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Coronakrise: „Wir entdecken Dinge, die wir nie zuvor wahrgenommen haben“

Hanna D. (18) kam mit Down-Syndrom zur Welt und hat Typ-1-Diabetes. Sie lebt zusammen mit ihrer Mutter in Sachsen. Hier erzählt Anett D. (45), wie ihr Alltag in Zeiten von Corona aussieht

von Andrea Mayer-Halm, 07.04.2020
zwei Frauen

Anett D. mit Tochter Hanna aus Sachsen


Wir leben schön abgelegen in einem Dorf bei Leipzig. Vieles bekommen wir gar nicht so mit – ein bisschen wie in einer Blase. Im Grunde hat sich für meine Tochter Hanna durch die Krise nicht viel verändert. Hanna ist eher unbedarft.

Hanna kam mit Down-Syndrom zur Welt. Seit ihrer Kindheit hat sie Typ-1-Diabetes, außerdem drei Herzfehler. Sie hat Asthma und Probleme mit der Schilddrüse. Ihr Immunsystem ist definitiv geschwächt. Als sie noch in die Schule gegangen ist, war es ganz schlimm. Sie kam gesund in die Klasse, und kaum lief ihr jemand mit Schnupfennase entgegen, musste sie wieder wochenlang krank zu Hause bleiben.

Seit drei Wochen haben wir komplette Kontaktsperre zu allen. Hanna vermisst ihre Großeltern, aber sie hält Abstand. Selbst wenn der Opa es mal wieder nicht so genau nimmt. Dann schimpft Hanna direkt mit ihm. Ich freue mich, dass Hanna das so gut begriffen hat. Ich habe ihr die Kontaktsperre genau erklärt, damit sie versteht, warum sie jetzt nicht zu Oma und Opa darf. Sonst muss sie zu ihnen nur über den Hof springen.

Hannas Papa lebt eine Viertelstunde von uns entfernt. Er und ich sind schon lange getrennt, haben aber ein gutes Verhältnis. Normalerweise ist Hanna jedes Wochenende für mehrere Stunden bei ihm. Seitdem der direkte Kontakt begrenzt ist, tauschen sich die beiden mit Hilfe von Videoanrufen aus. Oder er schickt Hanna mal ein kleines Geschenk.

Zu den Mahlzeiten spritzt sich Hanna selbst Insulin. Abends kommt dann noch das Langzeitinsulin dazu. Außerdem nimmt sie Tabletten für ihr Herz. Das Asthmaspray ist auch immer in Griffweite. Was die Medikamente anbelangt, sind wir momentan gut versorgt.

Ich finde es schön, dass wir uns für manche Dinge jetzt mehr Zeit nehmen. Es gibt draußen in der Natur so viel zu erkunden. Gestern haben wir Füchse beobachtet. Die hätten wir nie gesehen, wenn wir wie sonst mit dem Auto vorbei gefahren wären. Oft bringt mich Hanna zum Lachen. Sie ist einfach sehr lustig und hat immer einen Spruch auf den Lippen. Außerdem singt sie leidenschaftlich gerne.

Sobald die Kontaktsperren wieder aufgehoben werden, kann Hanna mit ihrem neuen Job anfangen. Einmal in der Woche wird sie auf einem Gnadenhof für Tiere mithelfen. Es ist so schön, dass die Idee, Hanna einzustellen, von den Betreibern selbst kam. Hanna bringt ja doch ihre Päckchen mit. Jetzt warten wir sehnlich darauf, dass es bald losgeht.


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