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Reha-Kuren für Kinder mit Typ-1-Diabetes

Eine Reha für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes hilft Familien, besser mit der Krankheit klarzukommen. Was eine solche Kur bringt und welche Kliniken sie anbieten

von Daniela Pichleritsch, aktualisiert am 17.04.2019
Spielzeug-Giraffe mit Pumpenkatheter und Insulinpumpe

Kuscheltier mit Insulinpumpe: Bei der Reha geht es auch um Akzeptanz


Wann kommt eine Reha infrage?

"Sinnvoll ist eine Reha zum Beispiel kurz nach der Diagnose des Typ-1-Diabetes", erklärt Dr. Ralf Schiel, Diabetologe und Chefarzt der Medigreif Inselklinik Heringsdorf. "Die Klinik oder der Diabetologe vor Ort übernimmt die Einstellung der Insulin­therapie. Für eine ­ausführliche Schulung im Umgang mit dem Dia­betes ist aber häufig nicht genug Zeit — die findet dann in der Rehaklinik statt."

Ansonsten kann eine Reha immer dann nötig werden, wenn sich Probleme mit dem Diabetes in der ambulanten Behandlung nicht lösen lassen und über längere Zeit zu schlechten Blutzuckerwerten oder starken Zuckerschwankungen führen. Etwa weil ein Kind mit dem Berechnen der Insulindosis oder anderen Alltagsaufgaben nicht zurechtkommt oder ein Jugendlicher keine Lust mehr auf Messen und Spritzen hat. Oder wenn die Stoffwechseleinstellung so schlecht ist, dass Folgekrankheiten drohen oder bereits bestehen. Auch wenn es wegen des Diabetes Schwierigkeiten mit Schule und Ausbildung gibt, kann eine Reha helfen.

Wer hat Anspruch darauf?

Kindern und Jugend­lichen bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres steht in der Regel alle vier Jahre eine Rehamaßnahme in einer geeigneten Klinik zu — die erste gleich nach der Diagnose des Diabetes. Wenn gesundheitliche Gründe es erfordern, genehmigt der Kostenträger eine Reha aber auch schon vor Ablauf dieser Frist. "Da existieren keine festen Vorgaben", sagt Experte Schiel. "Was zählt, ist die individuelle Situa­tion des Kindes." Wichtig ist, dass der Arzt seine Entscheidung für die Reha im Antrag sorgfältig begründet, so Schiel.

Wie beantragt man eine Reha?

Den Antrag stellt der Arzt, der das Kind behandelt: meist ein Kinderdiabetologe in der Klinik oder in einer diabetologischen Schwerpunktpraxis. Entsprechende Formulare haben die Ärzte zur Hand oder können sie besorgen. Im Antrag muss der Arzt erläutern, warum die Reha nötig ist und welches Ziel sie haben soll. Er kann eine Reha-Einrichtung vorschlagen.
Auch die Eltern haben ein Wunsch- und Wahlrecht; sie können bevorzugte Kliniken in einem Zusatzschreiben zum Antrag nennen.

Dürfen Eltern und Geschwister teilnehmen?

"Kinder bis zu zehn Jahren darf in jedem Fall ein Elternteil begleiten", sagt Experte Schiel. Bei älteren Kindern ist die Begleitung Ermessens­sache, aber oft sinnvoll. Jüngere Geschwister, die nicht zu Hause bleiben können — etwa weil die Mutter allein­erziehend ist —, dürfen mit und werden während der Reha betreut. Muss ein Kind unter zwölf allein ­daheim bleiben, weil der andere Elternteil arbeitet, können Eltern für die Zeit der Reha eine Haushaltshilfe bean­tragen.

Was passiert in der Reha?

Bei der Betreuung der Kinder arbeiten Fachleute aus allen wichtigen Bereichen zusammen: Ärzte kümmern sich um die optimale Insulintherapie. Diabetesberaterinnen vermitteln den Kindern das nötige Wissen für einen eigenständigen Umgang mit der Krankheit und setzen das, was die Kinder dabei über Ernährung lernen, gleich mit ihnen um — im Supermarkt oder in der Lehrküche. Sporttherapeuten testen mit den Kindern, wie sich Bewegung auf den Blutzucker auswirkt. Psychologen kümmern sich in Gruppen- und Einzelgesprächen um die Akzeptanz des Diabetes, aber auch um Konflikte mit Eltern oder Gleichaltrigen. Sozialpädagogen besprechen mit den Kindern oder Jugendlichen Themen wie Berufswunsch, Führerschein oder Probleme in Kita und Schule. Auch die Eltern werden nach Bedarf ­geschult und profitieren zusätzlich vom Austausch untereinander.

Wer trägt die Kosten?

Alle entstehenden Kosten übernimmt die Rentenversicherung der Eltern. Das gilt für Unterkunft und Behandlung in der Klinik ebenso wie für die Hin- und Heimfahrt — und sowohl für das Kind als auch für den begleitenden Elternteil und ein eventuell mitkommendes Geschwisterkind. Die Rentenversicherung bezahlt außerdem eine Haushaltshilfe, wenn Kinder unter zwölf Jahren allein zu Hause bleiben müssen (siehe linke Seite). Von Zuzahlungen, wie sie Erwachsene für den Aufenthalt in einer Rehaklinik leisten müssen, sind Kinder und ihre Familien befreit.

Wie lang dauert eine Reha?

Vier Wochen sind die Regel. Stellt sich während der Reha heraus, dass diese Zeit nicht ausreicht, ist eine Verlängerung um ein bis zwei Wochen möglich. Die medizinische Notwendigkeit muss der ­behandelnde Arzt der Rehaklinik bei der Rentenversicherung begründen.

Was ist, wenn der Termin in der Schulzeit liegt?

Dafür haben Rehakliniken vorgesorgt, damit die Kinder nicht zu viel versäumen. "Unsere Klinikschule arbeitet mit den örtlichen Schulen zusammen", sagt Chef­arzt Schiel. "Von dort kommen die Lehrer, die bei uns unterrichten." Natürlich nicht so intensiv wie zu Hause, sondern nur an zwei bis drei Tagen in der Woche und in kleinen Lerngruppen. Über den Unterrichtsstoff geben die Lehrer der Heimatschule Auskunft. Auch Geschwisterkinder dürfen mit in die Schule gehen.

Einrichtungen, die eine Reha für Kinder mit Diabetes anbieten:

Fachklinik Gaißach
Dorf 1, 83674 Gaißach
Tel.: 080417980
www.fachklinik-gaissach.de

Medigreif Inselklinik Heringsdorf GmbH, Haus Gothensee
Setheweg 11, 17424 Ostseebad Heringsdorf
Tel: 0 38 378 780 0
www.haus-gothensee.de

Kinder-Reha-Klinik "Am Nicolausholz"
Elly-Kutscher-Straße 16, 06628 Bad Kösen
Tel.: 03 44 63 4 30
www.rehaklinik.de/kinder

Fachklinik Prinzregent Luitpold
Oberschwenden 1, 88175 Scheidegg/Allgäu
Tel.: 08381 896 0
www.klinikprinzregentluitpold.de

Fachklinik Sylt für Kinder und Jugendliche
Steinmannstr. 52-54
25980 Westerland
Tel. : 0 46 51 8 52 0
www.fachklinik-sylt.de

Mehr Info

Infos zur Reha und eine Klinikliste gibt es im Internet z. B. unter www.kinder-und-jugendreha-im-netz.de.

www.rehakliniken.de bietet eine Kliniksuche und übersichtliche Informationen zu den einzelnen Kliniken.


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