{{suggest}}


Lehrerin mit Typ-1-Diabetes: "Ich unterrichte wieder alles, bis auf Sport und Musik"

Beate K. (29) hat Typ-1-Diabetes und unterrichtet als Sonderschullehrkraft in Nordfriesland Schulanfänger. Enger Kontakt zu den Kindern ist in ihrem Job unvermeidbar

von Isabelle Fabian, 03.09.2020
Frau in gelbem Regenmantel

Seit 2018 arbeitet Beate K. (29) als Lehrerin, seit 1994 hat sie Typ-1-Diabetes. Ihre Schützlinge und auch ihre Kollegen wissen um ihren Diabetes. Ihre Diagnose verlief dramatisch – und viel zu spät: Als Kleinkind erkrankte sie schwer. Weil der Kinderarzt fälschlicherweise zunächst einen Magen-Darm-Infekt statt Diabetes-Typ-1 diagnostizierte, kam sie erst kurz vor dem diabetischen Koma in die Klinik. Der Gefahr ins Auge blicken wegen Corona: Das möchte Beate K. um jeden Preis vermeiden.

Wie haben Sie den Lockdown erlebt?

Ich hatte mir eine Woche vorher, als die Pandemie nach Deutschland schwappte, schon Gedanken gemacht, wie es weitergehen soll, ob ich etwa mit einer FFP2-Maske weiter unterrichten kann. Dann kam der Lockdown, und wir waren plötzlich alle im Homeoffice. Schleswig-Holstein ist den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts gefolgt, das Menschen mit Diabetes als Risikogruppe einstuft. Ich hätte also ohnehin nicht in die Schule kommen können.

Blieb das auch so, als die Maßnahmen wieder gelockert wurden?

Für mich schon. Aber selbst wenn ich zurück in die Schule gedurft hätte: Ich befand mich in einem Zwiespalt, denn die Deutsche Diabetes Gesellschaft hatte ja zuvor geschrieben, dass Menschen mit Diabetes nicht zwingend zur Risikogruppe zählen. Bis zum Schuljahresende war ich also im Homeoffice, habe Konzepte erarbeitet. Meine Schüler und ihre Familien habe ich aber besucht, ihnen Material vorbeigebracht und mit ihnen auf 1,5 bis 3 Meter über den Gartenzaun quasi Kontakt gehalten. Und ich habe sehr viel mit den Eltern telefoniert.

Das Schuljahr ist in Schleswig-Holstein vor ein paar Wochen gestartet. Mit Ihnen?

Ich unterrichte wieder alles, bis auf Sport und Musik. Beides darf noch nicht angeboten werden. Den fehlenden Sport versuche ich durch viel Bewegung draußen mit meiner Gruppe wettzumachen. Die Kinder brauchen das auch.

Läuft der Unterricht wie vor der Pandemie? 

Nein. Ich bin nur in meinem Klassenverband, der ist mit gerade mal acht Kindern sehr klein. Zu Lehrerkollegen oder anderen Kindern habe ich kaum Kontakt. Das verunsichert mich manchmal. Mit meinen Schulkindern übe ich Abstand zu halten, wenn wir draußen sind oder wenn uns andere im Flur begegnen. Alles, was nicht desinfiziert werden kann, findet nicht statt. Angebote wie Kneten gibt es nicht.

Vermeiden Sie körperlichen Kontakt zu den Kindern?

Das geht in meinen Job nicht. Ich arbeite ja in einem Förderzentrum, da ist mehr körperliche Nähe nötig als an anderen Schulen. Wenn ich nicht gerade esse, habe ich eigentlich immer eine Maske auf. Eine Durchsichtige, damit die Kleinen meine Mimik sehen können.

Wie schätzen Sie Ihr persönliches Risiko ein?

Ich sehe mich als erweiterte Risikogruppe. Wenn ich schwer erkranke, gibt es ja immer ein paar Stolpersteine. Einer muss etwa das Diabetes-Management übernehmen. Wenn ich mich nicht mehr um mich kümmern kann, wer macht das dann? Das ist eine Sorge, die mich begleitet.


Nachrichten zum Thema Diabetes

Handy

Aktuelle Nachrichten zum Thema Diabetes