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Leben mit Typ-1-Diabetes

Mit der Diagnose Typ-1-Diabetes ändert sich einiges im Alltag. Ein Überblick

aktualisiert am 08.05.2017
Junge Frau isst Spaghetti

Wissen, wie viele Kohlenhydrate im Essen stecken: Elementar bei Typ-1-Diabetes


Ernährung: BE/KE berechnen

Das wichtigste zuerst: Wer Typ-1-Diabetes hat, muss beim Essen auf nichts verzichten. Er muss nicht zu speziellen Diabetiker-Lebensmitteln greifen, auch Zucker ist nicht tabu. Für Menschen mit Typ-1-Diabetes gelten die gleichen Empfehlungen wie für Gesunde.

Patienten müssen allerdings ihre Insulinbehandlung und ihre Ernährung aufeinander abstimmen. Denn vor allem Kohlenhydrate in der Nahrung (sowie in weitaus geringerem Umfang Fette und Eiweiße) lassen den Zuckerspiegel im Blut ansteigen.

Damit sie wissen, wie viel Insulin sie zur Korrektur benötigen, müssen Patienten mit Typ-1-Diabetes lernen, den Kohlenhydratgehalt einer Mahlzeit beziehungsweise ihre Wirkung auf den Blutzucker richtig einzuschätzen. Daraus können sie anschließend mittels bestimmter Formeln, die bei der Einstellung zu Therapiebeginn festgelegt wurden, die benötigte Insulindosis berechnen. Das Kohlenhydrate-Einschätzen und Umrechnen sind Gegenstand der Schulungen für Typ-1-Diabetiker.

Die in einem Lebensmittel enthaltenen Kohlenhydrate werden bei der Diabetestherapie in "BE" und "KE" berechnet. Diese Abkürzungen stehen für "Broteinheit" beziehungsweise "Kohlenhydrateinheit". Eine Broteinheit enthält zwölf Gramm Kohlenhydrate, eine Kohlenhydrateinheit zehn Gramm. Beide Einheiten können gleichwertig verwendet werden, allerdings fällt das Rechnen mit der Kohlenhydrateinheit oft leichter.

Unterzuckerung

Unterzuckerungen, auch als Hypoglykämien oder Hypos bezeichnet, zählen zu den häufigsten unangenehmen Begleiterscheinungen einen Typ-1-Diabetes. Eine Unterzuckerung kann vor allem auftreten, wenn der Patient versehentlich zu viel Insulin gespritzt oder den Kohlenhydratgehalt einer Mahlzeit falsch eingeschätzt hat.

Sinkt der Blutzuckerspiegel zu tief, treten zunächst meist Zittern, Herzklopfen, Heißhunger und Konzentrationsprobleme als Symptome auf. Bei noch niedrigeren Werten kann es zu Schwäche- und Schwindelgefühle sowie Bewusstseinsstörungen bis hin zur Ohnmacht kommen. Unterzucker beginnt ab einem Blutzuckerwert von etwa 70 mg/dl (3,9 mmol/l). Die Schwelle, ab der sich Symptome zeigen, und die Art der Beschwerden sind aber von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Bei Anzeichen einer beginnenden Unterzuckerung sollten Menschen mit Typ-1-Diabetes nicht zögern, ein oder zwei BE/KE in Form von schnellen Kohlenhydraten als Gegenmaßnahme einzunehmen. Gut geeignet sind Traubenzucker, Saft mit 100 Prozent Fruchtgehalt, Gummibärchen oder Cola.

Am besten außerdem Familie, Freunde und Bekannte über das richtige Vorgehen bei Unterzuckerungen aufklären. Die Mitmenschen bemerken oft noch vor dem Betroffenen, dass etwas nicht stimmt. Außerdem können sie so im Notfall bei einer schweren Unterzuckerung schnell helfen.

Sport

Sport ist kein direkter Bestandteil der Therapie bei Typ-1-Diabetes. Als Mittel zum Ausgleich und Stressabbau kann er aber hilfreich sein, um die Belastungen rund um die Krankheit im Alltag besser zu meistern.

Bei körperlicher Aktivität ist der Energiebedarf erhöht. Außerdem sprechen die Muskeln besser auf Insulin an. Das bedeutet, dass Patienten entsprechend weniger Insulin spritzen oder Kohlenhydrate zum Ausgleich essen müssen, um einer Unterzuckerung vorzubeugen. Da der Körper auf Anstrengungen bei Menschen unterschiedlich reagiert, sollte jeder Typ-1-Diabetiker einmal vorab mit seinem behandelnden Arzt abklären, welche Richtwerte und Ausgleichsregeln in seinem Fall sinnvoll sind.

Autofahren

Bei niedrigen Zuckerwerten sind Wahrnehmung und Reflexe gestört. Unterzuckerungen am Steuer können für Betroffene und andere Verkehrsteilnehmer sehr gefährlich sein. Menschen mit Typ-1-Diabetes sollten deswegen sichergehen, dass ihre Werte in Ordnung sind, bevor sie auf den Fahrersitz steigen und für alle Fälle Blutzuckermessgerät sowie Traubenzucker mitnehmen. Bei Verdacht auf Unterzucker während der Fahrt sofort rechts ranfahren und Zuckerspiegel messen. Wegen der Unterzucker-Gefahr müssen Typ-1-Diabetiker, die den Führerschein machen, unter Umständen vorher nachweisen, dass der Stoffwechsel gut eingestellt ist.

Beruf

Die meisten Berufe können Menschen mit Typ-1-Diabetes ohne Probleme ergreifen. Bei einigen Tätigkeiten wie Pilot oder LKW-Fahrer können Unterzuckerungen aber dazu führen, dass Betroffene sich und andere gefährden. Typ-1-Diabetiker lassen sich bei der Berufswahl deswegen am besten vom Diabetologen oder einem Arbeitsmediziner beraten, inwiefern Einschränkungen bestehen.

Übrigens: Im Vorstellungsgespräch muss man seinen Diabetes nicht erwähnen – es sei denn, dieser ist wegen des Unterzuckerrisikos in diesem Job von Bedeutung. Fragen nach Krankheiten im Vorstellungsgespräch sind unzulässig und müssen nicht beantwortet werden.

Schwangerschaft

Frauen mit Diabetes sollten eine Schwangerschaft nach Möglichkeit gut planen und im Vorfeld mit Frauenarzt und dem Diabetesteam besprechen. Die Schwangerschaft kann den Stoffwechsel der angehenden Mutter durcheinander bringen und eine Anpassung der Diabetestherapie erfordern. Erhöhte Blutzuckerwerte bilden eine potenzielle Gefahr für Mutter und Kind. Während der Schwangerschaft sind regelmäßige Untersuchungen bei Frauenarzt und Diabetologe sowie engmaschige Blutzuckerkontrollen wichtig.


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