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„Die Lockerungen machen mir Angst“

Karin D. aus Fürth hat Typ-2-Diabetes und war bereits an Krebs erkrankt. Mit den Lockerungen fühlt sich die 77-Jährige nicht wohl. Sie fürchtet sich vor einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2

von Andrea Mayer-Halm, 25.06.2020
Portrait einer Frau

Karin D. aus Fürth hat Typ-2-Diabetes


Nach einer Krebsdiagnose wurde mir vor 14 Jahren die Brust amputiert. Unmittelbar danach wurde bei einem Bluttest dann Typ-2-Diabetes festgestellt. Deshalb war auch die Narbenheilung nach dem Brustwiederaufbau deutlich schwieriger. Ich musste alle zwei Tage zum Arzt, um die Wunde versorgen zu lassen.

Meine Großmutter und meine Mutter hatten auch schon Diabetes. Noch komme ich mit den Tabletten gut hin. Und ich versuche, vernünftig zu essen und mich viel zu bewegen. Dennoch ist mein Blutzuckerspiegel immer noch nicht im grünen Bereich.

Mit Corona konnte ich erst mal gar nichts anfangen. Aber als ich mich dann näher damit beschäftigt habe, wurde mir angst und bange. Die Aussicht, im Fall einer Infektion nicht mehr richtig Luft zu bekommen, hat mich sehr verunsichert. Dazu kommt, dass mein Vater Bergmann war und durch seine geschädigte Steinstaublunge an einer Grippe gestorben ist. Da war ich gleich doppelt alarmiert.

Mein Sohn und seine Frau beruhigen mich dann immer ganz liebevoll – natürlich ohne Umarmungen oder Küsse. Das ist weiterhin tabu.  Am Anfang der Corona-Krise haben sie für mich eingekauft. Jetzt gehe ich selbst wieder los. Aber nur dorthin, wo auch auf Abstand Rücksicht genommen wird.

Mit den Lockerungsmaßnahmen geht es mir nicht so gut. Ich habe das Gefühl, vielen anderen ist jetzt alles wieder egal. Aber das Virus gibt es nach wie vor. Das sieht man schließlich an den aktuellen Ausbrüchen. Mir macht das Angst. Ältere Menschen wie ich mit Vorerkrankungen sind weiterhin sehr gefährdet.

Ich erlebe jetzt öfter Situationen, bei denen ich Menschen direkt um Abstand bitten muss. Wenn sie dann trotzdem näher kommen, drehe ich mich notfalls um und gehe weg. Dann ist mir auch egal, was die von mir denken. Neulich wurde ich tatsächlich beim Spazierengehen angehustet. Und dann haben die Passantinnen "Corona" gerufen.

Wenn ich nach Hause komme, wasche ich mir direkt Gesicht und Hände gründlich ab. Das gibt mir wenigstens etwas Sicherheit. Ich warte darauf, dass es bald einen Impfstoff gibt.


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