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Typ-1-Diabetes: Therapie

Für einen funktionierenden Stoffwechsel müssen Menschen mit Typ-1-Diabetes Insulin spritzen. Jeder Patient benötigt dabei eine speziell auf ihn zugeschnittene Behandlung

aktualisiert am 08.05.2017
Glückliche Frau

Hohe Lebensqualität – auch bei Typ-1-Diabetes ist das möglich


Menschen mit Typ-1-Diabetes führen die Therapie im Alltag weitgehend selbstständig durch. Bei Kindern übernehmen die Eltern einen großen Teil. Worauf es dabei ankommt, lernen Neu-Patienten nach der Diagnose in speziellen Schulungen. Im Wesentlichen setzt die Behandlung eines Typ-1-Diabetes sich aus drei Bausteinen zusammen:

  • Zuckerwerte kontrollieren
  • Insulin spritzen
  • Kohlenhydrate im Essen berechnen

Einen kurzen Überblick über die Blutzuckermessung und Insulintherapie lesen Sie in diesem Kapitel. Die Berechnung der Kohlenhydrate ist unter anderem Gegenstand des folgenden Kapitels.

Nach der Diagnose müssen Patienten zudem eingestellt werden. Das heißt, dass ein Arzt in der Regel im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts feststellt, welche Insuline beim Betroffenen am besten geeignet sind, welche Insulinmengen und welches Spritzschema er benötigt. Zudem werden für jeden Patienten je nach Stoffwechsel und individuellen Umständen eigene Therapierziele hinsichtlich der Blutzuckerwerte festgelegt. Das Erreichen dieser Ziele überprüfen Patienten gemeinsam mit dem behandelnden Arzt bei regelmäßigen Kontrollterminen und vereinbaren gegebenenfalls neue.

1. Blutzuckerkontrolle

Menschen mit Typ-1-Diabetes sollten mehrmals täglich ihren aktuellen Zuckerspiegel überprüfen, um akut zu hohe und zu niedrige Werte rechtzeitig zu erkennen beziehungsweise zu vermeiden. Besonders vor den Mahlzeiten sind Blutzuckerkontrollen wichtig, um davon ausgehend die benötigte Insulinmenge berechnen zu können. Aber auch bei anderen Gelegenheiten, etwa zum Sport, vor dem Schlafengehen, bei Krankheiten oder bei Anzeichen einer Unterzuckerung, ist eine Messung sinnvoll.

Info: Zu hohe und zu niedrige Werte

Sowohl zu hohe als auch zu niedrige Blutzuckerspiegel können bei Typ-1-Diabetes gefährlich sein. Fällt der Zucker zu tief, kommt es zu einer Unterzuckerung, bei der Betroffene das Bewusstsein verlieren können. Mehr zu Unterzuckerungen lesen Sie hier.


Erhöhte Werte können langfristig zahlreiche Folgeschäden auslösen, siehe Kapitel "Folgekrankheiten". Kurzfristig sind zudem Ketoazidosen möglich. Diese seltene, aber schwere Stoffwechselentgleisung tritt bei absolutem Insulinmangel auf und erfordert sofortige Gegenmaßnahmen. Mehr zur Ketoazidose lesen Sie in unserem Diabetes-Lexikon.

Bei der herkömmlichen Blutzuckermessung piksen Patienten sich mit einer Lanzette seitlich in einen Finger, um daraus einen Blutstropfen zu gewinnen. Ein Messgerät kann aus diesem anschließend den aktuellen Zuckerwert in den Blutgefäßen ermitteln. Dieses Verfahren fehlerfrei anzuwenden lernen Betroffene im Rahmen einer Schulung zum Beginn der Therapie.

Eine relativ neue Möglichkeit zur Glukose-Kontrolle ist das Flash Glucose Monitoring (FGM). Dabei handelt es sich um ein Gerät, das direkt am Körper getragen wird. Ein Sensor misst laufend den Zucker im Gewebe. Der Träger kann diesen jederzeit scannen, um den aktuellen Wert und eine Trendanzeige zu erhalten.

Darüberhinaus gibt es das sogenannte Continuous Glucose Monitoring (CGM). Auch hier misst ein Sensor laufend den Gewebszucker. Im Gegensatz zu FGM muss der Träger bei CGM-Systemen nicht selbstständig scannen, das Gerät warnt automatisch, wenn der Zuckerwert in eine falsche Richtung strebt. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten dafür aber nur in bestimmten Fällen.

2. Insulintherapie

Der Körper von Menschen mit Typ-1-Diabetes stellt kaum oder kein Insulin her. Sie müssen es deswegen in spritzen. Die meisten verwenden dazu einen Pen, ein füllfederhalterähnliches Gerät. Andere tragen eine Insulinpumpe am Körper, die laufend kleine Mengen an Insulin abgibt sowie bei Bedarf eine größere Dosis per Knopfdruck.

Moderne Insuline für die Diabetestherapie kommen aus dem Labor. Es gibt gentechnisch hergestelltes Normalinsulin, bei dem die Wirkung nach zehn bis 30 Minuten eintritt, nach rund zwei Stunden ihr Maximum erreicht und für etwa sechs Stunden anhält. Die konkrete Wirkung von Insulin kann von Patient zu Patient aber verschieden sein.

Daneben gibt es verschiedene Analoginsuline. Diese Kunstinsuline haben eine besonders kurze oder lange Wirkdauer.

  • Schnell wirkendes Insulin dient vor allem dazu, Blutzuckeransteige nach den Mahlzeiten abzufangen und erhöhte Werte zu korrigieren. Die Wirkung tritt zum Teil nach fünf Minuten ein und hält für drei bis vier Stunden an.
  • Verzögerungsinsulin bildet einen Mittelweg zwischen schnellem und langsamem Insulin. Dank einer Verzögerungssubstanz tritt die Wirkung später ein, die Gesamtwirkdauer beträgt rund acht bis zwölf Stunden.
  • Langsam wirkendes Insulin deckt den Grundbedarf an Insulin im Tagesverlauf ab. Patienten müssen es deswegen nur ein- bis zweimal täglich spritzen. Ein extrem langwirkendes Insulin erreicht sogar eine Wirkdauer von 48 Stunden.

Standard-Spritzschema: Die ICT

Neben den verschiedenen Insulinarten gibt es verschiedene Therapieschemen. Standard ist bei Typ-1-Diabetes die intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT). Die meisten Patienten mit Typ-1-Diabetes spritzen nach diesem Schema.

Bei der intensivierten konventionellen Insulintherapie spritzen die Patienten Verzögerungs- oder Langzeitinsulin, das die natürliche Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse nachahmen soll. Letztere gibt im Tagesverlauf beständig geringe Mengen an Insulin ins Blut ab, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten – die sogenannte Basalrate. Zusätzlich spritzen Patienten zum Essen eine Dosis schnell wirkendes Insulin, den sogenannten Bolus.

Die ICT erlaubt den Betroffenen, ihre Insulindosis an ihren tatsächlichen Bedarf anzupassen. Bei Sport können sie zum Beispiel einfach entsprechend weniger spritzen. Die intensivierte konventionelle Insulintherapie lässt sich herkömmlich per Pen oder Spritze durchführen oder mit einer Insulinpumpe. Dann ist von einer CSII (continuous subcutaneous insulin infusion) die Rede.

Die konventionelle Insulintherapie (CT) bietet dagegen weniger Freiheit. Hier wird täglich zu festen Zeiten jeweils eine bestimmte Menge Insulin gespritzt. Patienten müssen ihre Mahlzeiten und ihren Tagesablauf an diese Dosis anpassen. Dieses starre System kommt heute nur noch zum Zug, wenn ein Typ-1-Diabetiker wegen einer Krankheit oder altersbedingt mit den Anforderungen der ICT nicht zurechtkommt.


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