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So haben sich die Kilos eingeschlichen

Langeweile, Hunger und gemütliche Sommerkleider: Annette F. (63) aus Coesfeld im Münsterland hat Typ-2-Diabetes. Sie berichtet, wie die Corona-Krise ihre Ernährung verändert hat

von Andrea Mayer-Halm, 11.11.2020
Frau in einer Sanddüne

Als es im Herbst kühler wurde, habe ich meine luftigen und bequemen Sommerkleider gegen Hosen eingetauscht. Und prompt habe ich bemerkt, dass die eine oder andere Hose nicht mehr passt, die T-Shirts um den Bauch herum spannen. Davor war mir das gar nicht aufgefallen. Ich habe dann eine Waage gekauft und musste feststellen, dass ich seit Beginn der Pandemie mehr als vier Kilo zugenommen habe. Und mein Langzeitzuckerwert war auch nicht mehr bei etwa sechs Prozent, sondern ist auf über sieben Prozent angestiegen.

Was hat sich mit Beginn der Pandemie verändert?

Ich wohne zusammen mit meinem Mann und meinem Stiefsohn auf dem Land. Zu Beginn der Pandemie hat immer mein Stiefsohn eingekauft. Obwohl mein Einkaufszettel schon ellenlang war, hat er es besonders gut mit uns gemeint und zusätzliche Leckereien mitgebracht. Und weil das Wetter im Frühling so schön war, haben wir sehr oft gegrillt. Ich habe neue Salate ausprobiert, Brot selbst gebacken und Kuchen. Dann kamen immer häufiger Freunde vorbei. Gemeinsam haben wir im Garten mit ausreichend Abstand an separaten Tischen gesessen und es uns nett gemacht. Ich habe mich in diesen Monaten richtig gut gefühlt. Beim Kochen und Backen war ich voll in meinem Element.

Wie viel habe ich für meine Fitness getan?

In den vergangenen Monaten habe ich mich definitiv zu wenig bewegt! Nachdem bei mir im August 2019 Diabetes Typ 2 festgestellt worden war, bin ich einmal die Woche zum Diabetiker-Sport gegangen. Wir waren rund ein Dutzend Frauen und Männer und haben zusammen Gymnastik und Ballspiele in der Halle gemacht. Das war immer sehr lustig und man konnte sich mit Gleichgesinnten austauschen. Aber aufgrund der Pandemie wurden ab April alle Termine abgesagt. Und bis jetzt ist der Kurs nicht wieder gestartet worden. Schade! Das hat mir immer so gutgetan.

Warum sind die Zusatzkilos klammheimlich immer mehr geworden?

Dass die Waage jetzt mehr anzeigt, war wohl die Kombination aus allem: wenig Bewegung, mehr Essen und Naschen. Ich hatte im Sommer ständig Hunger – vermutlich aus purer Langeweile. Mein altes Leben konnte ich ja gar nicht mehr leben. Ich arbeite als Mentorin für leseschwache Kinder und halte Lesestunden in Grundschulen ab. Außerdem bin ich Dozentin im Kunstverein Münsterland. Das alles und die Sportstunden sind durch die Pandemie weggefallen. Stattdessen hocke ich den ganzen Tag alleine zu Hause. Mein Mann ist den ganzen Tag bei seiner Arbeit. Dann drehen sich viele meiner Gedanken ums Essen und Kochen.

Wie sieht meine Strategie für die kalten Monate aus?

Die Knabbereien am Abend habe ich in den letzten Wochen durch Obstsalat ersetzt. Mein Mann und mein Stiefsohn bekommen noch einen Klecks Sahne drauf. Und wir essen jetzt viel mehr Gemüse und Fisch. Fleisch kommt kaum noch auf den Tisch. Ein, zwei Kilo bin ich schon wieder losgeworden. Für die Fitness bleiben mir aktuell nur die Spaziergänge mit meinen Hunden. Nur vom Haushalt mit Wischen und Saugen nehme ich nicht ab. Ich muss ganz gezielt in die Puschen kommen und mich regelmäßig an der frischen Luft bewegen. Das habe ich mir fest vorgenommen.

Wie blicke ich den kommenden Monaten entgegen?

Ehrlich gesagt fürchte ich mich vor den nächsten Monaten. Anfangs habe ich die Auswirkungen der Pandemie akzeptieren können. Wir sind im Frühjahr fast drei Monate lang zu Hause geblieben – und das war okay. Aber jetzt gehe ich kaum noch einkaufen, treffe mich nicht mehr mit Freunden. Mein Mann ist Fahrlehrer für Berufskraftfahrer. Und da haben wir richtig Angst, dass er sich trotz Mundschutz anstecken könnte. Ich bin in ständiger Alarmbereitschaft, ob er hustet oder Fieber hat. Das ist unsere allergrößte Sorge.


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