Was können Superfoods?

Chia, Goji und Moringa liegen voll im Trend. Doch brauchen wir die vermeintlichen Alleskönner wirklich?
von Andrea Grill, 13.10.2017

Super-Foods gelten als sehr gesund – sind aber teuer und ökologisch bedenklich

W&B/Dr. Ulrike Möhle

Es klingt schon so toll: Chiasamen gelten als "Nahrung der Götter" der Azteken im alten Mexiko, Amaranth als "Wunderkorn der Inkas". So zumin­dest preisen Werbetexter die Körner an. Und die Noni wird zur "traditionellen Heilfrucht" polynesischer Ureinwohner erklärt. Auch Gojibeeren oder Moringa sollen gesundheitliche Heilsbringer sein. Kein Wunder, dass der ernährungsbewusste Verbraucher sich die Milch mit Chiasamen andickt, ins Müsli Gojibeeren schüttet und seinen Salat mit einem Löffelchen Moringapulver veredelt.

"Superfoods" sind angesagt: Noch vor ein paar Jahren kannte fast niemand die exotischen Früchte, Saaten, Getreide. Inzwischen haben sie den deutschen Lebensmittelmarkt erobert. Doch was sind eigentlich Superfoods? Steckt dahinter nur ein Marketingtrick? Oder können sie wirklich mehr als unsere traditionellen Lebensmittel?

"Als Superfoods werden Lebensmittel beworben, die wegen ihrer Inhaltsstoffe angeblich besonders wertvoll für die Ernährung sind", sagt Ernährungsexpertin Angela Clau­­sen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Doch "der Begriff Superfoods ist in Deutschland nicht gesetzlich geregelt", sagt Clausen. Das Wort an sich sagt also gar nichts aus.

Super-Foods: Viele Versprechen, keine Beweise

Glaubt man den Anbietern, bewirken die Lebensmittel wahre Wunder. Sie sollen wahlweise schlank und fit machen, die Zellen vor schädlichen Einflüssen schützen, Krankheiten vorbeugen oder heilen – oder am besten gleich alles zusammen.

Doch für die positiven Wirkungen fehlt es an wissenschaftlichen Belegen, so Angela Clausen. Deshalb dürfe bislang auch keines der Super-Lebensmittel mit sogenannten "Health Claims" werben. So heißen die gesundheitsbezogenen Angaben, die auf den Verpackungen mancher Lebensmittel stehen. Dort heißt es dann: "trägt zur normalen Funktion des Immunsystems bei" oder "wird für die Erhaltung normaler Knochen benötigt". Solche Angaben sind nur zulässig, wenn sie von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit geprüft und per EU-Verordnung genehmigt wurden.

"Super" hat einen hohen Preis

"Frisch geerntet, sind ‚Superfoods‘ tatsächlich reich an wertvollen Inhaltsstoffen", sagt Birgit Hohls, Leiterin der Ernährungsberatung am Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen. Doch der Weg nach Deutschland ist weit. Damit die Früchte die Reise überstehen, werden sie als Trockenobst, Pulver, Saft oder Extrakt haltbar gemacht. "Dabei gehen Nährstoffe und Vitamine verloren", so Birgit Hohls.

Problematisch sind Superfoods auch aus ökologischen Gründen: In den Anbaugebieten herrschen oft niedrige Umweltstandards. Der Umgang mit Pflanzenschutzmitteln und Chemikalien ist dort weniger streng geregelt als hierzulande. Im letzten Jahr benotete das Verbraucher­magazin ÖKO-Test zwei Drittel von 22 getesteten Superfoods wegen Rückständen von Pestiziden, Mineralölen und Schwermetallen mit "mangelhaft" oder "ungenügend".

Warum in die Ferne schweifen?

Was gesunde Inhaltsstoffe betrifft, fällt die Bilanz für frisch geerntetes Obst und Gemüse aus der Heimat genauso gut aus. Und preiswerter sind sie obendrein. Jetzt im Sommer stecken zum Beispiel Beeren und Kräuter voller wertvoller Substanzen. Im Winter sind es die verschiedenen Kohlsorten, und ganzjährig Saison haben Ölsaaten und Kerne wie etwa Leinsamen und Nüsse. Auch beim Thema Umweltschutz punkten heimische Produkte: Sie haben keine weite Reise hinter sich, verbrauchen also weniger Ressourcen.

"Es spricht nichts dagegen, den Speiseplan gelegentlich mit Exoten zu bereichern", sagt ­Birgit Hohls, "aber das Gesamtpaket muss stimmen." Ihr Rat: lieber auf eine ausgewogene und pflanzenbetonte Ernährung als auf Wunderwirkungen einzelner Lebensmittel setzen! Denn aus Fast Food wird auch dann keine gesunde Mischkost, wenn man ab und zu ein Löffelchen Chiasamen kaut.

Vorsicht, Wechselwirkung!

Gojibeeren verstärken die Wirkung gerinnungshemmender Medikamente mit dem Wirkstoff Phenprocoumon. Wer diese einnimmt, sollte auf die Beeren verzichten. Wechselwirkungen zwischen anderen Superfoods und Arzneien wurden noch kaum untersucht. Lassen Sie mögliche Wechselwirkungen Ihrer Medikamente mit Lebensmitteln immer von Ihrem Apotheker abklären!


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