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Was tun bei Nährstoffmangel?

Eigentlich liefert abwechslungsreiches Essen genügend Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Manchmal droht trotzdem ein Mangel. Und dann?

von Alexandra von Knobloch, 08.02.2019
Tabletten

Zusätzliche Nährstoffe in Form von Tabletten oder Kapseln einnehmen? Ob das nötig ist, sollte man immer mit dem Arzt klären


Hohe Blutzuckerwerte

Der Körper versucht, zu viel Zucker im Blut über eine größere Urinmenge auszuscheiden. Dabei gehen möglicherweise Nährstoffe, etwa Magnesium, verloren. "Ein Magnesiummangel kann sich in Muskelkrämpfen bemerkbar machen", erklärt Professor Dr. Karsten Müssig, Leiter des Klinischen Studienzentrums am Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf. Dagegen hilft: magnesiumreiches Mineralwasser trinken. "Stellt der Arzt einen Magnesiummangel fest, sind Magnesiumpräparate sinnvoll", sagt Müssig. Mindestens ebenso wichtig: die Diabetestherapie verbessern.

Metformintherapie

Vitamin B12 und Folsäure sind zwei Vitamine, die der Arzt bei Menschen mit Typ-2-Dia­betes mit Metformintherapie im Blick behalten sollte: Je länger die Behandlung mit diesem Zuckersenker dauert und je höher es dosiert ist, desto niedriger ist bei manchen Patienten der Spiegel an Folsäure und Vitamin B12. In diesem Fall lassen sich die Wirkstoffe als Medikament einnehmen — aber bitte keinesfalls auf ­eigene Faust!

Neuropathien

Manche Menschen mit Diabetes leiden unter Nervenschäden, sogenannten Neuropathien. Diese können sich auch auf die Magenentleerung oder den Darm auswirken, sodass zu wenig Vitamin B12 oder Folsäure aus der Nahrung in den Körper gelangen. Einen Mangel stellt der Arzt fest und kann dann mit entsprechenden Präparaten gegensteuern.

Entzündliche Darmerkrankungen

Durchfälle, Krämpfe, Schmerzen: Patienten, die unter entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis Ulcerosa oder Morbus Crohn leiden, essen oft zu wenig oder sehr eingeschränkt. Ein entzündeter Darm kann zudem manche Nährstoffe nicht resorbieren. Deshalb kann es sein, dass Betroffene nicht genug Vitamine und Mineralstoffe aufnehmen. Bei guter Behandlung löst sich das Problem meist von selbst.
In jedem Fall aber gilt: Vitamin- und Mineralpräparate bitte nicht auf eigene Faust nehmen, sondern "immer mit einem auf Darmerkrankungen spezialisierten Arzt abstimmen", sagt Professor Dr. Jörg Hoffmann, Chefarzt der Medizinischen Klinik I am St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus in Ludwigshafen.

Magenverkleinerung

Wird bei übergewichtigen Menschen der Magen verkleinert, beeinträchtigt dies die Aufnahme von Vitalstoffen nur selten. Anders bei einem Magen-Bypass, für den der Magen sehr stark verkleinert und ein Teil des Dünndarms umgangen wird: "Diese Patienten müssen meist lebenslang Vitamine und Spurenelemente einnehmen", sagt Karsten Müssig. Dabei geht es besonders um die fettlöslichen Vitamine K, A, D und E, die wasserlöslichen B12 und Folsäure sowie den für die Blutbildung notwendigen Mineralstoff Eisen. Der Arzt bespricht und kontrolliert aber ganz genau, welche zusätzlichen Nährstoffe wichtig sind.

Schwangerschaft

Folsäuremangel in der Frühphase der Schwangerschaft ist der häufigste Grund für einen "offenen Rücken", eine schwere Schädigung des Kindes. Darum sollten Frauen mit Kinderwunsch möglichst schon mindestens vier Wochen vor der Empfängnis und bis mindestens zur zwölften Schwangerschaftswoche ein Folsäure-Präparat einnehmen. Ernährungsexperten raten außerdem zu einer zusätzlichen Jodgabe für werdende Mütter.

Im Alter

"Mindestens ein Drittel der alten Menschen hat irgendwann einen Nährstoffmangel", schätzt Experte Müssig. Oft essen Betroffene schlicht zu wenig. Das kann viele Gründe haben. Das Geschmacksempfinden lässt nach, sie fühlen sich einsam oder krank, können nicht gut kauen oder schlucken. Zudem können sich manche Medikamente, die im Alter notwendig werden, auf die Nährstoffaufnahme auswirken. Wichtiger, als den Mangel mit Medikamenten auszugleichen, ist es, die Ursache zu finden und zu beheben. Auch hier gilt: Bitte mit dem Arzt abklären, ob zusätz­liche Nährstoffe sinnvoll sind.

Vegetarier und Veganer

Vegetarier decken ihren Eisenbedarf, wenn sie regelmäßig Hülsenfrüchte, etwa Bohnen, Erbsen oder Linsen, und Nüsse, Getreide sowie Kohl essen. Für den Zuckerstoffwechsel ist eine pflanzenbetonte Ernährung sogar besonders günstig.
Bei Veganern, die ganz auf tierische Produkte verzichten, kann die Versorgung mit Eisen, Vitamin B12, Jod, Kalzium, Omega-3-Fettsäuren, Eiweiß und Vitamin D problematisch sein. Sie sollten sich um eine entsprechende Ernährung bemühen. Eine Ernährungsberatung hilft Mangelzu­stände zu verhindern. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt die dauerhafte Einnahme von Vitamin-B12-Präparaten. Der Arzt kann testen, ob zusätzliche Nährstoffe nötig sind.
Achtung: Säuglinge und Kinder sollten nicht vegan ernährt werden, weil sie sonst nicht gut gedeihen.


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