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Typ-1- und Typ-2-Diabetes: Gemeinsam stark

Dagmar L. (66) hat seit 21 Jahren Diabetes Typ 1. Bei ihrem Mann Eckhard L. (67) wurde vor einem Jahr Typ 2 festgestellt. Hier erzählen sie, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es im Alltag mit der Krankheit gibt

von Tina Haase, 29.11.2019
Diabets Typ 1 und 2

Täglich aktiv: Dagmar L. und Eckhard L. bei einem Spaziergang mit ihrem Hund


Haben Sie heute schon Blutzucker gemessen?

Dagmar: Na klar, das ist das erste, was ich morgens mache. Seitdem ich einen Sensor trage, der kontinuierlich den Zucker misst, überprüfe ich ihn mindestens 20-mal am Tag.

Eckhard: Nein, heute noch nicht. Ich messe nur drei- oder viermal die Woche.

Und was haben Sie zum Frühstück gegessen?

Dagmar: Es gab selbst gebackenes Vollkornbrot – mit Marmelade und Wurst.

Eckhard: Ich habe davon eine Scheibe mit Marmelade und eine mit Käse gegessen.

Wie haben Sie das berechnet?

Dagmar: Das Frühstück hatte 34 Gramm Kohlenhydrate. Diese Zahl habe ich in meine Pumpe eingegeben. Sie berechnet dann, wieviel Insulin sie dafür abgeben muss. Auf Knopfdruck fließt das Insulin in meinen Körper. Das mache ich zu jeder Mahlzeit so.

Eckhard: Ich habe eine Tablette genommen. Ich muss nichts berechnen, weil ich kein Insulin spritze. Zum Mittagessen nehme ich auch eine Tablette. Die Pillen sorgen dafür, dass mein Blutzucker nicht so stark ansteigt.

Achten Sie generell auf eine gesunde Ernährung?

Dagmar: Ja, wir essen viel Gemüse, Salat, Nudeln aus Hülsenfrüchten, Vollkornprodukte, aber auch Fisch und Fleisch. Seitdem ich weniger Kohlenhydrate esse, sind meine Blutzuckerwerte viel besser. Außerdem habe ich in den letzten Jahren 40 Kilo abgenommen.

Eckhard: Ich esse, was Dagmar auf den Tisch stellt. Ich bin da sehr bequem. Seitdem ich vor einem Jahr die Diagnose bekommen habe, ziehe ich mit. Wir kaufen so gut wie keine Süßigkeiten mehr. Ich habe schon knapp zehn Kilo abgenommen.

Wie fiel der Diabetes bei Ihnen auf?

Dagmar: Ich hatte unglaublichen Durst, musste ständig auf die Toilette. Da mein Großvater Typ 1 hatte, hegte ich einen Verdacht, machte mit Teststreifen aus der Apotheke einen Urintest auf Zucker. Die Farbe, dunkellila, die er anzeigte, war schon gar nicht mehr auf der Skala. Beim Arzt hatte ich dann einen Nüchternzucker von 380. Viel zu hoch. Er tippte auf Typ-2-Diabetes, weil ich übergewichtig und schon Mitte 40 war und gab mir Tabletten. Doch die schlugen nicht an. Ein Diabetologe stellte dann fest, dass ich Typ 1 habe und stellte mich auf Insulin um.

Eckhard: Ich fühlte mich gar nicht krank. Mein Diabetes fiel bei der jährlichen Kontrolluntersuchung beim Hausarzt auf. Nachdem mein Nüchternzucker zu hoch war, bestimmte der Arzt meinen Langzeitblutzucker. Auch der war viel zu hoch. Ich bekam Tabletten, die nach drei Monaten schon Wirkung zeigten.

Wo sind Sie jetzt ärztlich in Behandlung?

Eckhard: Immer noch bei meinem Hausarzt.

Dagmar: Bei einer Diabetologin. Sie hat sich auch dafür eingesetzt, dass ich eine Insulinpumpe bekomme. Meine Blutzuckerschwankungen, besonders in der Nacht, hätte ich sonst nicht in den Griff bekommen.

Haben Sie Schulungen besucht?

Dagmar: Ja, vor 21 Jahren und vor Kurzem. Ich habe gemerkt, dass eine Auffrischung bitter nötig war.

Eckhard: Nein, noch nicht. Aber ich lerne ja alles von Dagmar.

Dagmar: Eckhard, du solltest aber unbedingt mal eine spezielle Schulung für Typ-2-Diabetes machen.

Gab es schon mal Notfälle wegen des Diabetes?

Dagmar: Oh ja, zwei mal ging es mir richtig schlecht. Ich war handlungsunfähig, weil ich unterzuckert war. Zum Glück war Eckhard beide Male dabei und half mir.

Eckhard: Einmal musste ich ihr sogar leichte Backpfeifen geben, um sie zum Traubenzuckeressen zu animieren.

Haben Sie Angst vor Folgekrankheiten?

Eckhard: Über Spätfolgen denke ich eigentlich nicht nach. Da würde ja meine Lebensqualität sinken. Ich bin kein Grübler.

Dagmar: Ich habe schon Angst davor. Leider habe ich bereits leichte Folgeschäden an Augen, Füßen und Nieren. Wahrscheinlich aus früheren Jahren mit dem Diabetes, in denen ich mich nicht ausreichend darum gekümmert habe. Mein Job als Energieberaterin war mir wichtiger. Jetzt weiß ich: Wenn die Schäden erst einmal da sind, lassen sie sich nicht mehr rückgängig machen. Nur aufhalten. Heute behandele ich den Diabetes konsequent mehrmals am Tag und bin gut eingestellt.

Wie motivieren Sie sich gegenseitig?

Dagmar: Wir spornen uns gegenseitig an, gesund zu essen und uns viel zu bewegen. Seitdem Eckhard Diabetes hat, kämpfe ich für ihn mit.

Eckhard: Bei der Bewegung hilft unser Schäferhund Ari, der regelmäßig seine Runden gehen möchte.

Was ist leichter an Ihrem Diabetestyp?

Dagmar: Ich habe immer meinen Blutzucker im Blick. Denn ich muss ihn ja auf jede Aktivität, auf jedes Essen, auf jede Gemütslage abstimmen. Ist er zu hoch, kann ich eingreifen und Insulin geben.

Eckhard: Ich nehme meine Tabletten und das war es.

Dagmar: Aber Eckhard, du hast deine Werte leider gar nicht im Blick wie ich. Die Krankenkasse zahlt weder Teststreifen noch Sensoren, weil du kein Insulin spritzt. Aber selbst wenn du feststellst, dass du einen erhöhten Blutzucker hast, kannst du nicht eingreifen.

Eckhard: Ja, das stimmt. Das ist ein Nachteil. Vielleicht ist mein Langzeitblutzucker deswegen auch schlechter als deiner, Dagmar.

Wie profitieren Sie voneinander?

Dagmar: Ich habe von Eckhard gelernt, ein bisschen gelassener zu sein, Dinge so anzunehmen wie sie sind und das Beste daraus zu machen. Er unterstützt mich ungemein. Hat immer ein Auge auf mich. Nachts etwa, wenn ich schlafe und komisch atme, guckt er nach meinem Blutzucker.

Eckhard: Dagmar hat sich viele Jahre mit Diabetes beschäftigt und erklärt mir immer wieder neue Sachen. Wir sprechen oft über die Krankheiten und wie wir sie in Bann halten. Ich bin froh, dass ich nicht alleine damit bin.

Was war Ihr schönstes Erlebnis in Bezug auf den Diabetes?

Dagmar: Ehemalige Arbeitskollegen luden uns zum Kaffee ein und stellten eine Haselnuss-Schoko-Low-Carb-Torte auf den Tisch mit den Worten "Ihr seid doch Diabetiker, da haben wir speziell für euch gebacken". Das ist eine Torte mit relativ wenig Kohlenhydraten. Eine wahnsinnig nette Geste. Die Torte haben wir uns schmecken lassen.


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