Was ist ein Prädiabetes?

Ärzte sprechen von einem Prädiabetes, wenn die Zuckerwerte im Blut zu hoch sind, aber noch kein Diabetes vorliegt. Ausgewogene Ernährung und Bewegung können dann viel bewirken
von Günter Löffelmann , aktualisiert am 27.03.2017

Prädiabetes: Übergewicht kann die Wirkung des Hormons Insulin beeinträchtigen

Stockbyte/RYF

Wann ein Typ-2-Diabetes vorliegt, dafür gibt es klare Definitionen: Überschreitet die Menge an Traubenzucker (Glukose) im Blut eine bestimmte Schwelle, sprechen Ärzte von der Zuckerkrankheit. Sie ist zum Beispiel erreicht, wenn der Blutzucker auf über 126 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) beziehungsweise 7,0 Millimol pro Liter (mmol/l) geklettert ist. Bei Gesunden liegen die Zuckerwerte unter 100 mg/dl beziehungsweise unter 5,6 mmol/l.

Grauzone Prädiabetes

Doch was ist mit den Menschen, bei denen der Zuckerspiegel bereits über der Norm liegt, die Definition für einen Diabetes aber noch nicht erfüllt ist? Sie befinden sich in einer Art Grauzone. "Die amerikanische Diabetes-Gesellschaft bezeichnet diese Grauzone auch als ‚Prädiabetes‘, also als ein Vorstadium zum Diabetes", sagt Professor Dirk Müller-Wieland, Pressesprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

Betroffene besitzen ein erhöhtes Risiko, in den kommenden Jahren einen Diabetes zu entwickeln. Je früher Menschen mit dieser Risikokonstellation erkannt werden, desto besser. Denn in diesem Fall besteht eine gute Chance, die Zuckerkrankheit mit vergleichsweise einfachen Lebensstiländerungen noch abzuwenden.

Wann liegt ein Prädiabetes vor?

Nach derzeitiger Definition sprechen Ärzte von einem Prädiabetes, wenn eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:

  • Blutzuckerkonzentration nüchtern: zwischen 100 und 125 mg/dl (5,6-6,9 mmol/l)
  • Blutzuckerkonzentration zwei Stunden nach Gabe von Glukose (Glukosetoleranz): zwischen 140 und 199 mg/dl bzw. 7,8-11,0 mmol/l
  • Langzeitzuckerwert HbA1c: zwischen 5,7 und 6,4 Prozent

"Derartige Werte deuten darauf hin, dass das Insulin nicht mehr richtig wirkt und der Blutzucker nur noch eingeschränkt in die Zellen aufgenommen wird", sagt Müller-Wieland. Das Hormon Insulin hat die Aufgabe, den Zucker aus den Blutbahnen in die Zellen zu schleusen. Sprechen diese nicht mehr richtig auf Insulin an, bezeichnen Ärzte das als Insulinresistenz. Die Folge: Die Glukose verbleibt im Blut und der Blutzuckerspiegel ist dauerhaft erhöht. Vor allem Übergewicht, Bewegungsmangel und eine genetische Veranlagung tragen zu dieser Entwicklung bei.

Ein Prädiabetes ist deshalb oft nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zum Diabetes. Welche Folgen diese Stoffwechsellage haben kann, zeigt beispielsweise eine Langzeitstudie, die in der Region Augsburg durchgeführt wurde. Darin beobachteten Wissenschaftler knapp 900 Menschen ohne Diabetes im Alter zwischen 55 und 74 Jahren über sieben Jahre hinweg. Wer zu Studienbeginn einen gestörten Zuckerstoffwechsel aufwies, erkrankte viel häufiger an Diabetes als jemand mit einem normalen Stoffwechsel. Je nach Art der Störung war das Erkrankungsrisiko fünffach (gestörter Nüchternblutzucker), neunfach (gestörte Glukosetoleranz) oder 21-fach (beide Störungen zugleich) erhöht.

Schon ein Prädiabetes kann der Gesundheit schaden

Das Gefährliche an erhöhten Glukosewerten ist, dass sie im Blut auf Dauer die Gefäße, die Nerven sowie zahlreiche Organe wie Herz, Nieren und Augen beeinträchtigen. Doch selbst wenn sich ein Prädiabetes nicht zur Zuckerkrankheit entwickelt, stellt er ein Gesundheitsrisiko dar. "Wir wissen heute, dass die Abnormitäten des Blutzuckerstoffwechsels auch für sich alleine gehäuft zu Gefäßerkrankungen des Herzens und anderer Organe führen", sagt Müller-Wieland.

Gesunder Lebensstil beugt vor

Liegt tatsächlich eine Vorstufe zum Diabetes vor, ist dies noch kein Grund zur Panik. Eine weitere Verschlechterung des Blutzuckerstoffwechsels lässt sich aufhalten, in vielen Fällen lassen sich sogar die Werte normalisieren. Medikamente kommen dabei gewöhnlich nicht zum Einsatz. "Prädiabetes ist keine Erkrankung, sondern eher ein Warnschuss und es gibt auch keine dafür zugelassenen Arzneimittel", betont Müller-Wieland. Stattdessen gilt es, den Lebensstil auf den Prüfstand zu stellen und anzupassen. Oft haben Übergewicht und zu wenig Bewegung entscheidend dazu beigetragen, dass der Zuckerstoffwechsel aus dem Lot geraten ist.

Am besten lässt sich dem Prädiabetes durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung begegnen, bei der die zugeführte Kalorienmenge dem Energieverbrauch angepasst ist. Wer Übergewicht hat, sollte abnehmen. Wird der Anteil an Fettgewebe im Körper, vor allem in der Bauchgegend, abgebaut, kann sich die Insulinwirkung wieder bessern. Tipps zu einer gesunden Ernährung finden Sie hier.

Bewegung verbessert Insulinwirkung

"Darüber hinaus gilt die Faustregel, sich mindestens 150 Minuten pro Woche und verteilt auf mindestens drei Tage intensiv zu bewegen", sagt Müller-Wieland. Muskelaktivität führt dazu, dass mehr Zucker aus dem Blut in die Zellen geschleust wird, und verbessert auch die Empfindlichkeit der Zellen gegenüber Insulin. Noch besser sei es, fünfmal pro Woche für eine halbe Stunde aktiv zu werden. In großen Untersuchungen ließ sich dadurch das Erkrankungsrisiko deutlich senken. Wichtig: Wer längere Zeit keinen Sport getrieben hat oder neu einsteigt, sollte sich vorab vom Arzt untersuchen und zum optimalen Pensum beraten lassen.


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