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Der Nutri-Score: Mehr Durchblick mit der Ampel?

Was die neue Nährwertkennzeichnung leistet und warum sie nicht alle Ernährungsfragen löst

von Alexandra von Knobloch, 17.03.2020

Was ist der Nutri-Score?

Das neue Nährwert-Logo präsentiert sich in Ampelfarben mit den Buchstaben A bis E. Ein grünes A signalisiert gesund, ein rotes E deutet auf ungünstige Nährwerte. Der Nutri-Score soll Verbrauchern die gesunde Wahl beim Einkauf erleichtern

Nutri-Score: Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln (Ampelsystem)

Unterwegs im Supermarkt: Vorbei an mehreren Metern mit prächtigen Käsesorten. Joghurt, Wurst, Tiefkühlpizza, fertige Fischgerichte und vorgekochte Gemüsebeilagen — alles in zig Varianten. Was einem schmeckt, weiß man fast immer. Aber welches Produkt passt zu einem gesundheitsbewussten Lebensstil? Eine neue Kennzeichnung, der Nutri-Score, soll es Verbrauchern erleichtern, eine bessere Essens-Wahl zu treffen — besonders dort, wo viele ähnliche Fertigprodukte in den Regalen stehen.

Im Lauf des Jahres sollen in den Supermärkten zunehmend mehr Lebensmittelverpackungen mit einem Nährwert-Logo versehen sein. So plant es Bundesernährungsministerin Julia Klöckner. Die Kennzeichnung ist freiwillig.

Auf wissenschaftlicher Basis

Das Bewertungssystem haben französische Wissenschaftler an der Universität Paris-Nord entwickelt. Frankreich hat es 2017 eingeführt, kennzeichnet allerdings noch nicht alle Produkte. Seit Jahren prüfen die Forscher in Studien, ob der Nutri-Score etwas bewirkt. "Die Vorteile sind unverkennbar", sagt Barbara Bitzer, Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und Sprecherin der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK).

Vor einigen Monaten errechneten die französischen Wissenschaftler, wie sich ernährungsbedingte Krankheiten verringern ließen, würde das Nutri-Score-­­Label konsequent angewendet. Die Menschen würden mehr Obst, Gemüse und ballaststoffreiche Lebensmittel in ihre Einkaufswagen packen und weniger Produkte mit viel Salz und reichlich gesättigten Fettsäuren. Infolgedessen würde, so sagen die Forscher voraus, die Zahl der Todesfälle durch Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Darmkrebs um 3,4 Prozent zurückgehen.

"Diese Zahlen lassen sich nicht direkt auf Deutschland übertragen", sagt Bitzer. "Es steht jedoch außer Zweifel, dass der Nutri-Score den Verbrauchern bei einer gesünderen Lebensmittel-Auswahl hilft." Die Begeisterung über den Nutri-­Score ist unter Ernährungsexperten und Verbraucherschützern auch deshalb groß, weil in Frankreich erste Nahrungsmittelkonzerne ihre Rezepturen zum Gesünderen ändern.

"Wir sind glücklich, dass sich endlich etwas tut", sagt eine Sprecherin der Verbraucherzentrale Hamburg. Mehr als ein Jahrzehnt hatte das Ringen um wertende Lebensmittelkennzeichnungen gedauert. Zuletzt hatte der Lebensmittelverband Deutschland ein eigenes kleinteiliges und pastellfarbenes Logo entwickelt. Bei einem Verbrauchertest des Ernährungsministeriums war es aber ebenso durchgefallen wie der vom Ministerium in Auftrag gegebene Entwurf. "Die Menschen wünschen sich eine schnelle Orientierung beim Einkauf", erklärt Bitzer. Sie muss im Vorbeigehen funktionieren — ohne Lesebrille oder Rechenübung.

Abzug für Fett und Kalorien

Kritiker bemängeln die starke Pauschalierung bei der Bewertung. Zum Beispiel schnitt Olivenöl als pures Fett zunächst sehr schlecht ab. Die — im Vergleich zu vielen anderen Ölen — günstige Zusammensetzung der Fettsäuren war nicht berücksichtigt worden.

Berechnet wird der Nutri-Score auf Basis der Inhaltsstoffe: Eiweiße, Ballaststoffe oder Gemüse beispielsweise werten ein Produkt auf. Abzüge gibt es etwa für Zucker, Salz und hohen Kaloriengehalt. So entsteht die Gesamtnote. Inzwischen erhält Olivenöl ein mittelgutes C. Der Grund: Die Entwickler haben ihre Bewertungskriterien angepasst. Das wollen sie auch weiterhin bei Bedarf tun.

Eigenverantwortung bleibt

Dennoch bleibt Vorsicht geboten: Pommes frites aus dem Back­ofen erreichen ein grünes B. Wer seine Fritten nachsalzt oder im Ölbad einer Fritteuse versenkt, hat aber kein B mehr auf dem Teller, sondern eher ein E. "Ein Lebensmittel-Logo kann einem die Verantwortung für die eigene Ernährung nicht abnehmen", betont Expertin Bitzer. "Es ermöglicht aber eine bewusstere Entscheidung." Ausgewogene Ernährung, Gewichtskontrolle, die Teilnahme an Schulungen und ausreichend Bewegung bleiben aber weiterhin die Eckpfeiler, um das Risiko für Folge­erkrankungen des Diabetes gering zu halten.


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