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Kraft schöpfen in der Corona-Krise

Ein paar Tipps erleichtern Menschen mit Diabetes den Alltag in Zeiten von Corona

von Tanja Eckes, aktualisiert am 18.08.2020

Gelassen und optimistisch bleiben in Zeiten von Corona: nicht ganz einfach. Ganz besonders dann nicht, wenn man sich auch noch um eine Erkrankung wie Diabetes Sorgen macht. Vieles haben Sie zum Glück selbst in der Hand: Gesunde Ernährung, regelmäßige Mahlzeiten, bestmögliche medikamentöse Einstellung auch von Begleit- und Folgeerkrankungen, ein guter Blutzuckerwert und tägliche Bewegungseinheiten – mit diesen Maßnahmen können Sie dem Virus bereits viel entgegensetzen.

Was Ihnen außerdem dabei hilft, Zuversicht zu bewahren und diese herausfordernden Zeiten hoffnungsvoll zu meistern – hier ein paar Fakten, Strategien und Übungen:

Sich gezielt und dosiert informieren

"Wissen schützt am besten", sagt Dr. med. Tobias Freyer, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und ärztlicher Direktor der Oberberg Kliniken in Wiesbaden-Schlangenbad. Es hilft nämlich, einen kühlen Kopf zu bewahren, nicht in Panik zu verfallen. "Entnehmen Sie Informationen aber immer seriösen Quellen, glauben Sie nicht alles." Nur dann ist eine realistische Einschätzung möglich. Gute Informationen zur Pandemie gibt es etwa hier:

Aber Vorsicht: Sich ständig mit dem Thema auseinanderzusetzen, kann auch belastend sein. Am besten setzen Sie sich etwa einen einstündigen Zeitrahmen, in dem Sie bestimmte Nachrichtensendungen oder Websites (zum Beispiel die der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder des Robert Koch-Instituts) anschauen. Danach beschäftigen Sie sich bewusst mit anderen Dingen.

Einfach mal tagträumen

Während man vom Lehrer früher gerügt wurde, wenn sich die Gedanken selbstständig machten, kann Tagträumen in Krisenzeiten eine hilfreiche Taktik sein. Entweder in den Himmel schauen oder die Augen schließen und sich möglichst bildlich eine schöne Situation in der Zukunft vorstellen – nach Corona. Wie Sie Ihre Enkel in die Arme schließen, mit der Familie eine Gartenparty veranstalten oder mit Freunden einen Kurztrip in eine spannende Metropole machen. Am besten sammeln dafür Sie schon Rezepte oder blättern in einem Buch mit schönen Bildern...

Willkommen im Home-Fitness-Studio

Mit Bewegung gegen Stress, Angst und trübe Gedanken – das funktioniert auch zu Hause. Und senkt den Blutzuckerspiegel wirksam! Sie könnten doch gleich zehn Mal die Treppen im Haus auf und ab gehen oder hüpfen, zum Frühstücksfernsehen Kniebeugen, Liegestütz und Hampelmann machen oder die Yogamatte ausrollen. Youtube bietet Einsteigervideos in allen möglichen Disziplinen an, ob Pilates, Zumba oder Karate. Fitness-Apps können ebenfalls weiterhelfen.

Im Austausch bleiben

Trauen Sie sich, mit vertrauten Menschen oder anderen von Diabetes Betroffenen (Ansprechpartner zum Beispiel bei: www.diabetes-selbsthilfe.com) über Ihre Ängste zu sprechen, verbergen Sie Sorgen nicht. Denn allein das Aussprechen von Befürchtungen kann schon emotionale Anspannung lindern.

Ob klassisches Telefonat oder Videotelefonie via Skype, FaceTime & Co: Kommunikation sorgt auch in Quarantäne-Phasen für ein Gefühl von Verbundenheit. Nimmt die Furcht überhand, könnte eine Telefon- oder Videosprechstunde bei einem Psychotherapeuten in Frage kommen. Kontaktdaten erhalten Sie etwa beim Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen unter: www.psychotherapiesuche.de.

Dankbarkeitstagebuch anlegen

Wofür sind Sie jeden Tag dankbar? Für Ihre Familie, den Zusammenhalt in der Nachbarschaft, das deutsche Gesundheitssystem, den blauen Himmel? Schreiben Sie solche Alltagsperlen jeden Tag in ein schönes Notizbuch, das lenkt die Aufmerksamkeit automatisch immer wieder auf Angenehmes und Lebenswertes.

Ein Lied, zwo, drei vier!

Dass Musik heilsame Kräfte entfalten kann: Dazu gibt es unzählige Untersuchungen. Zum Beispiel die: In einer Studie der Universität Belgrad sank bei herzkranken Testpersonen der Blutdruck und stabilisierte sich der Herzrhythmus, sobald klassische Musik erklang. Falls Sie Pop, Rock, Jazz oder Schlager bevorzugen: Höchste Zeit, die Playlist zu aktualisieren. Oder seit Ewigkeiten nicht mehr gehörte CDs zu entstauben.

Äußere und innere Ordnung schaffen

Bis Mittag im Pyjama durch die Wohnung schlurfen, die gewohnten Mahlzeiten sausen lassen: Da ist der Hüttenkoller nicht weit. Gerade Menschen mit Diabetes sollten weiterhin auf feste Lebensgewohnheiten achten, um körperlich und psychisch fit zu bleiben. Aber was tun, wenn Rituale wie Mahlzeiten, Medikation und Körperpflege abgehakt sind und die Tage im Zwangsurlaub immer noch unglaublich viele Stunden haben? Suchen Sie sich täglich ein Projekt, etwa den Schuhschrank ausmisten, den Kühlschrank putzen oder die Küchenschublade sortieren. Keine Zeit ist jetzt eben keine Ausrede mehr! Und nach dem "Magic Cleaning"-Prinzip der Entrümpelungsmeisterin Marie Kondo räumen wir so nicht nur unsere Wohnung auf, sondern klären auch unseren überforderten Geist.

Heute schon gestaunt?

Seit einigen Jahren beschäftigen sich US-Psychologen verstärkt mit einer ganz besonderen Kraft, die in uns steckt: mit der Kraft des Staunens. Wer über das Leben staunt, fühlt sich erwiesenermaßen eher im Einklang mit anderen Menschen und der Natur, bringt mehr Geduld auf und weist nebenbei niedrigere Entzündungswerte und ein stärkeres Immunsystem auf.

Wie man diese Empfindung in den eigenen vier Wänden, ohne Hubschrauberflug über den Grand Canyon erzeugen kann? Vielleicht, indem man einen Vogel beim filigranen Nestbau beobachtet. "Preisgekrönte Naturfotografien" in die Suchmaschine eingibt. Oder Bücher über erstaunliche Erfindungen und Entdeckungen der Menschheitsgeschichte liest.

Zeit für Carpe Diem

"Nutze den Tag": Wann würde das mehr als 2000 Jahre alte Motto des römischen Dichters Horaz besser passen als jetzt? Sich nicht in Katastrophenszenarien ergehen, die wahrscheinlich niemals eintreten werden, sondern die Wahrnehmung im Hier und Jetzt verankern. Das gelingt zum Beispiel mit einfachen Achtsamkeitsübungen, die die Sinne schärfen. Sie könnten etwa einen achtsamen Spaziergang machen, bei dem Sie bewusst Vogelgezwitscher, Blätterrauschen, das Knirschen von Kieselsteinen unter Ihren Sohlen etc. registrieren. Oder Sie essen achtsam eine Traube: Wie riecht sie, wie fühlt sie sich an, welche Konsistenz hat sie auf Ihrer Zunge, welcher Geschmack herrscht vor? Hier finden Sie Apps, die gut zu Ihnen passen:

Selten so gelacht!

Der eine kann sich bei Haudrauf-Witzen à la Bud Spencer kaum halten, der nächste hat eine Schwäche für feinsinniges Kabarett oder US-Sitcoms. Planen Sie ganz nach persönlichem Geschmack jeden Tag eine Lach-Einheit ein und füttern Sie Ihr Gehirn mit lustigen Inhalten. Gerade in der momentan unsicheren und bedrückenden Atmosphäre kann Humor therapeutische Kräfte entfalten und erwiesenermaßen auch die Immunkräfte stärken.

Höhere Mächte um Hilfe bitten

Es ist egal, ob Sie beten, Ihr schamanisches Krafttier aktivieren oder einen Brief ans Universum schreiben: Die Beschäftigung mit einer übergeordneten Macht vermittelt Trost und Sicherheit, wie unter anderem der US-Psychiater Harold Koenig, Leiter des Center for the Study of Religion, Spirituality and Health in North Carolina belegen konnte. In einer groß angelegten Metastudie stellte er fest: Spirituelle Menschen bewältigen Traumata, Ängste und Depressionen in der Regel besser.

Endlich Zeit fürs Hobby

Gut, falls Drachenfliegen oder Eisstockschießen zu Ihren Lieblingsbeschäftigungen zählen, müssen Sie sich noch ein bisschen in Geduld üben. Aber vielleicht fällt Ihnen ja auch ein neues oder ein lange vernachlässigtes Hobby ein, das Sie unkompliziert in den eigenen vier Wänden, auf dem Balkon oder im Garten praktizieren könnten? Von A wie Aquarellmalerei bis Z wie Zichorienkaffee selbst herstellen sind die Möglichkeiten der Freizeitbeschäftigung nahezu unbegrenzt!


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