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Corona und Diabetes: „Ich habe nochmal eine Chance bekommen – und die will ich nutzen“

Im März wird bei Tino S. Diabetes Typ 2 diagnostiziert. Wenige Wochen später infiziert er sich mit dem Coronavirus. Die Infektion verläuft schwer. Tino S. muss künstlich beatmet werden. So geht es ihm heute

von Andrea Mayer-Halm, 15.09.2020
Echtfall DR Diabetes

Gesundheit geht vor: Tino S. hat nach der Infektion seine Ernährung umgestellt und seine Diabetes-Erkrankung gut im Griff


Mit Corona habe ich mich wahrscheinlich bei der Kommunalwahl in Bayern am 15. März angesteckt. Ich war als Wahlhelfer eingeteilt. Damals gab es schon einige Hygieneregeln, allerdings trug fast niemand einen Mund-Nasen-Schutz. Bei der Auszählung der Stimmen musste im Vier-Augen-Verfahren geprüft werden, ob alles korrekt abläuft. Dabei konnte ich keine 1,5 bis zwei Meter Abstand zu den anderen Helfern einhalten.

Natürlich wusste ich schon damals von Corona. Aber ehrlich gesagt, hatte ich die Krankheit noch nicht so ernst genommen. Zu Beginn war ja vor allem davon die Rede, dass sehr alte Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen besonders gefährdet sind. Bei mir war allerdings erst zwei Wochen vor der Kommunalwahl Diabetes Typ 2 festgestellt worden. Ich hatte einen Langzeitzuckerwert von 7,0 Prozent und musste fortan zweimal täglich Medikamente einnehmen. Doch mir erschien der Diabetes nicht so schwerwiegend, ich machte mir keine Sorgen.

Etwa drei Tage nach der Wahl zeigten sich erste Erkältungssymptome. Dann bekam ich Schüttelfrost, und das Fieber stieg auf über 40 Grad. Meine Partnerin, mit der ich zusammenlebe, hat mich sehr unterstützt. Als das Fieber auch nach vier Tagen nicht gesunken war, nahm meine Hausärztin einen Abstrich auf das Corona-Virus vor. Das Ergebnis war negativ.

Doch das Fieber hielt auch in den nächsten Tagen an. Meine Ärztin machte einen zweiten Corona-Test. Und der fiel positiv aus. Daraufhin ging ich in die Klinik. Alles war damals noch recht chaotisch. Niemand vom Klinikpersonal wollte Kontakt mit mir haben. Ich bekam über eine Infusion fiebersenkende Mittel verabreicht. Ab dem zweiten Tag erhielt ich außerdem Sauerstoff. Ich war mittlerweile sehr schwach und konnte dennoch nicht schlafen.

Zustand verschlechtert sich rapide

Dann kam die Atemnot. Am 1. April wurde ich auf die Intensivstation verlegt. Da meine Werte sehr schlecht waren, entschieden die Ärzte, mich ins künstliche Koma zu versetzen und zu beatmen. Es ging alles sehr schnell, und ich kam nicht mal mehr dazu, meiner Lebensgefährtin eine Nachricht zu schicken. Dann war ich neun Tage im Tiefschlaf.

Als ich wieder aufgeweckt wurde, hatten sich meine Werte soweit verbessert, dass ich von der Beatmungsstation auf die Intensivstation verlegt werden konnte. Ich habe in all der Zeit nichts mitbekommen, aber für meine Partnerin war es schlimm. Denn ihr wurde gesagt, dass mein Zustand sehr kritisch war. Die Chancen standen 50 zu 50, dass ich es überlebe.

Als ich aus dem künstlichen Koma erwacht bin, war ich völlig kraftlos. Ich konnte mich beim Essen kaum im Sitzen aufrecht halten. Ganz langsam habe ich die Muskulatur wieder aufgebaut und hatte das Gefühl, dass es täglich bergauf geht. Und so konnte ich Mitte April – am Tag vor meinem Geburtstag – entlassen werden. Das war ein ganz großes Ziel von mir. Denn meinen Geburtstag wollte ich wirklich nicht in der Klinik verbringen, sondern zuhause mit meiner Partnerin feiern.

Mein Lungenvolumen ist heute immer noch nicht so wie bei einem gesunden Menschen. Es liegt aktuell bei 60 Prozent. Aber ich hoffe, dass es in Zukunft wieder besser wird. Und was den Diabetes angeht, liegt mein Langzeitzuckerwert jetzt zwischen 5,0 bis 5,5 Prozent. Während meiner Corona-Erkrankung habe ich mehr als zehn Kilo abgenommen. Ich achte inzwischen darauf, mich gesund zu ernähren und nur ganz selten Süßigkeiten zu essen.

Diabetes-Medikamente nehme ich nur noch abends. In zwei Monaten habe ich meinen nächsten Termin bei der Diabetologin. Wenn alles nach Plan läuft, kann ich die Tabletten dann ganz absetzen. Dass sich durch die Gewichtsabnahme mein Diabetes verbessert hat, ist schön. Aber den Weg über eine Corona-Infektion kann ich nicht empfehlen. Die letzten Monate haben meine Einstellung zum Leben verändert. Ich arbeite zwar wieder in Vollzeit, aber ich mache keine Überstunden mehr. Gesundheit hat jetzt Vorrang."


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