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Pädagogische Unterrichtshilfe mit Typ 2: „Ich muss derzeit keinen Präsenzunterricht halten“

Silke H. hat Typ-2-Diabetes und arbeitet in einer Schule für Kinder mit Förderschwerpunkt geistige Behinderung in Berlin. Dort hat das neue Schuljahr Anfang August wieder begonnen – allerdings ohne die 55-Jährige

von Isabelle Fabian, 07.09.2020
Frau vor Bücherregal

Silke H. (55) hat Typ-2-Diabetes. Seit 2012 arbeitet sie als pädagogische Unterrichtshilfe in Berlin-Neukölln, in einer Schule für Kinder mit Förderschwerpunkt geistige Behinderung. Die Kinder lernen bei ihr meist lebenspraktische Dinge wie kochen, einkaufen, einige auch lesen oder schreiben. Mit dem Lockdown fand kein Unterricht mehr statt. Das neue Schuljahr begann in Berlin Anfang August wieder – allerdings ohne die 55-Jährige. Sie zählt mit mehreren gesundheitlichen Problemen zur Risikogruppe und hat vom Arzt ein Attest erhalten.

Warum hat Ihr Arzt Ihnen ein Attest ausgestellt?

Ich hatte vor anderthalb Jahren einen Schlaganfall. Außerdem habe ich Arthritis und Arteriosklerose, weswegen ich Immunsuppressiva einnehmen muss, also Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken. Ich leide an Bluthochdruck, gegen den ich Medikamente erhalten. Mein Blutzuckerlangzeitwert ist zu hoch – damit bin ich nicht zufrieden, und das erhöht ja ohnehin schon das Risiko für andere Krankheiten. Corona brauche ich nicht auch noch.

Was beinhaltet das Attest Ihres Arztes? Eine Krankschreibung ist es ja nicht ...

Es ist eine Bestätigung, dass ich an chronischen Grunderkrankungen leide und somit ein erhöhtes Risiko besteht, einen schweren bzw. tödlichen Verlauf von Covid-19 zu haben. Ich habe das Attest schon seit Juni, als die Notbetreuung in Berlin wieder startete. Ich muss also derzeit keinen Präsenzunterricht halten. Ich würde aber gern wieder mit den Kindern arbeiten, wenn auch mit Einschränkungen. Ich liebe meinen Job.

Welche Einschränkungen wären das?

Unsere Kinder haben einen großen Pflegeaufwand, das würde ich momentan nicht gerne übernehmen. Außerdem sind einige gerade aus den Ferien zurückgekehrt, teilweise auch aus Risikogebieten. Tests vorzulegen, damit tun sich die Eltern schwer. Man muss dazu sagen, dass die Kinder, die ich betreue, teilweise aggressiv sind, spucken oder kratzen. Wir haben zwar in unserer Einrichtung sehr sicheren Mund-Nasen-Schutz, Visiere, Einmalschürzen und Handschuhe. Aber ich muss mich ja nicht den Viren zum Fraß vorwerfen.

Wie könnten Sie sich denn Ihre Arbeit in den nächsten Monaten vorstellen?

Mein Plan ist, den Schulsozialarbeiter an zwei Tagen pro Woche zu unterstützen. Außerdem gibt es in meiner Klasse ein schwerstmehrfachbehindertes Kind, dem ich gern Hausunterricht geben würde. Das wäre dann vor allem für die Mutter eine Entlastung. Und ein langsamer Einstieg wäre mir lieb. Sollten die Zahlen aber weiter steigen und die Einschläge in meinem Umfeld näherkommen, würde ich mich wieder zurückziehen und mir gegebenenfalls eine Krankschreibung holen.

Haben Sie sich denn während des Lockdowns auch sozial zurückgezogen?

In jedem Fall. Ich war sehr viel zu Hause, hatte nur wenige Kontakte. Die Einkäufe hat allesamt mein Mann übernommen. Ich vermied und vermeide Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich möchte es nicht darauf anlegen, mich anzustecken.

Gibt es denn regelmäßige Tests fürs Lehrerkollegium?

Ja, seit Schuljahresbeginn. Über die Schulleitung kann man sich dafür anmelden. Das finde ich klasse. Schön wäre aber auch, wenn die Eltern unserer Schützlinge uns, wenn sie aus einem Risikogebiet zurückkehren, unaufgefordert einen negativen Test vorlegen würden.


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