Die Wahrheit über Gluten, Laktose und Co.

Laktosefrei, glutenfrei, fettfrei: „Frei“ ist derzeit der Lieblingszusatz bei Lebensmitteln. In den meisten Fällen ist der Verzicht aber gar nicht nötig

von Cornelia Menner, 22.02.2017
Gedeck

Leerer Teller: Was darf man heute überhaupt noch guten Gewissens essen?


Weizen macht dick und krank! Milchzucker bläht den Bauch! Fett macht fett! Die Werbung ist voll von Warnungen, das Angebot an Spezial-Lebensmitteln mit dem Zusatz "frei" schier unerschöpflich.

Glutenfreie Nudeln, fettfreie Wurst – sogar manche Chips im Supermarkt werden schon mit dem absatzfördernden Hinweis "laktosefrei" vertrieben. Isst eigentlich irgendjemand in Deutschland noch normal? Und wie verträgt sich das Ganze mit dem Diabetes?

Zunächst einmal: Der Nutzen solcher Spezialprodukte ist umstritten. Die meisten Menschen brauchen sie nicht und haben auch nichts davon. "Gesünder" sind sie in der Regel nämlich nicht – mit Ausnahmen. Welche das sind? Ein Überblick.

Laktosefrei

Milch

Wo steckt Laktose drin? Laktose ist der Fachbegriff für Milchzucker, der sich etwa in Milch, Sahne, Joghurt und Co. findet. Laktose versteckt sich manchmal aber auch in Lebensmitteln wie Pommes frites, Knäckebrot oder sogar Süßstofftabletten.

Warum kann Laktose Probleme bereiten? Milchzucker wird bei der Verdauung im Dünndarm vom Enzym Laktase gespalten. Bildet der Körper zu wenig Laktase, gelangt der Milchzucker unverdaut in den Dickdarm. Die Folge können Blähungen, Krämpfe und Durchfall sein.

Wen trifft das? Alle, die eine Laktose-Unverträglichkeit haben. "In Deutschland sind das etwa zehn von hundert Menschen, in Südeuropa oder Asien erheblich mehr", sagt Ernährungswissenschaftlerin Dr. Margareta Büning-Fesel vom aid infodienst. Die Betroffenen profitieren von laktosefreien Produkten. Alle anderen nicht. Gut zu wissen: Hartkäse und Sauermilchprodukte enthalten keine Laktose, erklärt Ernährungswissenschaftlerin Dr. Astrid Tombek von der Diabetes-Klinik Bad Mergentheim.

 

Nussfrei

Walnüsse

Wo stecken Nüsse drin? In zahllosen Produkten, etwa Schokolade, Knabbereien, Kuchen.

Wer braucht "nussfrei"? Wer unter einer Nuss-Allergie leidet, muss die entsprechenden Nüsse (etwa Hasel- oder Walnuss) unbedingt meiden. Sonst droht im Extremfall ein lebensgefährlicher allergischer Schock. Für alle anderen Menschen ist "nussfrei" überflüssig.

 

Glutenfrei

Lasagneplatten

Wo steckt Gluten drin? Egal ob Brötchen, Nudeln oder Croissants: War bei der Herstellung Mehl aus Weizen, Gerste oder Roggen dabei, ist auch das Klebereiweiß Gluten im Spiel.

Für wen ist Gluten problematisch? Ein kleiner Teil der Menschen in Deutschland leidet an einer zum Teil erblich bedingten Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie). Gluten führt bei ihnen zu einer Entzündung der Dünndarmschleimhaut, Verdauungsstörungen und weiteren Symptomen. Betroffene müssen Gluten konsequent meiden.

Und alle anderen? Wer keine Gluten-Unverträglichkeit hat, hat von "glutenfrei" keinerlei  Nutzen. Im Gegenteil: Der Verzicht kann im schlimmsten Fall zu einer Fehlernährung führen.

Was hat "glutenfrei" mit Diabetes zu tun? Zöliakie ist eine Mischform aus Autoimmunerkrankung und Allergie. Menschen mit der Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes erkranken auch häufiger an einer Zöliakie. Die genauen Zusammenhänge sind nicht bekannt.

Dennoch haben Diabetiker nichts davon, vorbeugend auf Gluten zu verzichten. Ernährungswissenschaftler Dr. Matthias Riedl aus Hamburg rät vielmehr, auf das Bauchgefühl zu achten, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: "Wer immer wieder Magen-Darm-Beschwerden hat, kann sich beim Arzt  auf eine Glutenunverträglichkeit testen lassen", rät er. Bluttests alleine reichen zur Sicherung der Diagnose jedoch nicht – dafür ist eine Gewebeprobe erforderlich, die im Rahmen einer Magen-Darm-Spiegelung aus der Dünndarmschleimhaut entnommen wird.

 

Fettfrei

Olivenöl

Wer braucht fettfrei? Niemand. Fett hat zwar viele Kalorien, aber es ist auch ein wichtiger Baustein unserer Zellwände und unter anderem an der Produktion von Hormonen beteiligt. Etwa 30 Prozent der täglich zugeführten Kalorien dürfen aus Fett bestehen, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Und zwar am besten aus pflanzlichen Fetten. "Diese liefern viele ungesättigte Fettsäuren, die unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken können", so Ernährungswissenschaftlerin Tombek. Ungünstig sind tierische Fette, die es möglichst zu meiden gilt.

Macht fettfrei schlank? "Wer abnehmen will, muss auf die Kalorienbilanz  achten", sagt Tombek. "Es bringt nichts, Fett zu sparen und bei anderen Lebensmitteln zuzuschlagen."

Achtung, Fettfrei-Falle: Häufig enthalten fettfreie Produkte, etwa ein fettfreier Fruchtjoghurt, viel Zucker. Dann ist nichts gewonnen. Also: auf die Zutatenliste schauen!

 

Zuckerfrei

Brauner Zucker

Wer braucht zuckerfrei? Stimmt schon: Wir essen zu viel Zucker. Gegen einen gelegentlichen Teelöffel im Espresso oder eine kleine Portion Süßes ist aber nicht grundsätzlich etwas einzuwenden.

Was ist mit süßen Getränken? Sie taugen zur schnellen Hilfe bei einer Unterzuckerung, aber nicht als Durstlöscher. Der gelöste Zucker geht schnell ins Blut und lässt den Blutzucker in die Höhe schießen. Zudem liefert er reichlich dick machende Kalorien. Also besser Mineralwasser oder ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees trinken.

Ist "light" die bessere Wahl? Lebensmittel und Getränke mit dem Zusatz "light" enthalten Süßstoffe. Sie stehen im Verdacht, bei übermäßigem Verzehr Übergewicht und Typ-2-Diabetes zu fördern. Zudem gewöhnen sie unseren Körper an die "Süßlust".

Achtung, Zuckerfrei-Falle: Ist das Produkt wirklich zuckerfrei? Schauen Sie aufs Etikett: Maltodextrin, Fruktose, Dextrose – hinter all diesen Begriffen verbirgt sich Zucker!


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