Was eine Ernährungsberatung bringt

Gesunde Ernährung ist eine wichtige Säule der Diabetes-Behandlung. Unterschiedliche Fachleute können einen dabei unterstützen, besser zu essen
von Dr. Sabine Haaß, 10.11.2017

Rezeptfreie Medizin: Der Arzt kann Tipps für eine gesündere Ernährung geben

Shutterstock/Stokkete

"Sie müssen abnehmen und Ihre Ernährung umstellen", hat der Arzt gesagt. Dann würden sich auch die Blutzuckerwerte wieder bessern. Und gut fürs Herz wäre es obendrein. Klingt ja prima. Wenn Sie nur wüssten, wie das so einfach gehen soll?

Am besten, indem Sie sich Hilfe holen – und zwar genau die, die Sie brauchen. Zumal die Diagnose Typ-2-Diabetes erst mal viele Fragen aufwirft: Was darf ich überhaupt essen und was nicht? Wie viele Kalorien am Tag sollten es sein, wie viele Mahlzeiten? Was hat es mit den Kohlenhydraten auf sich? Droht jetzt der Verzicht auf Zucker? Bücher und Internetseiten liefern da nur Antworten von der Stange. Doch jeder Mensch is(s)t anders und hat über Jahre eigene Gewohnheiten und Vorlieben entwickelt. Je mehr Sie diese berücksichtigen und je behutsamer Sie Ihre Ernährung ändern, desto besser sind die Aussichten, dass Sie dabeibleiben und langfristig abnehmen.

Ernährungsberatung vom Profi

Wertvolle Hilfe bietet dabei eine individuelle Beratung. Und zwar beim Profi. Das kann der Hausarzt sein, aber auch die Diabetesberaterin, eine selbstständige Ernährungsberaterin oder ein Experte in der Apotheke.

Dr. Oliver Abbushi, Allgemein­arzt im oberbayerischen Deisenhofen, klärt mit seinen Patienten vorab Grundsätzliches. Zum Beispiel ein Ziel für den Gewichtsverlust. "Fünf bis sechs Kilo im Jahr sind realistisch", sagt Abbushi. "Das bedeutet nicht das Ende aller Genüsse und macht einen Erfolg wahrscheinlicher." Und er rät, den Konsum zuckerreicher Getränke wie Cola, Limo oder Saft stark einzuschränken und damit schon mal große Kalorienmengen zu sparen. "Vielen ist das gar nicht bewusst", sagt er.

Patienten mit Diabetes kann der Hausarzt zur Schulung an eine diabetologische Schwerpunktpraxis überweisen. Vorausgesetzt, Sie sind in ein Disease-Management-Programm (DMP) Ihrer Krankenkasse eingeschrieben: ein spezielles Programm für chronisch Kranke, das es auch für Dia­betiker gibt.

Ernährungsgewohnheiten aufschreiben

Gesunde Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil der Schulung für Typ-2-Diabetiker. "In einer ­Gruppe von fünf bis acht Personen besprechen wir, welche Lebensmittel günstig für den Blutzucker sind und welche nicht, wie viel Obst und Zucker am Tag Sie essen können und vieles mehr", erzählt Birgit Adam, Diabetesberaterin in Neustadt an der Weinstraße.

Wer nach der Schulung noch Fragen hat, kann sie im Einzelgespräch mit der Diabetesberaterin loswerden, das bei ihr im Rahmen der vierteljährlichen ärztlichen Kontrollen stattfindet. "Bei Bedarf vereinbare ich zusätzliche Termine", sagt Birgit Adam. Klappt es mit der Ernährungsumstellung und dem Abnehmen nicht, bittet sie ihre Patienten, eine Woche lang zu dokumentieren, was sie essen und trinken. Anhand dieses Protokolls gibt sie individuelle Tipps. Bei DMP-Teilnehmern übernimmt die Krankenkasse sämtliche Kosten für die Beratungsgespräche.

Unterstützung beim Abnehmen: Weitere Angebote

Medizinische Abnehmprogramme an Kliniken: Für stark ­übergewichtige Menschen, auch mit ­Dia­betes. Voraussetzung für die Teilnahme ist in der Regel ein Body-Mass-­Index (BMI) von mindestens 30. Ein Team aus Ärzten, Ernährungsexperten, Sport­therapeuten und Psychologen betreut die Teilnehmer ambulant über zwölf Monate. Anfangs nehmen sie mit einer Formula-Diät mehrere Kilo pro Woche ab. Danach lernen sie, sich langfristig gesund und kalorien­reduziert zu ernähren, ihr Essverhalten zu kontrollieren und regelmäßig Sport zu treiben. Die Kosten werden von den Krankenkassen ganz oder teilweise ersetzt. Infos: Arzt, Kassen

Gewichtsmanagement per ­Telemedizin: Für Übergewichtige mit oder ohne Diabetes, Dauer­ bis zu zwölf Monaten. Diese Programme gibt es derzeit: SMART-Programm (Herz- und Diabeteszentrum NRW, www.hdz-nrw.de), ABC-Programm (Uni­klinikum Magdeburg, wird bundesweit angeboten, www.abcprogramm.de), ­TeLiPro (Deutsches Institut für Telemedizin und Gesundheitsförderung, www.ditg.de). Bei allen Programmen erhalten die Teilnehmer Geräte, die regelmäßig Daten zu Gewicht, Bewegung und Ernährung per Internet an den Betreuer übermitteln. Der berät per Mail oder Telefon. Kostenübernahme mit der Kasse klären

Abnehmkurse von ­Krankenkassen und Volkshochschulen: Kurse über acht bis zwölf Wochen, zu denen man sich in der Gruppe trifft. Mitglieder zahlen nichts. Für ähnliche Kurse anderer Anbieter, z. B. VHS, erstatten die Kassen bei regelmä­ßiger Teilnahme bis zu 80 Prozent der Kosten. Infos: Kassen

Abnehmcoaching online: Die großen Kassen bieten Abnehmprogramme im Internet mit Fernbetreuung durch ein Team von Fachleuten an. Dauer bis zu einem Jahr, Kosten­­erstattung wie bei Kursen vor Ort. Infos: Kassen


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