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Corona-Zeit: „Wir reden wesentlich mehr miteinander!“

Dagmar L. (67) hat Typ-1-Diabetes und ihr Mann Eckhard L. (67) Typ-2-Diabetes. Hier erzählt Dagmar, wie das Paar den Alltag während der Corona-Pandemie erlebt

von Andrea Mayer-Halm, 09.04.2020
Diabets Typ 1 und 2

Dagmar und Eckhard L. aus Nordrhein-Westfalen


Mein Mann und ich haben Diabetes. Ich habe seit mehr als 20 Jahren Typ 1 und mein Mann hat seit kurzem Typ 2. Allerdings habe ich neben Diabetes noch einen weiteren Kriegsschauplatz. Seit Dezember weiß ich, dass ich an Lymphdrüsenkrebs erkrankt bin. Ich bin glücklicherweise dabei, gesund zu werden. Aber zusätzlich zum Diabetes ist das nicht einfach.

Unseren Diabetes behandeln wir auch jetzt wie immer. Mein Mann nimmt seine Tabletten. Wir waren gerade beim Arzt. Eckhards HbA1c-Wert ist deutlich schlechter geworden. Er hat vom Doktor eins zwischen die Hörner bekommen. Jetzt muss er dringend abnehmen!

Ich habe regelmäßig Chemotherapie. Chemo bedeutet totales Aussetzen der körpereigenen Abwehrstoffe. Damit habe ich natürlich im Corona-Zeitalter ein großes Problem. Aber die Behandlung muss ich trotzdem weiter fortsetzen. Sonst überlebe ich die Situation nicht.

Sämtliche Medikamente haben wir bislang zuverlässig bekommen. Lebensmittel kaufen Freunde für uns ein. Neulich war die Hälfte meiner Einkaufsliste aber schon vergriffen, vor allem frisches Obst und Gemüse. Dabei waren unsere Freunde in einem ganz großen Supermarkt. Obwohl ich ein ruhiger Typ bin, fange ich an, mir Sorgen um die Zukunft zu machen. Ich frage mich, wie lange das alles noch dauert? Ob es irgendwann ernste Lieferprobleme gibt, sei es mit dem Essen oder – noch schlimmer – mit den Medikamenten? Und wie lange wir das noch durchhalten?

Zweimal am Tag gehen wir mit unserem Schäferhund Ari an die frische Luft. Er braucht das einfach. Wir achten genau darauf, dass unser Spaziergang nicht zum Risiko wird. Also gehen wir zu Zeiten, in denen wir hoffen, dass wir niemandem begegnen. Wir wollen gar nicht erst in Versuchung geraten, Gespräche mit anderen zu führen.

Persönliche Treffen sind seit fünf Monaten fast auf Null. Dafür telefonieren wir extrem viel – vor allem mit unseren drei Töchtern. Immer wieder fragen sie, ob sie vorbei kommen sollen. Unsere Antwort ist dann immer: "Nein, bleibt weg!" Das Risiko ist einfach zu groß. Wir freuen uns, die Stimmen der Kinder zu hören. Dann wissen wir, dass es ihnen gut geht. Wir vermissen unsere Töchter sehr.

Aber mein Mann und ich – wir haben uns. Wir reden in letzter Zeit wesentlich mehr miteinander. Unsere größte Angst ist, dass sich einer von uns infiziert. Wir sind in so vielen Dingen aufeinander angewiesen. Ich müsste dann ins Pflegeheim. Die Vorstellung von Fremdbestimmtheit macht mir enorm zu schaffen.Dann ermutigen wir uns wieder. Keiner erlaubt dem anderen, Ängste zu groß werden zu lassen. Wenn wir unsicher sind, überlegen wir, was wir dagegen tun können. Dann halten wir uns an den Händen und sagen uns, dass wir es zusammen schaffen.

Wenn alles überstanden ist, wollen wir mit unserem Wohnmobil los. Sobald die Beschränkungen wieder aufgehoben und wir gesundheitlich fit sind, werden wir viele Dinge schneller anpacken. Dann heißt es nicht mehr: nächstes Jahr. Dann fahren wir direkt los. Ziel: die Nordsee. Dort gibt es zwei, drei Plätze, die wir besonders schön finden. Wir werden jeden Tag so leben, als wäre er der Schönste.

Aber mein Mann und ich – wir haben uns. Wir reden in letzter Zeit wesentlich mehr miteinander. Unsere größte Angst ist, dass sich einer von uns infiziert. Wir sind in so vielen Dingen aufeinander angewiesen. Ich müsste dann ins Pflegeheim. Die Vorstellung von Fremdbestimmtheit macht mir enorm zu schaffen. Dann ermutigen wir uns wieder. Keiner erlaubt dem anderen, Ängste zu groß werden zu lassen. Wenn wir unsicher sind, überlegen wir, was wir dagegen tun können. Dann halten wir uns an den Händen und sagen uns, dass wir es zusammen schaffen.

Wenn alles überstanden ist, wollen wir mit unserem Wohnmobil los. Sobald die Beschränkungen wieder aufgehoben und wir gesundheitlich fit sind, werden wir viele Dinge schneller anpacken. Dann heißt es nicht mehr: nächstes Jahr. Dann fahren wir direkt los. Ziel: die Nordsee. Dort gibt es zwei, drei Plätze, die wir besonders schön finden. Wir werden jeden Tag so leben, als wäre er der Schönste.


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