Mit Diabetes erwachsen werden

Rund 30 000 Kinder und Jugendliche hierzulande haben Diabetes. Meist werden sie in spezialisierten Zentren und Ambulanzen betreut. Doch was passiert, wenn die kleinen Patienten erwachsen werden? Wer kümmert sich jetzt um sie? Ein Ratgeber durch den Dschungel

22.08.2018
Transitionsmedizin

Stimmt die Chemie? Darauf sollten Jugendliche mit Typ-1-Diabetes achten, wenn sie zum Erwachsenen-Diabetologen wechseln


Endlich volljährig! Für Jugendliche mit Diabetes bringt das neben den Rechten und Pflichten eines Erwachsenen auch den Wechsel von der kinder- und jugendärztlichen Betreuung in die Erwachsenenmedizin (Fachbegriff: Transition). Und das in einer Lebensphase, in der meist auch Schulabschluss sowie Studien- bzw. Berufswahl anstehen. Ganz schöne viele Herausforderungen auf einmal! Gut, wenn die jungen Patienten frühzeitig Antworten auf die wichtigsten Fragen bekommen.

1. Muss der Arztwechsel pünktlich zum 18. Geburtstag sein?

Nein, meistens findet er irgendwann zwischen dem 18. und 19. Lebensjahr statt. Manche Jugendlichen möchten schon früher, etwa mit 16 oder 17, zum Erwachsenenarzt wechseln. Das ist auch kein Problem. Und manchmal kann man sich auch mehr Zeit lassen, etwa wenn der Diabetes gerade Schwierigkeiten macht. Maximal bis 21 dürfen junge Menschen zum Kinder- und Jugenddiabetologen. Am besten sprechen sie den Wechsel mit ihrem Arzt ab.

2. Wie findet man einen neuen Arzt?

Beim bisherigen Arzt bzw. in der Kinderklinik gibt es meist eine Liste mit infrage kommenden Diabetologen in der Umgebung. Wichtig ist, dass man sich in der neuen Praxis wohlfühlt. Wer feststellt, dass mit dem Arzt oder seinen Mitarbeitern die Chemie nicht stimmt, sollte sich ruhig noch eine weitere Praxis anschauen. Viele junge Diabetiker fühlen sich erst beim zweiten Versuch richtig angekommen. Achtung: Wer umzieht oder zum Studium ins Ausland geht, muss sich selbst nach einem Experten umsehen.

3. Könnten sich die Jugendlichen nicht künftig vom Hausarzt betreuen lassen?

Das ist prinzipiell möglich. In der Regel aber profitieren die jungen Patienten, die ja fast alle Typ-1-Diabetiker sind, von der Behandlung in einer diabetesspezialisierten Praxis.

4. Worin bestehen die Hauptunterschiede zur bisherigen Betreuung?

Dadurch, dass meist Eltern und nicht selten auch Geschwister mit dabei sind, herrscht in den Kinderkliniken oft eine recht familiäre Atmosphäre. Außerdem kümmern sich, vor allem in der ersten Zeit sowie bei den Gruppenschulungen, neben Medizinern, Diabetes- und Ernährungs-Experten auch Psychologen und Sozialarbeiter um die Kinder und Jugendlichen.

In der Diabetes-Praxis treffen die jungen Patienten zwar auch auf Teams aus Ärzten, Diabetes- und Ernährungsberatern. Doch sie müssen künftig mehr Eigenverantwortung übernehmen, zum Beispiel selbst an ihre Termine denken. Dass die Praxis zuhause anruft, gibt es nur in ganz dringenden Fällen. Studien belegen, dass viele jugendliche Diabetespatienten während der Zeit des Arztwechsels schlechtere HbA1c-Werte haben. Das liegt zum einen an dem hormonellen Durcheinander während der Pubertät. Zum anderen nehmen es junge Patienten mit ihrer Therapie nicht immer so genau, wie das nötig wäre.

5. Ist es besser, wenn die Eltern zum neuen Arzt mitkommen?

Auch wenn die Eltern wichtige Ansprechpartner bleiben: Jeder junge Mensch mit Diabetes muss irgendwann lernen, seine Krankheit selbstständig zu managen. Wie schnell das klappt, hängt vom Einzelfall ab. Während manche Jugendlichen den neuen Arzt von Anfang an allein aufsuchen wollen, bringen die meisten Mutter oder Vater zu einem ersten Kennenlern-Termin mit. Dass Eltern ihr erwachsenes Diabetes-Kind regelmäßig zum Arzt begleiten, gibt es dagegen nur ganz selten.

 

Wo kann man sich noch informieren?

- Die interaktive Webseite www.between-kompas.de bietet Infos für Jugendliche mit chronischer Krankheit und deren Eltern. Unter anderem kann man anhand von Quizfragen sein Wissen rund um die chronische Krankheit und das Erwachsenwerden damit testen.

- Unter dem link "Arztsuche" auf der Homepage der Deutschen Diabetesgesellschaft kann man nach Experten suchen: www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de.

- Einige Adressen von speziell mit Typ-1-Diabetes befassten Erwachsenen-Ärzten gibt es auf www.diabetes-kids.de.

Fachliche Beratung: Dr. Sabine Claußnitzer, Kinder- und Jugendärztin, Diabetologin, Diabetes-Ambulanz der Kinder-und Jugendklinik im Johannes Wesling Klinikum, Minden; Dr. Meinolf Behrens, Internist und Diabetologe, Diabetes-Zentrum Minden


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