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Asthmasprays bei Corona: Wie reagiert der Blutzucker?

Asthmasprays können schwere Verläufe von Corona-Infektionen verhindern. Doch was machen die kortisonhaltigen Präparate mit dem Blutzucker? Ein Apotheker klärt im Interview darüber auf, was es für Diabetes-Patienten zu beachten gibt

von Alexandra von Knobloch, 15.04.2021

Derzeit hört man viel von Asthmasprays mit dem Wirkstoff Budesonid, weil Wissenschaftler gerade prüfen, ob sie den Verlauf einer Covid-Erkrankung mildern können. Die untersuchten Mittel enthalten Kortikoide, also kortisonähnliche Wirkstoffe. Kortison kann problematisch für den Blutzucker sein, weil es ihn steigert.

Können Menschen mit Diabetes und Asthma überhaupt Kortikoid-Medikamente nehmen?

Natürlich. Die Medikamente sind für Patienten mit Asthma sehr wichtig. Viele Asthmatiker brauchen solche Mittel, die Entzündungen unterdrücken, als Basistherapie ihrer Erkrankung.

Alle Nutzer müssen darüber aufgeklärt werden, dass sich Kortikoide auf den Blutzuckerspiegel auswirken können – und auch darüber, was das für sie konkret bedeutet. Schließlich werden auch andere Erkrankungen als Asthma mit Kortikoiden behandelt. Fast alle Kortikoid-Medikamente sind verschreibungspflichtig. Der Arzt wird die Patienten also darauf hinweisen, wie sie mit dem Medikament, auch in Bezug auf den Diabetes, umgehen sollen.

Ohne Rezept gibt es nur wenige kortikoidhaltige Präparate. Und die darf eine Apotheke nur dann abgeben, wenn die Allergie-Diagnose zuvor von einem Arzt gesichert wurde und der Patient schon Erfahrungen mit dem Mittel hat.

Wirken sich alle kortikoidhaltigen Medikamente gleichermaßen auf den Blutzuckerspiegel aus?

Nein. Entscheidend ist die Gesamtmenge an Kortikoiden, die in den Blutkreislauf gelangt. Im Gegensatz zu Kortison als Tablette oder Spritze gelangt aus den Sprays nur wenig Kortison ins Blut.

Denn die Asthma-Inhaltionssprays werden lokal angewendet, sie wirken auf die Lunge. Bei so einer lokalen Therapie ist zu erwarten, dass der der Kortisolspiegel im Blut nicht sehr ausgeprägt akut beeinflusst wird. Trotzdem können sie in manchen Fällen die Zuckerwerte erhöhen.

Der Arzt wird zum Beispiel einem insulinpflichtigen Diabetiker, der seinen Blutzuckerwert häufiger misst, darauf hinweisen, dass womöglich Schwankungen der Blutzuckerwerte auftreten und ihm erklären, wie er dann reagieren soll.

Gibt es Situationen, in denen ein Kortikoid-Präparat gegen Allergie oder Asthma den Blutzucker unmittelbar entgleisen lässt?

Theoretisch ist das denkbar, wenn ein Patient akut eine hohe Dosis eines kortikoidhaltigen Mittels benötigt. Etwa, weil er allergisch auf einen Wespenstich reagiert. Ist er zugleich Diabetiker, muss man wissen, dass der Blutzuckerspiegel dann hochschnellen kann. In so einer Situation steht man aber ohnehin im Kontakt mit einem Arzt.

Wie sollten Menschen mit Diabetes grundsätzlich mit einem kortikoidhaltigen Präparat umgehen?

Da es den Blutzucker beeinflussen kann, sollten sie solche Medikamente niemals ohne Rücksprache mit einem Arzt absetzen oder selbst die Dosis verändern.

Pirmin Burth ist Apotheker in Wangen im Allgäu. Er unterrichtet angehende Apotheker im Umgang mit Diabetes-Patienten.


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