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Was bedeutet das Coronavirus für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes?

Gehören Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes zur Risikogruppe? Gibt es wieder Routinetermine beim Arzt? Kinderdiabetologe Prof. Dr. Thomas Danne beantwortet Fragen, die Eltern jetzt beschäftigen

von Dr. Caroline Mayer, aktualisiert am 20.08.2020

Herr Professor Danne, wie stark sind Kinder und Jugendliche mit Diabetes Typ 1 vom Coronavirus betroffen? Kennen Sie Fälle von schweren Verläufen?

Nein. Veröffentlicht ist bislang nur ein Fall aus China: Dort erkrankte ein 23-jähriger Patient mit sehr schlecht eingestelltem Diabetes an Corona und musste beatmet werden, hat das aber gut überstanden. Wobei ich aufgrund der Fallbeschreibung vermute, dass er an Typ 2 erkrankt ist, und irrtümlich als Typ 1 eingestuft wurde. Aus Deutschland ist uns bislang kein einziger Fall bekannt. Allerdings gehen einige Eltern aus Sorge vor einer Ansteckung später zum Arzt. Das bedeutet, dass die Diagnose Diabetes später gestellt wird und die Kinder zum Zeitpunkt ihrer Diagnose kränker sind. Deshalb rate ich dazu, im Zweifel sofort zum Arzt zu gehen.

Kinder und Jugendliche mit Diabetes Typ 1 sind also keine besondere Risikogruppe?

Menschen mit Diabetes werden in den Medien zwar oft als Risikogruppe genannt. Das bezieht sich aber auf Ältere mit Folgeerkrankungen. Bisher haben wir keinerlei Hinweise dafür, dass Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes ein erhöhtes Risiko haben. Wichtig ist, dass der Stoffwechsel gut eingestellt ist. Natürlich kann es auch bei jungen Menschen schwere Verläufe geben. Aber der Fall des Patienten aus China macht optimistisch, dass es selbst bei einem völlig entgleisten Diabetes nicht zu einem fatalen Verlauf kommen muss.

Hat eine Infektion mit dem Coronavirus besondere Auswirkungen auf die Diabeteserkrankung?

Wenn es infolge der Infektion zu Symptomen wie Fieber kommt, ist wie bei anderen Viruserkrankungen zu erwarten, dass der Insulinbedarf steigt. Dann ist es wichtig, den Blutzucker engmaschig zu messen, bzw. die Werte des Glukosesensors zu kontrollieren, und die Insulindosis entsprechend anzupassen. Im Zweifel sollte das Diabetesteam rechtzeitig kontaktiert werden.

Bekommt man jetzt überhaupt Routinetermine beim Arzt? Oder gibt es Hilfe nur im Notfall?

Im Rahmen der Lockerungen ist es wieder möglich, dass die Kinder und ihre Eltern zu uns in die Klinik kommen können – unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregelungen. Wir hatten zuletzt mehrere telemedizinische Angebote, die sehr gut angenommen wurden und die wir auch weiterhin anbieten wollen. Für manche Untersuchungen ist es allerdings wichtig, dass man sich persönlich trifft. Deshalb setzen wir momentan auf eine Kombination aus Telemedizin und Präsenzterminen.

Professor Dr. med. Thomas Danne

Wie funktionieren telemedizinische Sprechstunden?

Wir haben für unsere Patienten einen Handzettel geschrieben, wie sie sich auf eine Telefonsprechstunde vorbereiten können. Dazu gehört zum Beispiel, dass Eltern ihre Kinder zuhause wiegen und dass sie sich ihre wichtigen Fragen aufschreiben. Die Daten senden sie uns dann per E-Mail oder über eine Cloud. Und wir schicken ihnen im Anschluss an die Telefonsprechstunde die Pläne zu. Derzeit klären wir, wie wir Videosprechstunden datensicher machen können.

Kommen die Familien damit gut zurecht?

Zweifellos ist das für sie eine große Herausforderung. Aber eine Krise ist immer auch eine Chance. Wenn sich die Familien jetzt mehr als bisher selbst mit den Stoffwechselergebnissen auseinandersetzen, kann das in Zukunft auch eine Verbesserung für den Umgang mit der Erkrankung bringen.

Was können Kinder und Jugendliche tun, um in Bewegung zu bleiben? Zum Beispiel, wenn Sportkurse ausfallen oder man kein unnötiges Risiko eingehen will?

Eltern sollten unbedingt darauf achten, dass die Kinder sportlich aktiv bleiben. Körperliche Bewegung erhöht die Insulinempfindlichkeit und wir wissen, dass eine höhere Insulinempfindlichkeit die Diabetesbehandlung grundsätzlich besser macht. Wer bislang einmal in der Woche eine Stunde zum HipHop-Tanzen gegangen ist, kann das jetzt im Wohnzimmer machen. Auch für Fußballer gibt es Übungen für zuhause, um fit zu bleiben. Das gilt für Profisportler wie für Privatleute. Die räumliche Einschränkung heißt nicht, dass man sich nicht körperlich bewegen kann. Im Moment geben Sportler im Internet viele Ratschläge. Da muss man sich nur einmal umsehen.

Was ist außer Sport noch wichtig?

Für Kinder mit Diabetes ist wichtig, dass sie die gewohnte Tagesstruktur einhalten. Ich rate Eltern auch, ihr Kind in dieser Ausnahmesituation noch mehr durch Lob positiv zu verstärken und von Strafen möglichst absehen.

In einigen Bundesländern hat die Schule bereits begonnen, die anderen folgen in den nächsten Wochen: Gibt es bestimmte Vorkehrungen, die Kinder und Jugendliche mit Diabetes jetzt treffen müssen?

Nein. Für Kinder mit Diabetes gelten die gleichen Regeln wie für alle anderen. Viele Eltern sind zwar beunruhigt, aber diese Sorgen sind unbegründet.


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