Sieben Diabetes-Mythen im Check

Rund um die Zuckerkrankheit kursieren eine Menge Geschichten. Doch was stimmt und was nicht? Unsere Experten klären auf

von Tina Haase, 09.03.2018
Junge Frau belohnt sich mit Schokolade

Nichts Süßes bei Diabetes? Stimmt nicht ganz


1. Wer dick ist, bekommt irgendwann auch Diabetes

Falsch! "Es gibt auch dicke Menschen, die nicht ­an Diabetes erkranken", sagt Diabetologe Bernd-Michael Scholz. Allerdings bleibt Übergewicht neben Bewegungsmangel der Hauptauslöser für Typ-2-Diabetes.

2. Blutzuckersenker führen zu Unterzuckerungen

Jein, nur manche. "Vor allem Sulfonylharnstoffe können Hypoglykämien auslösen", so Experte Scholz. "Sie stimulieren die Insulinausschüttung unabhängig davon, wie hoch der Blutzucker ist." In der Kombinationstherapie können manche Diabetes-Pillen das Unterzuckerungsrisiko durch Sulfonylharnstoffe und Insulin verstärken. Metformin aber führt als Einzelwirkstoff nicht zu Unterzuckerungen. Es hemmt die Glukose­produktion in der Leber und verbessert die Zuckeraufnahme in den Muskeln.

3. Schokolade ist die beste Hilfe bei Unterzucker

Nein, es gibt bessere! "Schoko­lade enthält Fett. Und dieses verlangsamt die Aufnahme des Zuckers ins Blut", erklärt Ernährungswissenschaftlerin Tessa Rehberg aus Dresden. Besser geeignet bei einer Unterzuckerung sind Traubenzucker und zuckerhaltige Getränke. "Sie gehen schnell ins Blut und erhöhen den Blutzucker quasi sofort", so Expertin Rehberg.

4. Nur Kinder bekommen Typ-1-Diabetes

Nein! "Typ-1-Diabetes tritt zwar häufig bei Kindern und Jugendlichen auf. Aber auch Erwachsene können daran erkranken", sagt Bernd-Michael Scholz, Diabetologe in einer Schwerpunktpraxis in Hamburg. "Manchmal sogar noch in hohem Alter." Die Betroffenen müssen eine intensivierte Insulintherapie erhalten. "Manchmal wird dieser Diabetestyp bei älteren Menschen aber anfangs fälschlicherweise für einen Typ-2-Diabetes gehalten und zunächst mit Tabletten behandelt", so Bernd-­Michael Scholz. Meist zeige sich aber schnell, dass die Pillen nicht wirken und eine Therapie mit ­Insulin nötig ist.

5. Finger weg von Süßigkeiten!

Stimmt nicht ganz. Auch wer Diabetes hat, darf grundsätzlich alle Lebensmittel essen. Aber natürlich in Maßen. "Höchstens zehn Prozent der Kalorien, also 30 bis 50 Gramm täglich, dürfen aus Zucker bestehen. Wenn möglich, weniger", erklärt Ökotrophologin Tessa Rehberg. Dazu gehöre auch versteckter Zucker – etwa in Fertiggerichten. "Auf reinen Zucker, der in Saft, Limo und Bonbons steckt, sollte man möglichst ganz verzichten", sagt Rehberg. "Außer zur Behandlung von Unterzucker." Wenn schon Zucker, dann besser in verpackter Form, also in Verbindung mit Ballaststoffen, Fett oder Eiweiß. So gelangt er langsamer ins Blut, der Blutzucker steigt nicht so schnell an. "Diese Spielregel erlaubt einem sogar, sich ab und zu mit gutem Gewissen ein Eis mit Schlagsahne zu gönnen", sagt die Ernährungswissenschaftlerin.

6. Zum ­Insulinspritzen muss man immer eine Hautfalte bilden

Falsch! Obwohl das Menschen mit Diabetes vor Jahren noch so gelernt haben, stimmt es zumindest nicht immer. "Früher waren die Nadeln länger", weiß Babette Müller, Diabetesberaterin an den DRK Kliniken Berlin Westend. "Die Falte zum Spritzen dient dem Abheben des Unterhautfettgewebes vom Muskel." Insulin im Muskel tut weh und wirkt zu schnell. Bei den heute üblichen vier bis fünf Millimeter langen Nadeln ist das Bilden einer Falte aber nicht mehr nötig. Manchen Diabetikern fällt es dennoch leichter, in eine Hautfalte zu stechen. "Das ist auch kein Problem", so die Diabetesberaterin.

7. Kein Sex bei Diabetes & Herzproblemen!

Falsch. "Sex macht Spaß und ist auch gut fürs Herz", sagt Diabetologe ­­Bernd-Michael Scholz. Wer die Treppen in den dritten Stock ohne Probleme nimmt, der kann auch ge­fahrlos Sex haben. Ärzte empfehlen ihren Patienten bei den meisten Herzerkrankungen wie der koronaren Herzerkrankung oder der Herz­schwäche ohnehin Bewegung. "Natürlich sollte man es weder beim Sport noch beim Geschlechtsverkehr übertreiben", sagt Scholz. Bei schweren Herz­erkrankungen wird Sie Ihr Arzt gegebenenfalls warnen. Das Risiko für Herzleiden ist bei Diabetikern deutlich erhöht. Mit guten Blutzuckerwerten lässt sich das Herz aber fit halten.


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