{{suggest}}


"Ich lege mich nicht unter die Glasglocke"

Sylvia H.-M. (57) aus Hegau in Baden-Württemberg hat Typ-2-Diabetes und Asthma. Die Lockerungen betrachtet sie mit gemischten Gefühlen. Das liegt vor allem am Verhalten mancher Menschen

von Andrea Mayer-Halm, 17.06.2020
Sylvia Halamoda-Marschner

Sylvia H.-M. (57) lebt in Hegau in Baden-Württemberg


Asthmatikerin bin ich schon, seit ich 25 bin. Bei einer Routineuntersuchung vor sechs Jahren kam heraus, dass ich außerdem Typ-2-Diabetes habe. Aufgrund der Kombination aus Asthma und Diabetes passe ich in Zeiten von Corona natürlich besonders gut auf mich auf. Aber grundsätzlich komme ich ganz gut klar.

Ich habe zum Beispiel schon vor der Maskenpflicht freiwillig Masken getragen. Das lag an meiner Husterei wegen des Asthmas. Da wurde ich von anderen Leuten manchmal komisch angeschaut.

Mit Hygienemaßnahmen kenne ich mich aus. Ich arbeite nämlich ehrenamtlich beim Roten Kreuz und bin durch meine Sanitätsdienste ziemlich gut ausgebildet. Deshalb wusste ich auch, worauf ich in Bezug auf Corona achten muss. Die Beschränkungen fand ich wirklich wichtig.

Angst vor der Pandemie hatte ich eigentlich nie. Ich habe auch immer zu meinen Freunden und Bekannten gesagt: "Lasst euch nicht verrückt machen." Angst ist das Schlimmste, denn Angst schwächt das Immunsystem.

Was mich aber wahnsinnig ärgert, ist die Uneinsichtigkeit einiger Menschen, die brüllen: "Wir brauchen keine Masken, wir wollen unsere Freiheit!" – Für mich ist das ein Unding, weil sie mich und auch andere durch ihr Verhalten gefährden und anstecken können.

Insgesamt habe ich das Gefühl, dass seit den Lockerungen die Abstandsregelungen nicht mehr eingehalten werden. Das merke ich zum Beispiel beim Einkaufen. Aber wenn mir jemand zu nahekommt, dann sage ich auch direkt: "Abstand." Viele scheinen zu denken, durch die Lockerungen hätten sie eine Freikarte für alles. Aber das funktioniert nicht. Und es macht mich echt wütend.

Deshalb wundert es mich auch nicht, dass manche Menschen noch immer Angst haben und gar keine Lockerungen wollen. Aber ich mache mich nicht verrückt und nehme auch alle meine Arzttermine wahr. Bei den Ärzten wird Hygiene ja noch größer geschrieben als sonst. Also ich lege mich nicht unter die Glasglocke.

Besonders glücklich war ich über meinen Friseurtermin letzte Woche. Seit Januar hatte ich keinen Haarschnitt mehr bekommen. Ich sah zwischenzeitlich aus wie ein Pudel! Aber jetzt sitzt die Frisur wieder.


Nachrichten zum Thema Diabetes

Handy

Aktuelle Nachrichten zum Thema Diabetes