"Einfacher als ein Videorekorder"

Psychologe Thomas Kubiak über Berührungsängste beim digitalen Diabetes-Management
von Stephan Soutschek, 15.12.2017

Thomas Kubiak ist Gesundheitspsychologe an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

W&B/Ute Schmidt

Macht es bei Diabetes-Technik einen Unterschied, wer das Gerät bedient?

Die persönliche Wahrnehmung von Technik kann tatsächlich beeinflussen, wie gut man damit zurechtkommt. In einer unserer Studien mit Menschen mit Typ-1-Diabetes, die CGM-Sensoren trugen, war das Haupthindernis für eine erfolgreiche Nutzung, wenn die Patienten sich von der Fülle an Informationen überfordert fühlten.

Wie erklären Sie sich das?

Ein CGM-Sensor liefert erst einmal nur eine Menge Daten. Die Frage ist: Was mache ich damit? So muss man sich etwa den Impuls verkneifen, bei jedem Zuckeranstieg gleich zu spritzen. Außerdem kann der Diabetes im Alltag präsenter sein. Nicht jeder will immer und im Detail mitbekommen, wie sich eine Pizza auf die Werte auswirkt. Mit diesen Dingen umzugehen kann man aber zum Beispiel in einer Schulung lernen.

Wie sieht das bei Gesundheits-Apps aus?

Hier ist es ähnlich. Ein Schrittzähler etwa kann eine Unterstützung sein. Er kann aber auch stressen, wenn ich mein Mindestziel wieder einmal nicht erreicht habe. Man muss immer individuell sehen, welche Informationen einen wirklich weiterbringen.

Wie entscheidend ist es, ob ich mit moderner Technik vertraut bin?

Das spielt kaum eine Rolle. Berührungsängste gegenüber Technik gibt es zwar, gerade bei Älteren. In der Praxis ist das selten ein Hindernis. Ein Smartphone ist heute einfacher zu bedienen als ein Videorekorder aus den 80er-Jahren.

Thomas Kubiak ist Professor für Gesundheitspsychologie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Er forscht zum Patientenerleben bei CGM-gestützter Diabetestherapie


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