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Diabetes und Corona: Was tun mit meiner Reha?

Viel Unklarheit herrscht aktuell rund um das Thema Reha: Sollen Menschen mit Diabetes während der Corona-Pandemie eine Reha antreten? Welche Folge hat es, wenn sie zu Hause bleiben? Was passiert, wenn die Reha abgesagt wird?

von Andrea Mayer-Halm, 28.05.2020

Wie groß ist das Risiko, sich in der Reha mit Covid-19 anzustecken?

Viele Kliniken haben ganz gezielt flächendeckende Sicherheits- und Hygiene-Konzepte etabliert. Beispiel: Mühlenbergklinik, Holsteinische Schweiz. Bevor Patienten die Klinik betreten, werden sie direkt zum Corona-Schnelltest gebeten. Erst wenn ein negatives Testergebnis vorliegt, wird Eintritt gewährt. Auch im Verlauf der Reha wird einmal pro Woche durchgetestet, sowohl alle Patienten als auch das Personal. "Das schafft auch psychologisch eine gewisse Sicherheit bei unseren Patienten", erklärt der Ärztliche Direktor der Mühlenbergklinik, Dr. Friedrich Schroeder. Durch ein angepasstes Hygienekonzept können dort wieder deutlich mehr Patienten betreut werden. Zu Beginn der Pandemie waren gerade mal zehn Prozent der Betten belegt, jetzt sind es bis zu 80 Prozent.

Wie schützen Reha-Kliniken ihre Patienten vor einer Corona-Infektion?

Nach Einschätzung von Annabelle Neudam haben sich die Rehakliniken gut auf den Betrieb unter Pandemie-Bedingungen eingestellt. Die Geschäftsführerin des Online-Spezialportals qualitätskliniken.de unterzieht Rehakliniken in ganz Deutschland einer Qualitätsbewertung. Demnach sind 22 Kliniken für die Behandlung von Menschen mit Diabetes geeignet. "Die Hygienekonzepte sind gut durchdacht. Einige Kliniken haben auch in Umbaumaßnahmen investiert: etwa Pavillons im Garten, um mehr Behandlungsfläche zu haben", so Neudam. Speisesäle wurden entzerrt, zusätzliche Essensräume geschaffen und Schichtsysteme eingeführt. Ausreichend isolierte Schlafbereiche sind kein Problem. Die meisten Rehakliniken haben ohnehin Einzelzimmer.

Gibt es durch Corona lange Wartezeiten für Reha-Plätze?

Viele Rehakliniken haben ihren Betrieb in den vergangenen Monaten wieder hochgefahren. Seit Beginn der Pandemie im Frühjahr hatten sich zahlreiche Reha-Anträge angestaut. Reha-Patienten, deren Anliegen nicht so dringend waren, mussten warten. Dazu zählten in der Regel auch Menschen mit Diabetes. Die Plätze waren rar. Mittlerweile hat sich die Situation etwas entspannt, dennoch kann es zu längeren Wartezeiten kommen. In der Mühlenbergklinik sichtet Friedrich Schröder die Anmeldungen. Hier liegt die Wartezeit für Menschen mit Diabetes bei einigen Wochen.

Soll ich meine Reha wegen Corona verschieben?

Wer einen Reha-Platz bekommt, der sollte ihn wahrnehmen – so die klare Haltung vieler Hausärzte und Diabetologen. Die Reha aus Angst vor einer Coronavirus-Infektion zu verschieben, ist nicht empfehlenswert. Besonders für Diabetespatienten, die an mehreren Krankheiten leiden, psychische Krisen durchleben oder mit schlechten Blutzuckerwerten kämpfen, ist eine Rehamaßnahme wichtig und sollte nicht auf die lange Bank geschoben werden.

Welche Angebote dürfen Rehakliniken derzeit anbieten?

Die Angebote an den einzelnen Kliniken können sich stark unterscheiden, je nachdem, wie die Hygienekonzepte vor Ort aussehen. Am besten erkundigen sich Patienten vor Antritt der Reha über die konkreten Bedingungen vor Ort. In der Mühlenbergklinik Holsteinische Schweiz finden viele Angebote wie etwa Bewegungstherapie derzeit wieder statt. "Wir haben gelernt, mit der Pandemie zu leben", sagt  Klinikdirektor Schroeder. Der Betrieb gehe weiter – und das mit einer ruhigeren Hand als noch im März oder April 2020. Die Aufregung habe sich in Routine gewandelt. Das spürten auch die Patienten. Deutlich weniger sagten ihren Reha-Aufenthalt ab.

Wer doch zu viel Angst hat, kann sich über zusätzliche Kulanz freuen: Normalerweise muss eine Reha drei Monate nach Genehmigung angetreten werden. Diese Zeit hat die Deutsche Rentenversicherung wegen der Corona-Pandemie auf zwölf Monate verlängert.


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