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Corona-Pandemie: „Eine Nachricht ersetzt keine Umarmung“

Heidi (67) und Walter (69) T. aus Birstein in Hessen haben beide Typ-2-Diabetes. Hier erzählen sie, wie ihr Alltag in Zeiten von Corona aussieht

von Katja Töpfer, 02.04.2020
Diabetes Typ 2

Heidi und Walter T. aus Birstein in Hessen


Walter T.: "Ich habe drei Herzinfarkte überlebt, wurde zweimal reanimiert. Ich bin schon häufiger aufgrund eines Blutdruckabfalls kollabiert, hatte mehrere Atemstillstände. Ich habe schon so viel überstanden, da jagt mir Corona keine Angst ein. Natürlich bin ich vorsichtig, ich weiß ja, dass ich aufgrund meines Typ-2-Diabetes und der Herzprobleme zur Risikogruppe gehöre. Ich wasche mir häufig die Hände und halte Abstand zu anderen Menschen.

Wir sind froh, auf dem Land zu leben. Hier können wir stundenlang spazieren gehen, ohne jemandem zu begegnen.

Ich muss Insulin spritzen. Wenn ich Insulin, Herzmedikamente, Nadeln oder Teststreifen für mein Blutzucker-Messgerät benötige, schickt mir mein Hausarzt das Rezept zu, damit ich nicht in die Arztpraxis kommen muss. In unserer Apotheke vor Ort gab es bei meinen Medikamenten keine Lieferschwierigkeiten. Auch in Corona-Zeiten fühle ich mich daher als Diabetespatient gut versorgt.

Anfang April habe ich einen Termin beim Kardiologen. Ich habe gestern mit der Praxis telefoniert. Die Mitarbeiter meinten, wenn ich nicht erkältet bin, darf ich kommen.

Einzig, dass ich keine Freunde und Bekannte treffen kann, ist traurig. Der wöchentliche Rentnertreff in der Bäckerei – abgesagt. Ein Freund von mir ist vor ein paar Tagen gestorben. Heute ist die Beerdigung. Im engsten Familienkreis. Die Trauerfeier – abgesagt."

Die Krise wird unser Land verändern

Heidi T.: "Auch ich habe keine Angst vor Corona, obwohl ich neben meiner Diabetes-Erkrankung auch an Asthma und einem Herzklappenfehler leide. Mein Diabetes ist gut eingestellt. Der HbA1c-Wert liegt bei 6,5. Ein sehr guter Blutzuckerlangzeitwert!

Ich bin sicher, dass diese Krise unser Land verändern wird, nicht nur zum Schlechten. Durch die strengen Ausgangsbeschränkungen sind wir gezwungen, aus unserem Hamsterrad aus Terminen, Konsum und Verpflichtungen auszusteigen. Wir besinnen uns auf die Dinge, die wirklich zählen – den Zusammenhalt als Familie, die Beziehungen zu Freunden.

Wir haben ein Dach über dem Kopf, wir haben genügend zu essen, unsere medizinische Versorgung ist gut. Mein Mann und ich verlassen das Haus im Moment nur, um Lebensmittel einzukaufen oder um in der Natur spazieren zu gehen.

Ab und zu schwatzen wir über den Gartenzaun mit den Nachbarn, aber immer mit Sicherheitsabstand. Unsere Kinder und Enkelkinder sehen wir im Moment nicht. Wir telefonieren und schicken uns aufmunternde Handy-Nachrichten. Das tut gut, doch das ersetzt keine Umarmung."


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