Typ-2-Diabetes: Behandlung

Abnehmen, Bewegung, Tabletten, Insulin: Patienten mit Typ-2-Diabetes benötigen meist einen Mix aus mehreren Maßnahmen, um die Blutzuckerwerte in den Griff zu kriegen
aktualisiert am 28.02.2017

Badespaß: Wer aktiv ist, verbessert seinen Zuckerstoffwechsel

Jupiter Images GmbH/Polka dot

Nach der Diagnose erhalten Patienten bei Typ-2-Diabetes meist sofort Medikamente, um den Blutzucker zu senken. In der Regel ist das Metformin. Schlägt die Behandlung nicht wie gewünscht an, kann der Arzt ein weiteres oder zusätzliches Mittel verschreiben. Viele Betroffene müssen zudem im Verlauf der Erkrankung auf Insulin umsteigen.

Neben diesen medikamentösen Maßnahmen sind außerdem oft Veränderungen bei alltäglichen Verhaltensweisen entscheidend für den Behandlungserfolg. Betroffene sollten etwaiges Übergewicht verringern und sich im Alltag verstärkt bewegen. Beides kann dazu beitragen, dass die Insulinwirkung sich wieder bessert. In frühen Stadien können diese Lebensstilmaßnahmen ausreichen, um den Diabetes in den Griff zu kriegen und ihn in seltenen Fällen sogar wieder verschwinden lassen.

Behandlungsziele: Immer individuell

Wichtig zu wissen: Die einzelnen Therapiebausteine bei Typ-2-Diabetes ordnet der Arzt je nach Einzelfall an. Jeder Patient benötigt entsprechend seiner individuellen Lebenssituation und vorliegenden Begleiterkrankungen seinen eigenen Mix an Maßnahmen.

Das gilt auch für die Behandlungsziele, die Arzt und Patient gemeinsam bestimmen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft rät im Allgemeinen dazu, beim Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c einen Korridor von 6,5 bis 7,0 Prozent anzustreben. Besteht dann aber zum Beispiel die Gefahr von Unterzuckerungen beim Patienten, kann ein etwas höherer Zielwert sinnvoll sein.

Lesen Sie hier einen Überblick über die wichtigsten Therapiemaßnahmen.

1. Abnehmen

Starkes Übergewicht zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung eines Typ-2-Diabetes. Das gilt vor allem, wenn das Fettgewebe sich am Bauch ansammelt. Dieses sogenannte innere oder viszerale Fett stellt Stoffe her, welche die Insulinwirkung beeinträchtigen. Der Abbau von Übergewicht kann helfen, eine Insulinresistenz wieder zu bessern. Zum Teil wirkt Abnehmen so effektiv wie Tabletten.

Die Gewichtsziele vereinbaren Patienten zusammen mit dem behandelnden Arzt. Dieser kann auch Tipps zum richtigen Vorgehen geben. In der Regel sollten Betroffene durch eine Kombination aus mehr Bewegung und gesunder Ernährung abnehmen. Selbsthilfegruppen, Schulungen und Abnehm-Programme in Kliniken und Praxen können bei diesem Vorhaben unterstützen.

2. Bewegung

Körperliche Aktivität ist bei Diabetes aus zwei Gründen wichtig: Zum einen verbrauchen Muskeln in Bewegung mehr Energie. Das unterstützt das Abnehmen. Außerdem bessert sich der Zuckerstoffwechsel, sodass die Zellen wieder besser auf Insulin ansprechen.

Dazu ist es nicht unbedingt nötig, schweißtreibenden Sport zu betreiben. Die Faustregel lautet: Man sollte etwa fünfmal pro Woche für jeweils 30 Minuten so aktiv sein, dass man leicht ins Schwitzen kommt. Ein flotter Spaziergang kann also schon dabei helfen, den Zuckerstoffwechsel zu bessern.

Patienten sollten unbedingt mit ihrem Arzt abklären, welches Pensum in ihrem Fall ideal ist und was sie sich zumuten können. Bei Typ-2-Diabetes bestehen oft Schädigungen an den Blutgefäßen, die bei zu starken Anstrengungen im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt führen können.

Diese potenzielle Gefahr ist aber kein Grund, um bei Typ-2-Diabetes auf Bewegung zu verzichten. Die Vorteile überwiegen klar. Bei der richtigen Intensität ist das Risiko gering. Zudem trägt Aktivsein dazu bei, langfristig die Gefahr eines Herzinfarkts zu verringern.

Bei aller gesundheitlichen Vernunft sollte der Spaß nicht zu kurz kommen. Deshalb ist es wichtig, sich eine Sportart zu suchen, die zu einem passt – ob das nun Laufen, Schwimmen, Radfahren oder Yoga ist. Das erhöht die Chancen, dauerhaft am Ball zu bleiben.

3. Medikamente

Antidiabetika heißen Medikamente, die bei Typ-2-Diabetes der Behandlung zu hoher Blutzuckerwerte dienen. Unter diesen Begriff fallen Mittel aus verschiedenen Wirkstoffklassen, die an unterschiedlichen Stellen im Körper ansetzen.

Gleich nach der Diagnose erhalten Patienten in der Regel Metformin, wenn keine Unverträglichkeit oder ein anderer Grund dagegen sprechen. Bleibt der gewünschte Behandlungserfolg drei Monate später aus, gibt es ein zweites Antidiabetikum oder Insulin oben drauf. Schlägt auch das nicht an, kann der Arzt ein drittes Mittel verschreiben.

W&B/Martina Ibelherr

Die verschiedenen Blutzuckersenker im Überblick:

  • Biguanide: Metformin ist das einzige in Deutschland zugelassene Biguanid. Es verbessert die Insulinempfindlichkeit der Zellen, hemmt die Zucker-Neubildung in der Leber und verzögert den Übergang von Zucker aus dem Darm ins Blut.
  • Sulfonylharnstoffe: Sie regen die Bauchspeicheldrüse an, mehr Insulin auszuschütten. Sulfonylharnstoffe wirken deswegen nur, solange Patienten noch eigenes Insulin herstellen. Das Unterzuckerungs-Risiko ist bei ihnen erhöht. 
  • Alpha-Glukosidasehemmer: Sie verzögern den Abbau von Kohlenhydraten im Darm. Zucker geht langsamer ins Blut über.
  • SGLT-2-Hemmer: Sie bewirken, dass die Nieren mehr Zucker über den Harn ausscheiden, indem sie das Protein SGLT-2 blockieren, das den Zucker aus den Nieren wieder ins Blut leitet.
  • Glitazone: Sie verbessern die Insulinempfindlichkeit der Zellen, so dass diese mehr Zucker aus dem Blut aufnehmen können.
  • Glinide: Wirken ähnlich wie Sulfonylharnstoffe, indem sie die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse anregen.
  • DDP-4-Hemmer (Gliptine): Hemmen den Abbau des Darmhormons GLP-1. Dadurch stellt die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin her, die Magenentleerung verzögert sich, die Leber setzt weniger Zucker frei. 
  • GLP-1-Analoga: Ahmen die Wirkung des Darmhormons GLP-1 (siehe Gliptine) nach. Im Gegensatz zu anderen Antidiabetika werden sie gespritzt – wie Insulin.

4. Insulin

Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes versucht die Bauchspeicheldrüse zunächst die verringerte Insulinempfindlichkeit der Zellen auszugleichen, indem sie das Hormon vermehrt herstellt. Mit der Zeit lassen die Kräfte des Organs jedoch nach, so dass die Insulinproduktion oft völlig zum Erliegen kommt. Das ist häufig nach mehreren Jahren Erkrankungsdauer der Fall. Patienten benötigen dann eine Insulintherapie. Das heißt, sie müssen Insulin spritzen – in der Regel mit einem Pen, ein Gerät, das äußerlich an einen Füllfederhalter erinnert.

Heutige Insuline zur Diabetesbehandlung werden meist künstlich im Labor hergestellt (sogenannte Insulinanaloga) und unterscheiden sich in Wirkeintritt, -maximum und -dauer. Kurzwirkende Insuline senken den Blutzucker schon nach fünf bis 30 Minuten und wirken maximal vier bis acht Stunden. Sie werden vor allem zu den Mahlzeiten als sogenannter Bolus gespritzt.

Bei langwirkenden Insulinen tritt ein Effekt dagegen erst nach zwei bis vier Stunden auf. Dafür wirken sie bis zu 24 Stunden, zum Teil sogar noch länger. Sie dienen dazu, um den Insulingrundbedarf etwa in der Nacht abzudecken – den sogenannten Basalbedarf. Daneben gibt es Verzögerungsinsuline (NPH-Insuline), die sozusagen einen Mittelweg bilden zwischen kurz- und langwirkenden Insulinen.

Außerdem stehen verschiedene Therapieschemen zur Auswahl. Welche zum Einsatz kommt, hängt vor allem von den Umständen des Patienten ab: Manche benötigen nur zu bestimmten Zeitpunkten Insulin zur Unterstützung der Tabletten, andere eine intensivierte Insulintherapie.

Basal unterstützte orale Therapie (BOT)

 

Schema der basal unterstützten oralen Therapie: Ergänzend zu Tabletten wird einmal täglich ein lang wirkendes Insulin gespritzt

W&B/Ulrike Möhle

Prinzip: Ergänzend zu Blutzucker senkenden Tabletten spritzen Betroffene einmal täglich morgens oder abends ein langwirkendes Insulin.

Geeignet: Vor allem für Patienten, bei denen die morgendlichen Nüchternwerte zu hoch sind.

 

Konventionelle Insulintherapie (CT)


Schema der konventionellen Insulintherapie: Zweimal täglich gibt es eine Mischung aus schnellem und langwirkendem Insulin

W&B/Ulrike Möhle

Prinzip: Der Patient spritzt morgens und abends eine fixe Dosis Mischinsulin (schnell- und langwirkendes Insulin).

Geeignet: Vor allem für Menschen mit festen Ernährungsgewohnheiten und regelmäßigem Tagesablauf, die eine möglichst einfache Therapie wünschen.

 

Supplementäre (ergänzende) Insulintherapie (SIT)


Schema der supplementären Insulintherapie: Zu den Mahlzeiten spritzen Patienten Insulin

W&B/Ulrike Möhle

Prinzip: Zu den Hauptmahlzeiten wird ein kurz wirkendes Insulin gespritzt.

Geeignet: Für Patienten, die vor allem nach dem Essen zu hohe Werte haben. Die SIT kann mit Tabletten kombiniert werden.

 

Intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT)


Schema der intensivierten konventionellen Insulintherapie: Kurzwirkendes Insulin zum Essen, ein- bis zweimal täglich langwirkendes Insulin

W&B/Dr. Ulrike Möhle

Prinzip: Betroffene spritzen zu jeder Mahlzeit ein kurz wirkendes Insulin. Den Grundbedarf deckt ein lang wirkendes Insulin, das man ein- oder zweimal täglich spritzt.

Geeignet: Für Patienten, die flexibel sein möchten und die Insulindosis selbstständig anpassen können und wollen.

Den richtigen Umgang mit dem Pen lassen Patienten sich am besten zu Beginn der Insulintherapie im Rahmen einer Schulung zeigen. Tipps zur richtigen Spritztechnik gibt es zudem hier.



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