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„Angst? Dafür lebe ich viel zu gerne!“

Sabine B. erhielt vor einem Jahr die Diagnose Diabetes Typ-1. Hier erzählt sie, wie sie den Alltag während der Corona-Pandemie erlebt.

von Andrea Mayer-Halm, 12.05.2020
DR Corona Protokoll

Sabine B. aus Bielefeld


Es ist noch kein Jahr her, da habe ich bei einem Routinecheck erfahren, dass ich Diabetes Typ 1 habe. Damals hat mir die Diagnose den Boden unter den Füßen weggezogen. Aber heute nehme ich den Diabetes als wichtige Erfahrung im Leben an – als Teil von mir. Mein Diabetes zeigt mir, dass ich nicht immer powern muss. Ich kann meine Energie für mich persönlich im Privaten einsetzen.

Was ich durch die Diabetes-Diagnose gelernt habe, hilft mir auch, mit der Corona-Krise umzugehen. Ich versuche, meine Situation und meine Risiken durch Covid-19 so sachlich wie möglich einzuordnen. Ich messe beispielsweise öfter meinen Blutzucker. Ich weiß, was ich esse. Ich passe gut auf mich auf und meide Kontakte. Was soll ich mehr machen? Ständig nervös sein? Dafür lebe ich viel zu gerne.

Vor einem Monat hätte ich einen Termin beim Diabetologen gehabt. Der wurde aufgrund der aktuellen Lage abgesagt. Aber bei meinem Treffen davor im November war der Arzt sehr zufrieden. Er meinte, ich hätte Baby-Einheiten! Das neue Rezept konnte ich jetzt online bestellen. Das wurde dann per Post zugeschickt. Jetzt ist alles ausreichend da und ich fühle mich gut versorgt. Wäre nicht so schön, wenn in dieser Zeit Engpässe entstehen.

Ich war mal verheiratet, aber das liegt hinter mir. Jetzt bediene ich das Klischee der ‚alleinstehenden Frau mit Katze‘. Meine Katze ist mit ihren 19 Jahren schon eine Old Lady. Und wir sind gerade ganz gerne gemütlich zuhause. Deshalb ist mir auch die Kontaktsperre nicht schwer gefallen. Dieses Gefühl der Entschleunigung gefällt mir gut. Denn ich war immer ein Mensch, der im Sauseschritt durchs Leben gerannt ist.

Meine sozialen Kontakte habe ich tagsüber bei der Arbeit. Darüber bin ich auch sehr dankbar. Ich bin kaufmännische Angestellte und sitze in einem Viererbüro. Die Schreibtische sind durch Trennwände geteilt. Das war aber schon vor Corona so, um den Geräuschpegel niedriger zu halten. Jetzt sind sie zusätzlich Virenschutz. Ich fühle mich bei der Arbeit total sicher. Das merke ich auch daran, dass ich beim Arbeiten gar nicht an Corona denke.

Ende des Jahres gehe ich nach 47 Jahren in Rente. Ich freue mich riesig darauf, wenn ich nächstes Jahr mit meinem Seniorenstudium beginnen kann: Geschichte und Politikwissenschaften. Und mir ist Reisen enorm wichtig. Mein Urlaub jetzt im Mai ist leider geplatzt. Außerdem sind es so alltägliche Dinge wie Schwimmen, Kino, Freund im Café treffen, auf die ich mich sehr freue. Aber ich denke, die Welt wird schon ein bisschen anders sein nach der Pandemie.


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