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Was bedeutet das Coronavirus für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes?

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie sind Eltern verunsichert: Gehören Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes zur Risikogruppe? Bieten Ärzte noch allgemeine Sprechstunden an? Wie wirken sich Ausgangsbeschränkungen auf die Gesundheit aus? Kinderdiabetologe Prof. Dr. Thomas Danne erklärt, was Betroffene und Eltern jetzt tun können

von Dr. Caroline Mayer, 25.03.2020

Herr Professor Danne, wie stark sind Kinder und Jugendliche mit Diabetes Typ 1 vom Coronavirus betroffen? Kennen Sie Fälle von schweren Verläufen?

Nein. Veröffentlicht ist bislang nur ein Fall aus China: Dort erkrankte ein 23-jähriger Patient mit sehr schlecht eingestelltem Diabetes an Corona und musste beatmet werden, hat das aber gut überstanden. Wobei ich aufgrund der Fallbeschreibung vermute, dass er an Typ 2 erkrankt ist, und irrtümlich als Typ 1 eingestuft wurde. Aus Deutschland ist uns bislang kein einziger Fall bekannt.

Kinder und Jugendliche mit Diabetes Typ 1 sind also keine besondere Risikogruppe?

Menschen mit Diabetes werden in den Medien zwar oft als Risikogruppe genannt. Das bezieht sich aber auf Ältere mit Folgeerkrankungen. Bisher haben wir keinerlei Hinweise dafür, dass Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes ein erhöhtes Risiko haben. Wichtig ist, dass der Stoffwechsel gut eingestellt ist. Natürlich kann es auch bei jungen Menschen schwere Verläufe geben. Aber der Fall des Patienten aus China macht optimistisch, dass es selbst bei einem völlig entgleisten Diabetes nicht zu einem fatalen Verlauf kommen muss.

Hat eine Infektion mit dem Coronavirus besondere Auswirkungen auf die Diabeteserkrankung?

Wenn es infolge der Infektion zu Symptomen wie Fieber kommt, ist wie bei anderen Viruserkrankungen zu erwarten, dass der Insulinbedarf steigt. Betroffene müssen dann engmaschig ihren Blutzucker messen, bzw. die Werte ihres Glukosesensors kontrollieren, und die Insulindosis entsprechend anpassen. Im Zweifel sollte das Diabetesteam rechtzeitig kontaktiert werden.

Bekommen Betroffene jetzt überhaupt noch Routinetermine beim Arzt? Oder gibt es Hilfe nur im Notfall?

Tatsächlich stellen Praxen und Ambulanzen gerade ihre Abläufe um. Alle nicht zwingend notwendigen Termine werden ausbestellt, dafür gibt es mehr telemedizinische Angebote. In unserem Haus bieten wir die Diabetes-Sprechstunde jetzt komplett als telemedizinische Sprechstunde an.

Professor Dr. med. Thomas Danne

Wie funktioniert das?

Wir haben für unsere Patienten einen Handzettel geschrieben, wie sie sich auf eine Telefonsprechstunde vorbereiten können. Dazu gehört zum Beispiel, dass Eltern ihre Kinder zuhause wiegen und dass sie sich ihre wichtigen Fragen aufschreiben. Die Daten senden sie uns dann per E-Mail oder über eine Cloud. Und wir schicken ihnen im Anschluss an die Telefonsprechstunde die Pläne zu. Derzeit klären wir, wie wir Videosprechstunden datensicher machen können.

Kommen Eltern und Patienten damit gut zurecht?

Zweifellos ist das für Patienten und Betreuer eine große Herausforderung. Aber eine Krise ist immer auch eine Chance. Wenn sich die Betroffenen jetzt mehr als bisher selbst mit ihren Stoffwechselergebnissen auseinandersetzen, kann das in Zukunft auch eine Verbesserung für den Umgang mit der Erkrankung bringen. Bei allen Unsicherheiten und für Fragen gibt es die Telefonsprechstunde. Und im Notfall sind wir immer zu erreichen. Bei uns im Haus sogar rund um die Uhr.

Wie wirkt es sich auf den Diabetes aus, wenn Kinder und Jugendliche den ganzen Tag zuhause hocken?

Eltern sollten unbedingt darauf achten, dass die Kinder sportlich aktiv bleiben. Körperliche Bewegung erhöht die Insulinempfindlichkeit und wir wissen, dass eine höhere Insulinempfindlichkeit die Diabetesbehandlung grundsätzlich besser macht. Wer bislang einmal in der Woche eine Stunde zum HipHop-Tanzen gegangen ist, kann das jetzt im Wohnzimmer machen. Auch für Fußballer gibt es Übungen für zuhause, um fit zu bleiben. Das gilt für Profisportler wie für Privatleute. Die räumliche Einschränkung heißt nicht, dass man sich nicht körperlich bewegen kann. Im Moment geben Sportler im Internet viele Ratschläge. Da muss man sich nur einmal umsehen.

Was ist außer Sport noch wichtig?

Für Kinder mit Diabetes ist wichtig, dass sie die gewohnte Tagesstruktur einhalten. Eltern sollten mit ihren Kindern jetzt gemeinsame Regeln erarbeiten, wie die gewonnene Zeit bestmöglich genutzt werden kann. Ich rate Eltern auch, ihr Kind in dieser Ausnahmesituation noch mehr durch Lob positiv zu verstärken und von Strafen möglichst absehen.


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