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Corona und Ernährung: Die Krise wiegt schwer

Isabelle Fabian lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern Konstantin (10), Mathilda (4) und Julius (15) bei Dresden. Konstantin erhielt vor etwa einem Jahr die Diagnose Diabetes Typ 1. Auswirkungen der Corona-Krise bemerkt die Familie auch auf der Waage

von Isabelle Fabian, 06.11.2020

Manche nehmen vor lauter Corona-Sorgen ab. Wir leider nicht. Insgesamt elf Kilo haben wir uns als Familie während der Pandemie angefuttert. Ganze vier Pfund gehen auf Konstantins Konto. Jeder Erwachsene, der schon mal Gewicht verlieren wollte, weiß, wie schwer es fällt, überschüssige Pfunde wieder loszuwerden. Für Kinder, die sich noch im Wachstum befinden und ihren Eltern sowieso gefühlt die Haare vom Kopf fressen, ist es noch schwerer. Wenn dann noch das Diabetes-Monster ein Wörtchen mitredet, so wie bei unserem 10-Jährigen, kann man eine Gewichtsabnahme eigentlich fast abschreiben. Neben Konstantin kämpft auch mein Mann mit seinem Bäuchlein, und selbst bei mir sitzt die Lieblingsjeans etwas strammer als zuvor.

Warum haben wir während der Corona-Krise überhaupt zugenommen?

Mitte März zwang uns der Lockdown zu Homeoffice und Homeschooling – ungefähr acht Wochen lang. Nie zuvor habe ich für unsere fünfköpfige Familie so viele Lebensmittel eingekauft. Irgendwie war der Kühlschrank trotzdem jeden zweiten Tag leer. Die Ideen für leckere, gesunde Kindergerichte, die aufgrund von Zeitmangel aber bitte schön im Handumdrehen zubereitet sein sollen, gingen mir nach kurzer Zeit aus. Erwünscht waren sie sowieso nicht unbedingt. Also habe ich fürs Kids-Menü zum Mittagessen doch ab und an ins Tiefkühleregal gegriffen.

Wir haben es uns gemütlich gemacht bei Kaffee und Kuchen

Am Nachmittag sind wir in dieser Zeit öfter zu unserem Lieblingsbäcker spaziert und haben uns mit Kuchen oder Keksen eingedeckt. Konstantin würde sagen: "Gönn‘ dir!" Wir wollten es uns gemütlich machen in unseren vier Wänden, man konnte und sollte ja kaum jemanden draußen treffen. Und abends haben mein Mann und ich öfter etwas Ausgefallenes gekocht. Ich gestehe, dass wir kleine Gourmets sind. Wir haben es uns richtig schön gemacht, mit Kerze und einem Gläschen Wein. Für unsere Kinder war das die zweite warme Mahlzeit des Tages – einfach zu viel. Vorher gab es das selten bei uns. Gerade wegen Konstantin und seiner Diabetes-Typ-1-Erkrankung haben wir sonst abends eher nur ein Brot gegessen.

Kamen die Kilos nur vom Essen?

Spätestens, als die Schule wieder öffnete, haben wir dann weniger gegessen. Neben der Ernährung gab es aber ja noch andere Corona-Hürden, die sich mit der Zeit auf der Waage bemerkbar gemacht haben: Sportmangel zum Beispiel. Am Anfang sind wir noch öfter draußen gewesen, auf dem Trampolin im Garten, waren laufen oder radeln. Aber das wurde schnell langweilig für die Großen, drillen wollte ich meine Jungs nicht. Der Kinderkurs im Fitnessstudio fiel auch aus. Selbst als die Schule wieder startete, fiel der Sportunterricht aus. Kurzum: Wir haben uns angesichts dessen, wie viel wir gegessen haben, schlicht zu wenig bewegt.

Warum gingen die Kilos im Sommer nicht runter?

In den Sommermonaten waren wir dafür sehr aktiv – sind mit den SUP-Brettern über den See gepaddelt, waren schwimmen, wandern, skaten, biken, klettern. Die Waage zeigte trotzdem weiter die Extra-Kilos an. Keine Chance, sie wieder wegzubekommen. Vor allem bei Konstantin mit seinem Diabetes.

Verhindert der Diabetes, dass Konstantin wieder abnimmt?

Unser Sohn kann mit seiner Insulinpen-Therapie weniger einschreiten als mit einer Insulinpumpe, denn er spritzt sich morgens das Basalinsulin für den ganzen Tag. Mit einer Pumpe lässt sich das feiner einstellen. Damit kann man an aktiven Tagen die Basalrate heruntersetzen. Uns ging es zum Beispiel im Sommerurlaub so, dass Konstantin öfter unterzuckert war. Die ‚Hypos‘ musste er dann ausgleichen mit süßen Naschereien, also Traubenzucker, Saft, Gummibärchen. Dadurch nahm er zusätzliche Kalorien zu sich. Gewicht verliert man so natürlich nicht. Aber wenigstens kamen über den Sommer nicht noch weitere Kilos hinzu.

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Sollte ich unsere Ernährung ändern?

Ich habe vor ein paar Wochen mit Intervallfasten angefangen. An Konstantins Ernährung schraube ich dagegen kaum. Er muss wegen seines Diabetes ohnehin immer diszipliniert sein und kann nur selten über die Stränge schlagen. Wir achten darauf, dass es viel Grünzeug gibt und auch sonst gesund essen, aber ihm alles verbieten: Das tue ich nicht. Essen, vor allem zusammen, macht uns ja auch glücklich. Wenn man in diesen schwierigen Zeiten auch noch unglücklich würde, wäre keinem geholfen.

Kommen im zweiten Lockdown jetzt noch mehr Kilos hinzu?

Seit dem Sommer sind wir alle auf dem gleichen Level geblieben. Aber ich bezweifle, dass wir es vor Weihnachten schaffen werden, die angefutterten Pfunde wieder herunterzubekommen. Bei Konstantin steht demnächst bestimmt ein Wachstumsschub an, dann zieht es ihn wieder in die Länge. In dieser Zeit müssen wir es schaffen, das Gewicht zu halten, ohne es ständig zum Thema zu machen, denn eine Essstörung ist das Letzte, was wir gebrauchen können. Ich baue außerdem auf den Faktor Sport. Unser Sohn hat ein neues Hobby: BMX fahren. Das ist körperlich so anstrengend, dass sich inzwischen sein Insulinbedarf gesenkt hat.


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