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Diagnose Diabetes – Mein neues Leben

Zeit für den Wandel: Drei Menschen erzählen, wie der Diabetes sie dazu brachte, ihr Leben zu verändern

von Tina Haase und Daniela Pichleritsch, 27.03.2019
Diabetikerin

Mutter-Tochter-Tag: Seit dem Jobwechsel kann Janine Pilar mehr Zeit mit ihrer Tochter Romina verbringen, die Typ-1-Diabetes hat


Eine Diagnose, ein Albtraum, die Bitte der diabeteskranken Tochter: Drei Menschen erzählten uns von den Schlüsselmomenten, die ihr Leben positiv veränderten. Sabine Gangloff, ehemalige Vertriebsleiterin einer Versicherung, und Schauspieler Tetje Mierendorf leben jetzt gesünder. Janine Pilar, Mitarbeiterin im Jugendamt, hat heute mehr Zeit für ihre Familie.

Antrieb durch den Diabetes

Lebensereignisse wie eine Diabetes-Diagnose sind für manche Menschen ein Anlass, neu darüber nachzudenken, wie das Leben künftig aussehen soll. Das zeigte etwa eine aktuelle Umfrage des Diabetes Ratgeber. "Mein Diabetes hat mir Antrieb gegeben nach dem Motto: Trotz Krankheit — jetzt erst recht!" Dieser Aussage stimmten 51 Prozent der befragten Diabetiker zu. Doch wie schafft man dann auch den Wandel zu einem besseren Leben? "Zunächst muss man genau überlegen, was hilft, damit es einem besser geht", sagt Dr. Rita R. Trettin, Neurologin, Psychiaterin und Psychotherapeutin in Hamburg. Bei Janine Pilar war es der Jobwechsel. Ihre Familie bestärkte sie darin. "Eine gute Begleitung ist extrem wichtig", sagt die Fachpsychologin für Diabetes. Geht es etwa um das Abnehmen, helfen Arzt, Ernährungsberater, Trainer und eine Sportgruppe mit Gleichgesinnten.

Erfolgserlebnisse motivieren

Anfangs kostet die Umstellung oft viel Kraft. Doch irgendwann gibt es Erfolgserlebnisse, etwa eine Gewichtsabnahme. "Das motiviert natürlich", sagt Expertin Rita R. Trettin. "Viele Menschen fragen sich rückblickend oft, warum sie nicht schon viel früher ihr Leben geändert haben."

Janine Pilar (39) mit ihrer Tochter Romina (6) aus Berlin:

Rominas Bitte überzeugte mich

"Als Romina vor fast vier Jahren Typ-1-Diabetes bekam, brachte das unseren Familien­alltag ganz schön durcheinander. Björn, mein Freund, und ich arbeiteten in der Spielbank in Potsdam. Im Schichtdienst — auch am Wochenende. Nach der Diagnose legten wir unsere Dienstzeiten so, dass immer einer von uns in Rominas Nähe sein konnte. Schichten, Fahrerei und Diabetes: Das war auf Dauer anstrengend für alle. Einer war meistens unterwegs. Als Romina irgendwann zu mir sagte: "Mama, es wäre so schön, wenn du mehr für mich da bist und nicht mehr am Wochenende arbeiten musst", war mir klar, dass ich was ändern muss. Ich schrieb mehrere Bewerbungen. 2017 wurde ich für eine Stelle im Jugendamt in Berlin eingeladen. Im Bewerbungsgespräch erzählte ich sogar von Romina und ihrem Diabetes. Ich wurde eingestellt. Was für ein Glück: Der Job macht Spaß, ich habe flexible Arbeitszeiten, muss weder am Wochenende noch an Feiertagen arbeiten und auch nicht mehr so weit fahren. Unser Leben hat sich entspannt. Und wenn Björn um vier Uhr nachts von der Arbeit nach Hause kommt, übernimmt er sogar die nächtliche Blutzuckerkontrolle bei Romina."

Kletterwald

Schauspieler, Synchronsprecher und Motivator Tetje Mierendorf (46) aus Hamburg:

Ein Albtraum rüttelte mich auf

"40 Jahre lang spielte ich den lustigen Dicken. Als Kind, um mich von meinem sportlichen Bruder abzugrenzen. Später als Schauspieler, etwa in meiner Rolle als "der große, dicke, peinliche Verlobte". Ich fühlte mich wohl unter meinem Schutzmantel aus Fett. Trotz meiner 180 Kilo war Abnehmen nie Thema für mich. Auch nicht, als ich 2005, mit 33 Jahren, die Diagnose Typ-2-Dia­betes bekam. Ich habe weiter zu viel und zu süß gegessen — oft zehn Tafeln Schokolade täglich. Umzudenken begann ich, als 2012 meine Tochter auf die Welt kam und kurz darauf mein lieber Kollege Dirk Bach starb. Aber es dauerte noch zwei Jahre, bis mein Übergewicht zum Feind wurde: Ein Online-Test prophezeite mir eine Lebenserwartung von noch zwei Jahren. Daraufhin sah ich im Traum meine Tochter mit einem anderen Vater. Ich machte einen Zuckerentzug und fing an, ins Fitnessstudio zu gehen. Heute wiege ich 70 Kilo weniger und brauche keine Diabetesmedikamente mehr. Einmal habe ich noch den Dicken gespielt — als Shrek im Musical. Dafür musste ich ein Fettkostüm tragen. Hauptberuflich bin ich jetzt Vortragsredner: Ich motiviere die Leute, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen."

Diabetikerin

Sabine Gangloff (58) aus Zschernitz bei Leipzig:

Die Diagnose rettete mich

"Ich lebe gerade mein zweites Leben. Es begann 2015 mit der Diagnose meines Typ-2-Dia­betes. Zeitgleich verstarb eine Bekannte von mir an einer Folge ihres Diabetes: Nierenversagen. Das hat mich schockiert. "So möchte ich nicht enden", dachte ich mir. Aber was tun? Ich wog fast 145 Kilogramm, hatte einen stressigen Job bei einer Versicherung, wenig Zeit. Stück für Stück stellte ich mein Leben um. Maßnahme Nummer 1: eine Ernährungsberatung. Dort lernte ich, gesund und kohlenhydratarm zu essen. Ich erfuhr aber zum Beispiel auch, dass eine Stunde Wassergymnastik nicht mal so viele Kalorien verbrennt, wie ein Stück Kuchen hat. Maßnahme Nummer 2: Ich begann zu walken, zu schwimmen und mit Wassergymnastik. Maßnahme Nummer 3: Ich hörte auf zu arbeiten. Denn ich stellte fest, ich schaff das alles gar nicht nebenbei, obwohl mich mein Mann und meine Kinder unterstützten. Und ich muss zugeben: Ich bin ein Stress-Esser. Inzwischen wiege ich 50 Kilo weniger und passe in Kleidergröße 44/46. ­Einziger Wermutstropfen: Mein Blutzucker-Langzeit­wert ist trotz meines gesunden Lebens noch nicht optimal. Mein Arzt tüftelt gerade an einem anderen Medikamentenmix."


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