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Mit Diabetes allein zu Hause

Es gibt jede Menge Möglichkeiten, um sich gerade als allein lebender Mensch mit Diabetes mehr Sicherheit und Stabilität zu verschaffen

von Andrea Mayer-Halm, aktualisiert am 25.09.2020

Die Verunsicherung durch SARS-CoV-2 ist nach wie vor groß. Und wer allein lebt, der ist häufig auch allein mit seinen Ängsten. Was tun, wenn der Zucker aus den Fugen gerät? Wer hilft jetzt, sollte ich krank werden oder ein Notfall eintreten? Hier finden Sie Antworten auf wichtige Fragen.

Welche Unterlagen soll ich für den Notfall griffbereit haben?

Dr. Jens Kröger vom Zentrum für Diabetologie in Hamburg empfiehlt, wichtige Dinge zu Papier zu bringen. Dazu zählen Telefonnummern vom Hausarzt, dem Diabetologen oder dem Gesundheitsamt. Außerdem gut: eine Liste privater Ansprechpartner (Freunde, Familienmitglieder). Ganz wichtig ist es, eine Liste bereitzuhalten mit sämtlichen Medikamenten und der entsprechenden Dosis, in der sie eingenommen werden sollen.

Einen solchen Medikationsplan erhalten Menschen, die mindesten drei verschreibungspflichtige Arzneimittel einnehmen, ohnehin vom Arzt. Dieses Papier mit allen Notizen sollte gut sichtbar platziert werden, damit im Notfall das Team sofort einen Überblick bekommt. Immer in Griffweite: die Versichertenkarte der Krankenkasse. Dasselbe gilt für den Gesundheitspass Diabetes oder ein Blutzucker-Tagebuch.

Griffbereit halten für den Notfall:

Liste mit folgenden Telefonnummern:

  • Hausarzt
  • Diabetologe
  • Gesundheitsamt
  • private Ansprechpartner
Zusätzlich wichtig:
  • Liste aller Medikamente inklusive Dosierung
  • Krankenkassenkarte
  • evtl. Gesundheitspass Diabetes und Blutzucker-Tagebuch

Angst vor einer Unterzuckerung: Was tun Alleinlebende?

Wer alleine lebt und Sorge vor akuter Unterzuckerung hat, dem rät Dr. Kröger, bei dem Verdacht in einen Unterzucker zu rutschen: "Essen vor messen." Zwei bis vier Stückchen Traubenzucker schaffen Stabilität. Dann kann man in Ruhe messen, um zu wissen, wo man steht. Die meisten Menschen erkennen eine Unterzuckerung, so der Diabetologe. Wer sich dabei aber schwertut, weil er etwa eine Unterzuckerwahrnehmungsstörung hat, der sollte gerade jetzt häufiger seinen Blutzucker messen.

Noch mehr Sicherheit schaffen Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung. Dabei misst ein kleiner Sensor ständig den Zuckergehalt im Unterhautfettgewebe. Werden individuell festgelegte untere und obere Grenzwerte überschritten, warnt das System über ein spezielles Empfangsgerät oder eine Smartphone-App. Einige Systeme warnen auch schon früher. Etwa wenn aufgrund des raschen Zuckerabfalls bald ein Unterzucker droht. Durch die rechtzeitige Warnung bleibt Zeit, selbst aktiv zu werden. Und: Bei einigen Systemen können Kontaktpersonen hinzugefügt werden, die ebenfalls übers Smartphone den Alarm bekommen.

Dann kann die Kontaktperson entweder anrufen oder direkt vorbeikommen – ein wichtiger Rettungsschirm für Tag und Nacht. Menschen mit intensivierter Insulintherapie oder Insulinpumpentherapie können solche Messsysteme als Kassenleistung beantragen.

"In der heutigen Situation haben wir sehr gute Unterstützung durch technische Hilfsmittel", unterstreicht Dr. Jens Kröger. Gerade in Corona-Zeiten, wenn man allein ist, sei das ausschlaggebend für die persönliche Sicherheit. Die schafft auch der "Hausnotrufknopf". Den trägt man am Handgelenk oder um den Hals. Im Notfall wird durch Knopfdruck eine Notrufzentrale informiert. Die kümmert sich dann direkt um Hilfe. Solche Knöpfe gibt es auch für unterwegs, als Begleiter beim Spaziergang allein.

Ich lebe allein: Wer hilft mir jetzt?

Neben medizinischen Vorsorgemaßnahmen sind persönliche Kontakte dringend nötig. Wer keine Angehörigen hat, die etwa mal Besorgungen erledigen können, kann sich bei den Kirchen-Gemeinden in seiner Nähe schlau machen. Viele bieten derzeit ein Hilfsnetzwerk an. Nachbarschaftshilfen und Wohlfahrtsverbände bieten telefonisch oder auf ihren Websites Unterstützung für Einkäufe, Besuche, Spaziergänge, Tier-Sitting an. Entscheidend ist, dass man gerade jetzt seine Bedürfnisse ausspricht. "Wer viel allein ist, der sollte in dieser Zeit unbedingt auf sich aufmerksam machen und Kontakte suchen, die Kraft geben", sagt Prof. Dr. Bernhard Kulzer, Psychotherapeut im Diabetes Zentrum Mergentheim.

Immer ein Ansprechpartner bei seelischen und körperlichen Unsicherheiten: der Hausarzt und diabetologische Schwerpunktpraxen. Professionelle Einordnung zum Zucker, zur Medikation oder zur SARS-CoV-2-Pandemie ist entlastend und schafft Absicherung. Damit Direktkontakte vermieden werden, bieten viele Praxen mittlerweile neben Telefonaten auch Videosprechstunden an. Der telefonische Kontakt zu Ärzten muss nach Einschätzung von Dr. Kröger intensiviert werden: "Gerade allein lebende Menschen sollten sich auf keinen Fall zurücknehmen!"

Gleiches gilt für psychotherapeutische Gespräche. Viele Therapeuten bieten diese ebenfalls per Telefon und Videosprechstunde an. "Wer das Gefühl hat, ihm wird alles zu viel und er rutscht in düstere Gedanken oder ein Angstkarussell hinein, kann durchaus auch mal ein Erstgespräch in Anspruch nehmen", sagt Psychologe Bernhard Kulzer. Vermittlungshilfe erhält man über den Hausarzt oder die Krankenkasse. Und man kann natürlich auch direkt Kontakt mit einem Psychotherapeuten aufnehmen.

 

Beratende Experten

Dr. Jens Kröger

Dr. Jens Kröger ist Facharzt für Innere Medizin und Diabetologie am Zentrum für Diabetologie in Hamburg-Bergedorf

Dr Bernhard Kulzer

Prof. Dr. Bernhard Kulzer ist Fachpsychologe Diabetes (DDG), Psychodiabetologe und leitet die psychosoziale Abteilung am Diabetes Zentrum Mergentheim


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