichtet, dass das Mischbrot bei Omi wahnsinnig lecker war, besonders weil es Würstchen und Fleischsalat dazugegeben hat. Nur der Opa habe den DVD-Player nicht zum Laufen bekommen, weshalb James Bond nachgeholt werden müsse, gleich heute Abend. Dafür hätte Omi ihm ewig lange den Rücken gekrault, und er konnte super einschlafen. Meine Mutti blickt mich müde an: "Ich habe dafür kaum ein Auge zubekommen." Trotz aller Abstandsregeln nehme ich sie einmal kurz in den Arm. Mama ist die Beste!


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