Pflanzliche Zucker-Alternativen im Check

Honig, Stevia, Ahornsirup: Sind diese natürlichen Süßungsmittel besser als Zucker? Wir machen den Test

von Andrea Grill, 21.04.2017

Stevia: Für den Süßstoff werden Blätter der Stevia-Pflanze verarbeitet


Soll ich lieber mit Honig süßen? Ist brauner Zucker gesünder als weißer? Viele Menschen mit Diabetes stellen sich solche Fragen. Weil die weißen Kristalle den Blutzucker in die Höhe treiben, dick machen und an den Zähnen nagen, suchen sie nach gesunden Alternativen.

Weißer Zucker wird aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr hergestellt. Die Rohstoffe werden in einem aufwendigen industriellen Verfahren (Raffination) aufbereitet. Andere aus Pflanzen gewonnene Süßungsmittel wie Ahornsirup, Honig oder Apfeldicksaft sind dagegen relativ naturbelassen. Gesünder für Diabetiker macht sie das aber noch nicht.

Natürliche Süßungsmittel clever einsetzen

"Auch natürliche Süßungsmittel sind kalorienreich und beeinflussen den Blutzucker", sagt Brigitte Völkl, die als Ernährungswissenschaftlerin in einer Apotheke in Bayreuth arbeitet. Zu reichlich genossen, haben sie die gleichen Nachteile wie der Haushaltszucker. "Wer also mehr verwendet, nur weil er mit einer ‚gesunden‘ Alternative süßt, der hat nichts gewonnen!"

Clever eingesetzt, können Honig, Sirup & Co. aber durchaus zu einer gesunden Ernährung beitragen. Ihr Zuckergehalt liegt zwischen 65 und 80 Prozent, der Rest ist hauptsächlich Wasser. Ersetzt man Zucker in Rezepten 1:1 durch Pflanzensüße, spart man Kalorien ein. "Manche Naturstoffe, etwa Honig, haben außerdem eine stärkere Süßkraft als Zucker", so Expertin Völkl. Man komme deshalb mit weniger aus.

Obst: Mehr als nur süß

Die Hersteller werben gerne mit "wertvollen" Mineralstoffen und Vitaminen der natürlichen Zucker-Alternativen. Brigitte Völkl sieht das nüchterner. Die enthaltenen Mengen seien so gering, dass sie praktisch keinen Effekt hätten. "Essen Sie lieber Gemüse und Obst, um sich mit Vitaminen, Antioxi­danzien und Mineralstoffen zu versorgen", rät Völkl.

Anders als Haushaltszucker haben alle Pflanzensüßen einen typischen Eigengeschmack. Finden Sie heraus, welche Aromen wozu gut passen. Unsere Steckbriefe liefern die wichtigsten Infos.

Stevia

Herstellung: In einem chemischen Verfahren aus den Blättern der Steviapflanze extrahiert

Herkunft: Südamerika

Geschmack: Abhängig von der Menge neutral bis lakritzartig bitter

Zuckergehalt: 0

Kilokalorien je 100 g: keine

Besonderheiten: In Europa ist nur Steviaextrakt als Lebensmittel zugelassen, nicht die Blätter der Pflanze

Tipp: Etikett beachten – vielen Steviaprodukten ist herkömmlicher Zucker oder Süßstoff beigemischt

Frucht-Dicksäfte

Herstellung: Stark konzentrierter, zähflüssiger Saft aus Äpfeln oder Birnen

Herkunft: Europa

Geschmack: Intensiv nach Obst

Zuckergehalt: 65 bis 80  Prozent

Kilokalorien je 100 g: 250 bis 350

Besonderheiten: Dicksäfte bestehen zu einem großen Teil aus Frucht­zucker (Fruktose)

Tipp: Wegen des hohen Fruktosegehalts als Süßungsmittel bei Diabetes nicht empfehlenswert

Ahornsirup

Herstellung: Eingedickter Pflanzensaft, der aus Ahornbäumen gewonnen wird

Herkunft: Nordamerika, Kanada

Geschmack: Helle Varianten schmecken mild, dunkle würzig

Zuckergehalt: 70  Prozent

Kilokalorien je 100 g: 270

Tipp: Heller Sirup eignet sich besser für kalte Gerichte, dunkler zum Kochen und Backen

Vollrohrzucker

Herstellung: Wird aus Zuckerrohrsaft gewonnen

Herkunft: Asien, Süd­amerika

Geschmack: Leicht nach Karamell

Zuckergehalt: 95  Prozent

Kilokalorien je 100 g: 390

Besonderheiten: Nicht zu verwechseln mit braunem Zucker, einer gefärbten Variante des weißen Zuckers

Tipp: Trocken lagern, er zieht sonst Wasser und verklumpt

Honig

Herstellung: Von Bienen aus Blütennektar erzeugt

Herkunft: 80 Prozent des in Deutschland ver­kauften Honigs sind importiert, vor allem aus Nicht-EU-Ländern

Geschmack: Mild (helle Sorten) bis herb (dunkle Sorten)

Zuckergehalt: 75  Prozent

Kilokalorien je 100 g: 310

Tipp: Regionale Ware auf Wochenmärkten oder direkt beim Erzeuger kaufen

Zuckerrübensirup

Herstellung: Eingedickter Saft aus Zuckerrüben

Herkunft: Europa

Geschmack: Herb-malzig

Zuckergehalt: 65  Prozent

Kilokalorien je 100 g: 300

Besonderheiten: Enthält Eisen, Magnesium, Kalium

Tipp: Gut für kräftig schmeckenden Gewürzkuchen


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