Fabian Bleck: Profi-Basketballer mit Typ 1

Seit der Kindheit ist der 23-jährige Fabian Bleck an Typ-1-Diabetes erkrankt. Heute spielt er Basketball in der ersten Bundesliga. Wie er beides unter einen Hut bringt – und warum er den Blutzucker immer links misst

von Sabine Lotz, 17.11.2016

Korbjäger mit Insulinpumpe: Fabian Bleck


So also sieht ein Eisbär aus. 2,01 Meter groß, breites Kreuz, kräftige Hände, weißes Muskelshirt, strubbelige braune Haare. Fabian Bleck, 23, ist Profibasketballer in der ersten Bundesliga, genauer gesagt: Flügelspieler bei den Eisbären Bremerhaven.

Der Sport liegt ihm im Blut. Mutter Susanne war lange aktiv im Basketball, als Spielerin und Trainerin. Die Brüder, der zweieiige Zwilling Tobias und der drei Jahre ältere Robin, machen in ­ihrer Freizeit ebenfalls Jagd auf den Korb. Schon im Alter von neun Jahren zeichnete sich ab, dass Fabian­ besonderes Talent hatte. Und so begann er in diversen Vereinen zu spielen, nahm bald an Landeswettbewerben und Meisterschaften teil. Vor zehn ­Jahren ­jedoch kam die Diagnose, die Fabian Bleck vorübergehend aus dem Gleichgewicht brachte: Typ-1-Diabetes. "Ich weiß noch, dass ich auf einmal immer durstiger wurde und ohne Ende Wasser trank", erzählt er.

Die Großmutter erkannte den Diabetes

Seiner Großmutter kamen die Symp­tome bekannt vor: Fabians Opa hat seit seinem 30. Lebensjahr Typ-1-Diabetes. Also holte sie kurzerhand Opas Messgerät und pikste ihren Enkel in den Finger. Doch der Wert ließ sich nicht ablesen. Auf dem Display erschienen nur die Buchstaben HI (für "high" – hoch). Das passiert, wenn der Blutzucker so hoch ist, dass das Gerät überfordert ist, einen exakten Wert zu errechnen. Im Krankenhaus, wohin Susanne Bleck ihren Sohn schleunigst brachte, behielt man beide gleich da.

"Als ich kapierte, dass Diabetes etwas­ Lebenslanges ist, habe ich erst mal geheult", erinnert sich Fabian. "Ich fand es schlimm, dass wir uns nun dauernd mit diesen ganzen Dingen – Spritzen, Messen, Kohlenhydrate abwiegen – beschäftigen mussten." Was ihm schließlich half, die Krankheit zu akzeptieren: "Das war, als die Ärzte in der Klinik sagten, ich dürfe mit Diabetes so viel Sport treiben, wie ich mag. Da fiel mir ein Stein vom Herzen."

So selbstverständlich wie Zähneputzen

Heute ist der Umgang mit dem Diabetes für den Spitzensportler so selbstverständlich wie Zähneputzen. Wenn er seinen Blutzucker misst, benutzt Fabian Bleck meist die linke Hand – die rechte ist die Wurfhand. Zudem verletzen sich Basketballspieler wegen des schweren Balls ohnehin relativ häufig an den Fingern.

Vor einem Training oder Spiel koppelt Fabian Bleck seine Insulinpumpe ab. "Beim Basketball wird oft gerempelt und geschubst – das wäre schlecht für die Pumpe", sagt er. Wie alle Sportler mit Dia­betes weiß ­er natürlich, dass er vor allem das Thema Unterzucker im Auge behalten muss. Weil Muskeln, die auf Hochtouren arbeiten, eine Menge Zucker verbrauchen, kann der Blutzuckerspiegel bei einem Match rasch absacken. Fabian Bleck kennt die Warnzeichen seines Körpers zum Glück genau. "Wenn ich nachts unterzuckere, wache ich auf", sagt er. "Kein Schwitzen, kein Herzrasen, ich wache einfach auf." Und beim Sport: "Da wird mir schwindlig, meine Hände zittern, ich kriege Heißhunger."

Drohender Unterzucker: Ein Wink zum Trainer genügt

Gut, dass beim Basketball nicht nur alle zehn Minuten Pause ist, sondern das insgesamt 40-minütige Spiel auch zusätzlich oft unterbrochen wird. So kann Fabian bei Anzeichen einer Unterzuckerung schnell zur Spielerbank laufen, um zu messen und etwas zu essen.

Für ihn wird dann ein anderer eingewechselt. Ein kleines Handzeichen Richtung Trainer genügt – und der weiß Bescheid, dass sein Spieler schnell vom Feld muss. Auch Co-Trainer und Mitspieler sind über den Dia­betes informiert. Und sie alle wissen, woran sie erkennen können, wenn es ihrem Mannschaftskollegen mal nicht so gut geht.

Wenig Zeit für anderes

Ein Tag ohne Sport, so etwas gibt es für Fabian Bleck praktisch nicht. Er trainiert täglich. Während der Spielsaison, etwa von Mitte September bis Anfang Mai, organisiert der Verein das Training. In der Off-Season, der Sommerpause von Juni bis Ende August, kümmert sich der Spieler selbst um seine Fitness. Und das sieht so aus: Morgens trainiert er gezielt Muskeln und Ausdauer, abends geht es in die Sporthalle zum Dribbeln und Körbewerfen.

"Für anderes bleibt da wenig Zeit", sagt Bleck. Für die Freundin zum Beispiel. Oder fürs Studium. Seit zwei ­Semestern studiert Fabian Bleck Wirtschaftswissenschaften an der Fernuniversität Hagen. Er lernt zu Hause, muss nur selten zu Präsenzveranstaltungen. Der Grund: Er möchte ein zweites Standbein haben, wenn mit etwa ­Mitte dreißig die Jahre als Profibasketballer zu Ende gehen. Eisbär – das ist man als Mensch eben nicht lebenslang.


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